Du weißt ganz genau, dass du heute zeitig ins Bett gehen solltest oder dringend eine Mail abschicken musst, aber du schiebst es vor dir her. Du träumst von deinem großen Lebensziel, aber machst keinen Schritt in diese Richtung. Du möchtest eine harmonische Beziehung, gerätst aber immer wieder an den Falschen und damit direkt ins Drama. Woran liegt es? Nicht selten an Selbstsabotage. Du sabotierst dich selbst, bewusst oder unbewusst – und das aus den unterschiedlichsten Gründen.
In diesem Artikel erfährst du, wie du die Ursache für deine Selbstsabotage findest und sie überwindest.
Ich sabotiere mich selbst: Wie äußert sich Selbstsabotage?
Nur wenige Menschen fragen sich früher oder später: Sabotiere ich mich gerade selbst? Oder sogar immer wieder?
- Prokrastination
Du weißt ganz genau, du solltest gerade einen wichtigen Brief schreiben und abschicken, ins Bett gehen oder Sport treiben, endlich gesünder essen, ein entscheidendes Telefonat führen – aber du machst: Nichts oder irgendetwas anderes. Du schiebst Aufgaben vor dir her. Bis du dadurch immensen Zeitdruck oder ein Drama kreiert hast, oder es zu spät ist.
Prokrastination oder Aufschieberitis ist ein typisches Symptom der Selbstsabotage. Aber auch eins, das du einfach überwinden kannst.
- Perfektionismus
Entweder perfekt oder gar nicht. Du bist nur zufrieden, wenn alles zu 110 Prozent stimmt. Dadurch verlierst du dich zum Beispiel in unwichtigen Details, anstatt dich auf das große Ganze zu konzentrieren und erreichst Deadlines nur mit immensem Stress. Oder du verschleppst sie. Vielleicht beginnst du auch gar nicht erst, weil du nicht die perfekte Ausrüstung dafür hast.
- Angst vor Erfolg
Du könntest gerade eine Weiterbildung machen, aber stattdessen schaust du deine Serie. Du könntest endlich ein zweites Standbein aufbauen. Stattdessen spielst du ein Spiel auf dem Handy. Versteh mich nicht falsch:
- Hobbys machen glücklich,
- Ehrenämter tun deiner Gesundheit gut,
- jeder Funday-Sunday oder Wellness-Wednesday steigert deine Gesundheit und deine Resilienz,
- und Spielen ist sogar für Erwachsene wichtig.
ABER: Hast du eigentlich den Wunsch nach einem besseren Job, einem höheren Einkommen oder Verbesserungen in deinem Leben und bleibst dennoch untätig oder wirst du aufgeregt, fahrig und tollpatschig, wenn du mehr Verantwortung bekommst? Dann kann Selbstsabotage dahinterstecken.
Ebenso verhält es sich, wenn du unter deinem Potenzial arbeitest, immer wieder zu spät kommst oder Aufgaben schlampig erledigst. Dahinter steckt oftmals nicht etwa Gleichgültigkeit oder fehlende Kompetenz, sondern Angst vor dem, was der Erfolg mit sich bringt.
- Angst vor Ablehnung und Verlust
Du weißt ganz genau, dass dir ein falscher Freund nicht guttut und du endlich eine Grenze setzen musst. Anstatt das zu machen, schluckst du den Ärger und die verletzten Gefühle runter. Du brauchst dringend mal Zeit für dich, um abzuschalten, Schlaf nachzuholen und dich auszuruhen, aber du sagst trotzdem anderen deine Zeit, Energie und Hilfe zu.
Während der ausstehende Frühjahrsputz im Freundeskreis dich vor allem emotional und psychisch belastet, kann dich das Ausbeuten deiner Kräfte deine körperliche Gesundheit kosten.
- Immer die falschen Beziehungen wählen und darin bleiben
Deine Freunde sind nicht für dich da, wenn du sie brauchst. Ebenso wie deine Familie kennen sie deine Nummer nur, wenn sie gerade deine Hilfe brauchen. Dein Partner überschreitet ständig deine Grenzen und kontrolliert dich.
Hast du dich endlich mal zu einer richtigen und wichtigen Trennung durchgerungen, wirst du rückfällig und gehst zurück. Oder du fällst direkt in die nächste Beziehung mit einem Narzissten, bei der nach dem anfänglichen Lovebombing das böse Erwachen kommt.
Du scheinst immer wieder vom Regen in die Traufe zu kommen und weißt oftmals nicht, warum. Denn du lädst schließlich nicht bewusst toxische Menschen in dein Leben ein.
- Sich selbst ständig kritisieren
Ich bin eben zu dumm dafür. Ach, das schaffe ich doch eh nicht. Warum kann ich mich einfach nicht motivieren? Ich bin zu faul und erreiche nie was! Wieso hab ich das denn mal wieder nicht vorher gesehen?
Kommt dir das bekannt vor? Ständige Kritik an dir selbst hat ihre Ursache oftmals in der Kindheit oder in deinem Umfeld und ist typisch für Selbstsabotage. Du hältst dich damit klein, demotivierst dich und redest dir schon vorm Start aus, Neues zu probieren oder auf Ziele hinzuarbeiten.
- Es besser wissen, aber falsch machen
Ein deutliches Anzeichen für Selbstsabotage und zugleich das nervigste Symptom: Eigentlich weißt du ganz genau, was das Richtige wäre. Du weißt, du solltest der 3S-Regel oder der 1-Minute-Methode eine Chance geben, mehr Sport treiben, eine gesunde Routine einführen, dein soziales Netzwerk aufbauen oder ausbauen. Du weißt auch ganz genau, dass du gute Freunde vernachlässigst, während du um die Aufmerksamkeit der negativen Menschen in deinem Leben buhlst. Aber du machst es trotzdem.
Das richtige Verhalten zu kennen und dich dennoch anders zu verhalten, ist das Gegenteil von Selbstliebe und auch das Gegenteil von Selbstrespekt.
Wie stelle ich Selbstsabotage ab?
Den Verdacht zu haben, dass du dich selbst sabotierst, zeugt von (einsetzender) Selbstreflexion. Genau das ist wichtig und genau genommen der entscheidende erste Schritt für eine Verbesserung in deinem Leben.
Danach müssen aber weitere Schritte folgen, um deine Selbstsabotage im Alltag abzustellen.
Schritt 1 – Das Problem erkennen und benennen: Wo liegt die Ursache für die Selbstsabotage?
Deine linke Schulter schmerzt. Du kannst deinen linken Arm dadurch kaum bewegen. Bewegst du deinen Kopf zu schnell oder zu weit, fährt ein heißes Ziehen durch deinen Nacken und deine Schulter. Ob du in eine Jacke schlüpfst oder nach deinem Smartphone greifst, jede Bewegung tut weh.
Du nimmst eine Schmerztablette ein und trägst Schmerzsalbe auf. Das hilft kurz und ein wenig. Aber morgen ist es wieder genauso schlimm. Warum? Weil du die Ursache nicht kennst, sondern nur die Symptome bekämpfst. Du hast nicht nachgeforscht, ob du einen Dorn in der Schulter hast, sie zu viel oder zu wenig bewegst, falsch darauf schläfst oder zu schwer trägst.
Ganz genauso verhält es sich mit der Selbstsabotage. Zuerst musst du wissen, woher sie kommt. Erst dann kannst du gezielt und nachhaltig dagegen vorgehen. Doch woher kann der Hang dazu kommen, dass du dich sabotierst?
Welche Gründe gibt es für Selbstsabotage?
Der Begriff Selbstsabotage ist irreführend. Ja, in dem Moment der Selbstsabotage sabotierst du dich selbst. ABER: Kein Mensch kommt mit dem Instinkt auf die Welt, sich selbst Chancen zu verhunzen. Die Ursachen dafür, dass du dir Steine in den Weg legst und dir im Weg stehst, die reichen oft deutlich weiter zurück und deutlich weiter:
- Prägung in der Kindheit
Deine Eltern, Großeltern, Geschwister oder Lehrer können dir beispielsweise eingeredet haben, dass du nichts schaffst. Oder, dass du weniger wert bist als andere. Dass deine Wünsche und Bedürfnisse weniger zählen oder falsch sind.
Die Prägung in der Kindheit kann ebenso ungesunde Beziehungsmuster erzeugen.
- fehlende Selbstreflexion
Du findest dich ständig in ungesunden Beziehungen wieder? Vielleicht liegt das daran, dass du am Anfang Gemeinsamkeiten vorgaukelst oder deine Grenzen nicht konsequent verteidigst. Das bedeutet nicht, dass du schuld daran bist. Es bedeutet aber, dass du gezielt etwas dagegen unternehmen kannst.
Eventuell hast du bisher auch nicht bemerkt, wie häufig und wie sehr du dich kritisierst und dich damit selbst kleinhältst. Oder, dass du dir immer wieder viel zu viel auf einmal auflädst und dich dadurch selbst zum Scheitern verurteilst.
Sobald du gezielt Selbstreflexion betreibst, kannst du dein schädigendes Verhalten ändern.
- ungesundes Umfeld
Ist dein Umfeld empathisch, unterstützt und motiviert dich? Oder nutzen die Menschen in deinem Leben dich aus, kritisieren dich ständig und halten dich klein? Glauben sie an dich? Oder reden sie dir jedes Ziel aus?
Wer auch immer dich umgibt, hat einen immensen Einfluss auf dich. Auch dann, wenn es dir gerade nicht so vorkommt.
- falsche Vorstellungen und Glaubenssätze
Wir alle haben sie: Glaubenssätze. Oftmals haben wir sie durch andere übernommen. Ein Beispiel für einen guten, gesunden Glaubenssatz ist „Wenn ich das Schritt für Schritt angehe, schaffe ich es.“ oder auch: „Ich bin es mir wert, gesund zu leben.“
Beispiele für negative Glaubenssätze sind:
- Ich verdiene die schlechte Behandlung.
- Mit mir kann man es ja machen.
- Nie schaffe ich irgendwas.
- Das wird doch auch wieder nichts, also muss ich es gar nicht erst versuchen.
- Ich bin zu dumm.
- Ich muss es anderen leicht und immer recht machen.
- Ich muss mir Liebe durch Arbeit verdienen.
- Ich bin nicht liebenswert.
Vielleicht hast du dir einen solchen Glaubenssatz schon mal Wort für Wort gedacht. Vielleicht hast du ihn aber auch unbemerkt verinnerlicht und lebst danach, ohne es bewusst zu bemerken. Die Selbstsabotage rührt dann daher, dass du dir selbst Steine in den Weg legst oder gar nicht erst versuchst, ein Ziel zu erreichen – um deinen Glaubenssatz zu bestätigen.
- falsche Ziele
Einer der häufigsten guten Vorsätze in jedem neuen Jahr: sportlicher werden. Menschen fangen an zu joggen, Yoga zu machen, melden sich im Fitness-Center an, investieren in Hometrainer und Proteinshakes. Spätestens im Februar haben die meisten wieder „aufgegeben“ oder auch: Sich so weit selbst sabotiert, dass sie kaum Sport treiben „können“.
Woran liegt das?
Oft an falschen Zielen. Dauerhaft sportliche Menschen haben Spaß an der Bewegung oder ein klares Ziel vor Augen, das zu ihnen passt. Das kann die schlankere Linie der Gesundheit zuliebe sein, verbesserter Schlaf, mehr Energie, mehr Kraft oder gesteigerte Sicherheit.
Wer nach kurzer Zeit wieder aufgibt, hat genau das nicht. Er hat weder Spaß am Sport noch das passende Ziel. (Beides lässt sich ändern.)
Das gleiche Prinzip trifft bei allem anderen zu. Spaß, Gewohnheit und die richtigen Ziele sorgen dafür, dass du am Ball bleibst. Auch dann, wenn du mal einen Rückschlag erlebst.
- geringes Selbstwertgefühl
„Ach, für mich allein lohnt sich das doch nicht.“
„Ich bin nur etwas wert, wenn ich funktioniere.“
Erinnere dich an die negativen Glaubenssätze. Du kannst damit bewusst oder unbewusst Selbstsabotage betreiben und dein Selbstwertgefühl immer weiter schwächen.

Schritt 2 – Selbstwert und Selbstliebe steigern
Der Großteil der Selbstsabotage hat seine Ursache in geringem Selbstwert, fehlender Selbstliebe und den negativen Einflüssen anderer.
Steigerst du dein Selbstwertgefühl und wendest den Trick an, dich selbst wie deinen besten Freund zu behandeln, senkst du das Risiko, dich selbst zu sabotieren. Du erkennst schneller und trennst dich auch schneller von Personen, Dingen und Angewohnheiten, die dir nicht guttun.
Baust du zusätzlich, praktisch und aktiv deine Selbstliebe auf, haben ungesunde Beziehungen und andere Hürden immer geringere Chancen, dich zu sabotieren.
Schritt 3 – Erfolgsplan aufstellen: Klein anfangen statt überladen
Die meisten Menschen übereilen sich. Sie wollen alles jetzt sofort. Daher stehen Crash-Diäten und vermeintliche Wundermittel hoch im Kurs – obwohl sie gefährlich sind. Und daher bevorzugen viele Hauruck-Aktionen, obwohl täglich kleine Einheiten die bessere Wahl wären.
Willst du sportlicher werden, aber das regelmäßige Workout klappt einfach nicht? Ein möglicher Erfolgsplan ist es, ab sofort jeden Tag eine Minute Sport zu machen. 1 Minute:
- Treppen steigen
- Springseilspringen
- Planken
- Liegestütze
- Kniebeuge
- Sit-ups
- Gewichte heben
Eine Minute schafft jeder. Selbst an einem stressigen Tag. Nach durchschnittlich 66 Tagen ist daraus eine Gewohnheit geworden, die für dich automatisch abläuft und keinen Aufwand mehr erfordert. Nach durchschnittlich 66 Tagen hast du außerdem 66 Minuten mehr Sport gemacht als zuvor. Und du kannst es ausbauen. Durch den Compound-Effekt wirken sich diese Gewohnheit und die kleinen, aber regelmäßigen Sporteinheiten außerdem auf deutlich mehr aus, als du denkst.
Vielleicht nimmst du ab sofort eher Treppen als Aufzug oder läufst eher als zu fahren. Du greifst zum Salat, Smoothie oder der Suppe, anstatt zur ungesunden Alternative. Diese winzigen, scheinbar unbedeutenden und plötzlich leichteren Entscheidungen summieren sich. Getreu dem Motto: „Kleinvieh macht auch Mist.“ kannst du dadurch täglich dein Leben verbessern.
Schritt 4 – Ertapp dich: Stetige Kurskorrektur ist wichtig
Viele Ratgeber versprechen: Befolg diese 123 Tipps und schon ist dein Leben spätestens morgen besser. Für immer – natürlich. Aber die Realität sieht anders aus. In der Realität bist du nicht nach einer Woche Sport für immer fit. Du musst dafür regelmäßig trainieren. Nach 14 Tagen Crash-Diät bist du nicht für immer schlank. Nach einmal richtig gründlich Zähneputzen bleiben deine Zähne nicht für immer sauber.
Das Gleiche gilt für die Selbstsabotage. Du kannst immer wieder in alte Muster rutschen und erneut damit beginnen, dich zu sabotieren.
Also reflektiere jeden Abend für einen Moment über den Tag:
Hab ich heute das gemacht, was mir guttut und mich weiterbringt? Wo hab ich mir Steine in den Weg gelegt?
Frag dich außerdem jeden Morgen:
Was kann ich mir heute Gutes tun?
Bewusst innezuhalten und über den Tag zu reflektieren, dankbar zu sein und deine Erfolge zu feiern, hat schnell einen ungeahnt großen Effekt.
Schritt 5 – Hilfe holen: Falls nötig
Du versuchst alles, aber kommst einfach nicht weiter? Niemand schafft alles allein. Gezielte Fragen und Tipps durch einen Therapeuten oder Coach, helfen an dieser Stelle nicht nur weiter. Sie können absolut nötig sein, um dich voranzubringen und die Selbstsabotage hinter dir zu lassen.
Das ist vor allem dann der Fall, wenn du dich selbst sabotierst, nachdem du eine oder mehrere toxische Beziehungen erleiden musstest oder ein Trauma erlebt hast.
Selbstsabotage als Traumafolge
Hast du ein Trauma erlebt oder warst Opfer eines Narzissten? Dann kann die Selbstsabotage eine Folge davon sein. Denn traumatische Erlebnisse und ungesunde Beziehungen hinterlassen deutliche Spuren und können zu bizarren Verhaltensweisen führen. Dazu gehört es auch, dich selbst beim Erreichen von Zielen zu behindern und dich selbst zu bestrafen.
Hier ist in jedem Fall professionelle Hilfe angeraten, denn allein lässt sich diese tiefsitzende und schwierige Traumatisierung nur schwer oder auch gar nicht bewältigen.

Selbstsabotage im Alltag überwinden: praktische Tipps
- Hinterfrag dich – und zwar täglich
Warum mache ich das gerade? Warum mache ich B, wenn ich ganz genau weiß, A wäre richtig für mich?
Ob du sportlicher werden wolltest, jetzt aber doch mit Chips auf der Couch sitzt, oder du endlich sparen wolltest, aber doch wieder dein Budget ausgereizt hast: Selbstreflexion beginnt in diesem Fall mit der Frage: „Warum?“ Und dann frag dich: „Wie kann ich es besser machen?“
- Führ Tagebuch
Das menschliche Hirn hat oftmals eine Macke: Es dokumentiert sehr selektiv. Daher kommt es uns bei kleinen, aber kontinuierlichen Fortschritten so vor, als würde kaum oder gar nichts passieren. Das kann wiederum demotivierend sein und dazu führen, dass du schon längst auf einem guten Weg bist – aber aufgibst, weil du scheinbar nicht vorankommst.
Journaling verhindert, dass du auf diese kognitive Falle hereinfällst. In einem Tagebuch kannst du immer wieder zurückblättern und nachschauen, wie weit du bereits gekommen bist. Du kannst Braindumping betreiben, entspannter reflektieren und nebenbei auch noch deinen Schlaf verbessern, wenn du dir abends alles von der Seele schreibst.
- Leg den „Perfektionismus“ als Ausrede ab
Deine Wohnung sieht aus wie Kraut und Rüben. Der Abwasch muss erledigt werden, der Müll muss raus, der Papierberg auf dem Schreibtisch weg und irgendwer sollte dringend mal die Fenster putzen. Aber:
- Hast du keine Zeit, jetzt alles zu erledigen.
und
2. Haben sich deine Motivation und deine Selbstdisziplin gerade drei Städte weiter im letzten Haus ganz weit hinten im Keller versteckt. Denn Lust hast du erst recht nicht, bei dem Gedanken an die ellenlange To-do-Liste für den Haushalt.
Und wenn du nicht alles auf einmal erledigen kannst, warum dann überhaupt anfangen? Die Ganz-oder-Gar-nicht-Attitüde ist ein beliebtes Werkzeug der Selbstsabotage. Sie steht dir also im Weg.
Die Lösung: Erledige eine Aufgabe, die schnell und leicht ist, anstatt auf die Gelegenheit (und Dringlichkeit) für den gesamten Frühjahrsputz zu warten. Du kannst zum Beispiel ein Fenster putzen oder 5 Teile abwaschen oder den Couchtisch aufräumen.
Ist dadurch alles schlagartig perfekt? Nein. ABER:
- Den Müll rauszubringen oder die Waschmaschine anzuwerfen, kostet deutlich weniger Überwindung, als alles auf einmal anzugehen.
- Eine Sache zu erledigen ist besser als gar keine.
- Du kannst dadurch deine Motivation triggern und mehr schaffen, als du dir vorgenommen hast.
- Mach es dir leichter
Ich koche gerne und ich ernähre mich gerne zumindest halbwegs gesund. Wenn ich nicht täglich kochen muss. Ich kaufe auch gerne ein. Wenn ich mir dabei Zeit lassen kann und nicht durch die Gänge hetzen muss. Unnötig zu sagen, dass meine Vorlieben für entspanntes Kochen und noch entspanntere Wocheneinkäufe inkompatibel mit der Notwendigkeit für tägliche Nahrungsaufnahme, der Realität in Supermärkten und alltäglicher Zeitknappheit ist.
Dennoch quälte ich mich immer wieder in den Supermarkt, kaufte im richtig großen Stil Unmengen Obst, Gemüse, Kräuter und Co. ein. Damit ich im Anschluss jeden Tag aufs Neue feststellte, dass ich doch wieder auf Toast und Takeout zurückgriff, weil Zeit knapp, Lust nicht vorhanden und Hunger immens. Das Ganze natürlich, während der sorgsam ausgewählte (und teure) Kühlschrankinhalt nicht gerade frischer wurde und viel zu oft im Müll landete.
Eine Entscheidung für Meal Prep und simple, schnelle Supermarktlieferungen später, bekam ich samstags Lieferungen ohne Nerv, kochte jeden Sonntag entspannt vor und hatte im Anschluss für mehrere Tage Suppen, Salate, Smoothies, Pasta, Couscous, Ofengemüse und Chia-Pudding im Kühlschrank. Ich hatte mir das Leben leichter gemacht, der Selbstsabotage damit ein Schnippchen geschlagen, sparte Geld, Zeit, Aufwand und Überwindung, aß gesünder und es verdarben keine Lebensmittel mehr. Außerdem gestaltete ich meine Sonntage nun so, dass ich mir montags und noch ein paar Tage später dafür dankte, weil mein Sonntags-Ich mir den Aufwand für jede Mahlzeit abgenommen hatte.
Natürlich lässt sich nicht immer alles so einfach leichter gestalten, um Selbstsabotage in einem Bereich zu beenden. Oder zumindest das Risiko dafür zu senken.
Aber meistens gibt es Mittel und Wege, wenn du dir ein paar Minuten Zeit für dein Problem nimmst und alle möglichen und scheinbar unmöglichen Lösungen betrachtest.
- Unterhalt dich mit deinen Problemen, deiner Angst & deinem inneren Kind
Woher kommen sie? Warum sabotieren sie dich? Wie kannst du Schritt für Schritt ein Problem lösen? Was will dein inneres Kind und wie kannst du es ihm geben?
Nimm Angst als Beispiel. Angst will dich nicht ärgern. Und sie will dich auch nicht von positiven Dingen abhalten. Ganz im Gegenteil, sie will dich vor Negativem schützen. Sie meint es gut mit dir. Dabei können ihr jedoch Fehler unterlaufen und sie kann es übertreiben, was dann wiederum dazu führt, dass sie dich von Positivem abhält.
Nimmst du deine Angst ernst und erkennst sie an, redest mit ihr und dankst ihr sogar, kannst du ihr auch deutlich einfacher Grenzen setzen und mit ihr umgehen. Du befreist dich von ihrem negativen Einfluss und machst sie zu einem Freund, mit dem du sprechen kannst.
Beispiel: Die ungesunde Beziehung und die Angst
Du bist seit einer Weile in einer Beziehung, die dir nicht guttut. Dein Partner ist dir gegenüber empathielos. Wenn du mit ihm redest, hört er nicht zu. Oder Gespräche und Konflikte drehen sich im Kreis. Er ist nicht für dich da, sondern das beste Beispiel für: „Wenn du dich auf ihn verlässt, bist du verlassen.“ Alles an dir wird von ihm kritisiert oder nicht gewürdigt. Oder beides.
Vielleicht habt ihr euch einfach nur auseinandergelebt oder nie wirklich zusammengepasst. Vielleicht bist du durch das anfängliche Lovebombing und die anschließende Abwertung in emotionale Abhängigkeit geraten und hast jetzt sogar Angst vor einer Trennung.
Rational weißt du, das Richtige für dich ist es, eine sichere Trennung einzuleiten. Denn die Beziehung raubt dir Zeit, Kraft und sie macht dich unglücklich. ABER: Du hast Angst davor, allein zu sein. Was, wenn du nie wieder einen Partner findest?
Sprich mit deiner Angst und mach ihr klar, dass du in der Beziehung schon längst allein bist. Dein Partner hat keine Empathie für dich. Er hört dir nicht zu. Er ist nicht für dich da. Du kannst dich nicht auf ihn verlassen. Wärst du allein, dann hättest du jemanden, auf den du dich verlassen kannst und der dir zuhört: dich.
Du hättest ohne ihn außerdem die Möglichkeit, endlich zu schlafen, wann, wo und wie du willst. Essen und TV-Programm werden nur noch durch dich bestimmt. Du kannst dein soziales Netzwerk ausbauen und Freunde finden, die dein Leben wirklich bereichern. Du könntest endlich ein Hobby finden, das dich glücklich macht. Ein Ehrenamt annehmen, einem Verein beitreten und du hättest jemanden, der sich ganz und gar um dich kümmert: immer noch dich.
Indem du dich mit deiner Angst auseinandersetzt und ihr erklärst, warum sie gerade überreagiert, machst du dir selbst etwas klar. Du machst dir klar, dass du dich schon längst einsam fühlst und genau das durch die Trennung ändern willst. Du willst endlich richtige Verbindungen mit Menschen, auf die Verlass ist, die dich respektieren und mitfühlend sind.
Und das muss gar nicht durch deinen Partner oder durch einen neuen Partner realisiert werden. Ebenso kannst du damit anfangen, dich häufiger mit Gleichgesinnten oder zumindest mit Menschen mit ähnlichen Interessen zu umgeben. Such dir einen Buchclub, beleg Kurse an der Volkshochschule, mach bei einem Social Walk mit, engagier dich für einen guten Zweck, vernetz dich mit anderen Menschen, die sich einsam fühlen.
Ob Brettspieltreff, Bowling-Liga oder Kletterpartner: Wenn du (Fern-)Freundschaften reaktivierst und pflegst, neue Menschen triffst und dich aktiv um dich selbst kümmerst, nimmst du der Angst den Wind aus den Segeln. Und du betreibst damit praktische Selbstliebe, was wiederum dein Selbstwertgefühl steigert und die Neigung zur Selbstsabotage reduziert.
Wie höre ich auf, mich selbst zu sabotieren?
Indem du zuerst die Ursache dafür findest. Ängste, geringes Selbstwertgefühl und falsche Glaubenssätze oder Ziele sind oft dafür verantwortlich, dass du dich selbst sabotierst. Sobald du den jeweiligen Grund kennst, kannst du aktiv und zielgerichtet dagegen vorgehen. Sei es allein oder mit Hilfe, weil der Auslöser ein Trauma ist.
Du kannst dich mit deinen Ängsten, deinen Problemen und deinem inneren Kind respektvoll unterhalten. Dich von den Ängsten befreien, deine Probleme Schritt für Schritt lösen und das Risiko für Selbstsabotage senken, indem du dein inneres Kind zufrieden bis glücklich machst. Du kannst es dir außerdem leichter machen, dich nicht mehr zu sabotieren, dir die richtigen Ziele setzen und deine Selbstreflexion trainieren.
Das Erstaunliche daran: Sobald du damit anfängst, immer wieder genauer hinschaust und nachfragst, kommt eine Kettenreaktion in Gang. Dir fallen beruflich und privat immer mehr Dinge auf, die du nach und nach immer leichter lösen kannst. Du beginnst damit, die Steine in deinem Weg wegzuräumen – anstatt neue hinzuzufügen.







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