Selbstliebe lernen? Ja, das geht. Aber nicht so, wie viele glauben. Denn Selbstliebe zu lernen, besteht eben nicht (nur) daraus, dass du positive Affirmationen wiederholst und dir vorm Spiegel nette Dinge sagst. Erfolgreiche Selbstliebe-Methoden sind deutlich praktischer und alltäglicher – und damit auch viel einfacher umsetzbar, als du vielleicht denkst.
Selbstliebe oder Selfcare?
Wirklich klar lassen sich diese beiden Dinge nicht voneinander abtrennen, denn sie sind eng miteinander verwoben. Betreibst du Selfcare, legst wöchentlich einen Wellness Wednesday und einen Sunday-Funday für dich selbst ein, ist das praktische Selbstliebe im Alltag.
Selbstliebe geht aber noch einen Schritt weiter und dient dir unter anderem als Schutz vor ungesunden Beziehungen. Wenn du dich selbst liebst, akzeptierst und respektierst, lässt du dich nicht ausnutzen oder schlecht behandeln. Du wehrst dich dagegen und lässt nur liebevolle und respektvolle Menschen in dein Leben.
Selbstliebe ist nicht selbstverliebt
Obwohl sich das Thema Selbstliebe lernen in zahlreichen Büchern, Blogs, Magazinen und Podcasts findet, machen einige Menschen einen großen Bogen darum oder sie machen sich darüber lustig. So mancher hat auch Angst davor, dass Selbstliebe ihn in narzisstische Gefilde bringt.
Doch Selbstliebe ist erstens nicht Selbstverliebtheit und bringt dich zweitens ganz weit weg davon, ein Narzisst zu sein. Denn Narzissten lieben nicht, nicht einmal sich selbst. Deswegen können sie beispielsweise nicht allein sein – denn sie ertragen sich selbst nicht.
Dich selbst lieben lernen: die Vorteile von Selbstliebe
Selbstliebe zu lernen, bringt eine ganze Reihe von Vorteilen mit sich, die weit über ein gutes Gefühl hinausgehen. Darunter:
- Selbstbewusstsein und Selbstwert steigern
- Resilienz stärken
- Stress und Mental Load senken
- Gesundheit fördern
- Schutz vor toxischen Menschen und falschen Freunden aufbauen
- Empathischer und dadurch entspannter werden
Selbstliebe lernen in 15 einfachen Schritten
Genug Vorgeplänkel, los geht es mit der praktischen Seite der Selbstliebe, die du in 15 einfachen Schritten angehen kannst.
Selbstliebe lernen Schritt 1: Wer bin ich eigentlich?
Vielleicht hast du ein Bild von dir, das dich überhaupt nicht reflektiert. Vielleicht wurde dir auch dein Leben lang eingeredet, dass du nicht gut genug bist, nicht genug schaffst oder du wirst ständig auf andere Weise kritisiert.
Betrachte dein Leben einmal so objektiv wie möglich.
- Wer bist du?
- Was leistest du?
- Was hast du schon geschafft?
- Was ist dir wirklich wichtig im Leben?
- Was wünschst du dir?
Oder: Nutze die 36 Fragen zum Verlieben, um dich selbst besser kennenzulernen.
Selbstliebe lernen Schritt 2: Wie redest du eigentlich mit dir?
Du stellst dich hin und kochst für die Familie, deine Freunde und den Besuch. Für dich selbst? „Ach, für mich selbst so zu kochen, lohnt sich nicht.“
Warum bist du weniger wert als dein Besuch? Denn genau das sagst du dir in dem Moment, wo du für andere mehr Aufwand betreibst als für dich.
Jemand tut sich weh oder ist krank – du bist besorgt, bekundest Anteilnahme und bietest Hilfe an. Bei dir selbst? Hast du dir schon einmal Vorwürfe gemacht, weil es zu einer Verletzung kam? Dich mit Schmerzen oder krank zur Arbeit gezwungen?
Warum lässt du dir nicht die gleiche Fürsorge angedeihen, die du anderen widmest?
Selbstliebe lernen Schritt 3: Sei dein Freund
Ein bewährter Trick für das Erlernen von Selbstliebe: Behandle dich wie deinen besten Freund.
Wie würdest du mit deinem besten Freund oder einem anderen Menschen umgehen, den du liebst, wenn:
- die Person einen Rückschlag oder eine Krise erlebt?
- sie traurig ist?
- sie einen Erfolg verbuchen kann?
- sie zurecht wütend ist oder dringend mal eine Auszeit braucht?
Wer Selbstliebe lernen muss oder will, behandelt andere oft deutlich besser als sich selbst.
Nimm dir ein Beispiel an dir selbst oder besser gesagt daran, wie oft du der Cheerleader für andere bist, der Tröster, Kummerkasten oder derjenige, der zu anderen sagt: „Sei doch nicht so hart zu dir selbst.“
Selbstliebe lernen Schritt 4: Date dich
Klingt komisch bis extrem seltsam, ist aber wirksam. Wie verhältst du dich beim Daten? Oder wie hast du dich verhalten? Vermutlich hast du dich in Schale geworfen, zumindest gelegentlich bei Kerzenlicht gegessen, du hast dir Zeit genommen, viele Fragen gestellt und Parfum aufgelegt.
Bemüh dich zumindest gelegentlich ganz genauso um dich. Gönn dir gutes Essen und Cocktails oder Mocktails. Zieh dir das schicke Outfit an und iss bei Kerzenschein.
Indem du nicht nur für andere Aufwand betreibst, zeigst du dir selbst sehr deutlich und praktisch, dass du es dir wert bist.

Selbstliebe lernen Schritt 5: Tu dir regelmäßig gut
Halte regelmäßig inne und unternimm etwas Schönes, nur für dich. Das kann der Abend sein, an dem du Zeit für Singen und Tanzen hast, ein Geschenk oder ruhige Reflektion über die letzte Zeit.
Ebenso kann es bedeuten, dass du die 3S-Regel in dein Leben integrierst und Yoga machst, um mehr auf deine Gesundheit zu achten und sie aktiv zu fördern oder ein Wochenende einlegst, an dem du keinerlei Verpflichtungen, dafür aber viel Zeit zum Schlafnachholen hast.
Selbstliebe lernen Schritt 6: Sei stolz auf dich
Wer Selbstliebe lernen muss, der geht mit sich selbst deutlich härter ins Gericht als mit anderen. Vielleicht bis ziemlich sicher gibst du dir mehr Mühe für andere als für dich. Und du feierst die Erfolge anderer mehr als du deine anerkennst.
Ändere das, und feiere zur Abwechslung dich. Sei stolz auf dich, weil du den harten Tag oder die viel zu lange Woche überstanden hast. Dass du ruhig geblieben bist, als du provoziert wurdest. Dass du eine Aufgabe erledigt hast, die dir schwerfiel.
Halte bewusst inne und sei stolz auf dich. Sprich die Worte „Ich bin stolz auf mich“ laut aus. Gönn dir etwas, mach dir ein Geschenk und schreib den Erfolg in deinem Tagebuch auf oder mach ihn sichtbar – zum Beispiel an einer Tafel oder einem Wandkalender.
Selbstliebe lernen Schritt 7: Verabschiede dich von ungesunden Einflüssen
Selbstliebe zu lernen, fällt vielen schwer genug. Was es noch schwieriger macht: falsche Freunde und andere negative Einflüsse in deinem Leben.
Ob du in einer ungesunden Partnerschaft, Freundschaft oder Familie steckst – wirst du ausgenutzt und ständig kritisiert, kannst dich aber selbst auf niemanden verlassen, während du andauernd hilfst, Kummerkasten und Cheerleader bist – dann sinkt dein Selbstwertgefühl unters Bodenlevel. Du wendest Unmengen Energie für andere auf, die dich vielleicht mit Breadcrumbing abspeisen oder dir auf anderem Wege aktiv schaden.
Betreibe einen Frühjahrsputz im Freundeskreis. Verabschiede dich von den negativen Einflüssen und nutz die eingesparte Kraft für dich und für die Menschen, die dir guttun.
Selbstliebe lernen Schritt 8: Bilde eigene Mantras
Eigene Mantras bilden, das klingt nach Esoterik und psychologischem Mambojambo. Dabei hast du längst welche, die du dir immer wieder vorsprichst oder zumindest denkst.
- Ich bin so doof.
- Das schaffe ich nie.
- Immer mache ich XY.
- Nie denke ich daran, dass…
Kommt dir bekannt vor? Vielleicht redest du dir mit deinen aktuellen Mantras ein, dass du nicht gut genug bist oder nie etwas schaffst oder etwas verdienst, was dir niemand antun sollte.
Nutze stattdessen den Pygmalion-Effekt und selbsterfüllende Prophezeiungen, für die du bewusst eigene, positive Mantras und Glaubenssätze verwendest. Dabei kann es helfen, dich gezielt zu erinnern und dir vor Augen zu halten, was du in deinem Leben bereits geschafft hast.
- Ich glaube an mich.
- Ich habe XY geschafft, dann schaffe ich auch das.
- Auf mich kann ich mich verlassen.
Selbstliebe lernen Schritt 9: Hilfe finden und annehmen
Wie oft hast du in deinem Leben schon anderen geholfen? Wie oft getröstet, Mut gemacht und dir Sorgen und Nöte angehört? Wie oft warst du für andere da?
Willst du Selbstliebe lernen stehen die Chancen sehr gut, dass du lange Listen damit füllen kannst.
Anderen zu helfen kann glücklich machen. Du darfst dich selbst darüber aber nicht vergessen und auch du wirst hin und wieder Hilfe brauchen. Wird dir (passende) Hilfe angeboten, nimm sie an. Ist dein aktuelles soziales Netzwerk nicht hilfsbereit, bau ein besseres auf. Das ist einfacher gesagt als getan und erfordert Zeit, aber es ist wichtig.
Selbstliebe lernen Schritt 10: Grenzen setzen
Selbstwert, Selbstrespekt und Selbstliebe sind eng miteinander verbunden und Grenzen spielen für alle drei Aspekte eine große, gewichtige Rolle.
Das größte Problem dabei ist nicht einmal das Setzen von Grenzen, wie so oft behauptet wird. Das größte Problem ist häufig, auf das Einhalten der eigenen Grenzen durch andere zu bestehen. Du hast „nein“ gesagt und jemand latscht fröhlich über deine Grenze hinweg und macht es trotzdem? Konsequent zu sein und dich selbst zu respektieren wird leichter, wenn du dich selbst liebst und dein Selbstwert nicht von anderen abhängt.
Selbstwert und Selbstrespekt profitieren wiederum – ebenso wie die Selbstliebe– davon, wenn du deine Grenzen konsequent durchsetzt.
Verletzt jemand deine Grenzen immer wieder? Entfern die Person aus deinem Leben.
Selbstliebe lernen Schritt 11: Dankbarkeit
Achtsamkeit und Dankbarkeit sind in aller Munde. Wie hilft dir aber ausgerechnet Dankbarkeit dabei, Selbstliebe zu lernen?
Ganz einfach: Indem du dich bewusst bei dir selbst bedankst.
- Bedank dich bei deinem Körper dafür, dass er dich durchs Leben trägt.
- Bedank dich am Montag bei dir dafür, dass du am Sonntag die Woche vorbereitet hast.
- Bedank dich bei dir, weil du arbeitest, Rechnungen bezahlst, kochst, Sport gemacht oder gesund gegessen hast und den Mental Load trägst.
Dankbarkeit richtet deinen Fokus auf das Positive und auf deine Leistungen.

Selbstliebe lernen Schritt 12: Vergleiche dich, aber richtig
Der Nachbar mit dem grüneren Gras oder die Menschen auf Social Media: Wir vergleichen uns alle hin und wieder. Oder viel zu oft.
Das Problem dabei: Während wir bei uns selbst Höhen und Tiefen erleben, sehen wir bei anderen häufig nur die Highlights. Oder eine vermeintlich perfekte Fassade. Der Blick dahinter fehlt.
Anstatt auf Oberflächlichkeiten zu achten, konzentrier dich auf das Wichtige. Wie reflektiert und empathisch sind die Personen, mit denen du dich vergleichst? Wie schneidest du im Vergleich zu deinem früheren Ich ab? Haben die Nachbarn zwar das grünere Gras, rühren aber keinen Finger, um anderen zu helfen? Ist das wirklich so bewundernswert? Oder ist es eigentlich deutlich eine falsche Gewichtung der Prioritäten?
Selbstliebe lernen Schritt 13: Erinnere dich und schau voraus
Was hast du in den letzten 5 Jahren gelernt? In den letzten 10 Jahren? Wie viele Krisen hast du überstanden? Wir vergessen oft, dass wir alle einmal klein anfingen. Wir haben laufen, reden und Radfahren gelernt, schreiben, lesen und rechnen. Vielleicht hast du Liebeskummer überwunden, bist zum Profi in deinem Job geworden oder hast etwas erreicht, das sonst niemand anderes schafft.
Erkenn deine Leistungen an und dann frag dich: Worauf willst du in 5 oder 10 Jahren zurückschauen? Willst du dir sagen „Hätte ich mal.“ oder willst du zu dir selbst sagen können: „Danke, dass du damals den Mut hattest.“?
Selbstliebe lernen Schritt 14: Vergib dir
Sich selbst zu akzeptieren und nicht dem Selbstoptimierungswahn zu verfallen, ist für so manchen kein leichtes Unterfangen. Auch das kannst du allerdings praktisch und in einzelnen Schritten angehen:
- Übernimm die Verantwortung für deine Fehler und dein Fehlverhalten.
- Wenn andere betroffen waren: Leiste Widergutmachung. Entschuldige dich authentisch und empathisch.
- Akzeptiere, dass Fehler und Schwächen zum Leben gehören, du aus ihnen aber eine Menge lernen kannst, um sie in der Zukunft nicht zu wiederholen.
- Geh dem Problem auf den Grund und arbeite daran. Ändere, was du ändern kannst.
An dir selbst zu arbeiten ist eine Form der aktiven Selbstliebe – ebenso wie zu akzeptieren, dass du nicht perfekt bist und nicht perfekt sein musst.
Selbstliebe lernen Schritt 15: Bleib am Ball
Vor 20 Jahren beschäftigte ich mich mit Tony Robbins und stieß dabei auf das perfekte Beispiel dafür, warum es so wichtig ist, bei Veränderungen am Ball zu bleiben.
Ein Klavier steht seit Jahren ungenutzt in der Ecke. Keiner spielt darauf, keiner stimmt es. Nur ab und an wird der Staub davon abgewischt. Eines Tages beschließt jemand, er möchte darauf spielen. Doch das Klavier stand so lange ungenutzt da, dass die Klaviersaiten komplett verzogen sind. Es kommen nur schiefe Töne.
Also wird ein Klavierstimmer bestellt. Er bringt die Klaviersaiten in die richtigen Positionen, strafft hier etwas mehr, reduziert da den Zug, bis jeder Tastenanschlag fantastisch klingt. Dann verabschiedet er sich und sagt: „Bis nächste Woche beim nächsten Stimmen.“ Und löst damit Verwunderung aus.
Er hat das Klavier doch gerade schon gestimmt und nun ist es harmonisch. „Tja“ sagt er. „Die Klaviersaiten waren so lange falsch gestimmt, dass sie sich nun gegen die richtigen Positionen wehren. Sie müssen sich erst daran gewöhnen, richtig gestimmt zu sein. Am Anfang in kurzen Abständen. Später nur noch zum Nachstimmen.“
Willst du Selbstliebe lernen, funktioniert das erstens nicht über Nacht und zweitens nicht durch eine Änderung auf Dauer. Wie bei jeder anderen Beziehung auch musst du kontinuierlich daran arbeiten, ansonsten geht sie den Bach runter. In alte Muster zu verfallen, ist zudem fürchterlich einfach und schnell passiert.
Anfangs wirst du dich des Öfteren dabei ertappen, in alte Glaubenssätze zu verfallen, dich hintenanzustellen (oder komplett zu vergessen), „ja“ zu sagen, wenn du „nein“ meinst, und Angst davor zu haben, deine Grenzen durchzusetzen. Das sind keine Gründe aufzugeben. Es sind Gründe dafür, erst recht weiterzumachen und aktive Selbstliebe zur Gewohnheit werden zu lassen.
Bonus-Tipps, um Selbstliebe zu lernen
- Aktiv und praktisch, statt Plattitüden:
Du kannst überall Post-its mit positiven Affirmationen verteilen und dir im Spiegel sagen, dass du dich liebst. Solange dir das hilft, ist es super. Leider bringt das aber wenig, wenn du dann doch wieder die Wünsche aller anderen über deine eigenen Bedürfnisse und über dich stellst, nur für andere kochst und bei dir selbst sagst: „Für MICH lohnt sich das nicht.“
Selbstliebe ist keine vage Einstellung oder der Satz „Ich liebe mich.“ Selbstliebe zu lernen und zu betreiben ist aktiv und praktisch. Erinnere dich aktiv daran, dich wie deinen besten Freund zu behandeln, dir etwas zu gönnen und nicht nur anderen Geschenke zu machen und anderen zu helfen.
- Gib den Methoden eine Chance:
Kein Mensch erwartet, dass er innerhalb von drei Tagen eine neue Sprache lernt, ein Instrument spielen kann oder zum meisterhaften Rennfahrer wird, wenn er vorher noch nicht einmal einen Führerschein hatte.
Ähnlich verhält es sich bei der Liebe für dich. Selbstliebe zu lernen dauert. Du wirst Rückschläge erleben und Hürden überwinden müssen.
Probier die einzelnen Methoden also nicht nur einen Tag oder eine Woche aus. Gib ihnen eine echte Chance, zu wohltuenden Gewohnheiten zu werden.
- Dokumentiere Ziele und Fortschritte:
Journaling oder der 5-Minute-Brain-Dump pro Tag helfen dir dabei, deine Ängste und Nöte, aber auch deine Ambitionen und Fortschritte zu dokumentieren und sie dir bewusster zu machen. Das führt wiederum zu reichlich Gelegenheiten, stolz auf dich zu sein oder deinen Kurs zu korrigieren, falls nötig.
Selbstliebe lernen ist Training
Du kannst und solltest deine Selbstliebe trainieren wie einen Muskel. Üb, nett zu dir zu sein und dich zu behandeln wie deinen besten Freund. Erinnere dich immer wieder daran, wenn du abwertend mit dir sprichst oder aus Angst vor Einsamkeit deine Grenzen überschreiten lässt.
Lern, dir selbst gut zu tun und führ eine gesunde Beziehung mit dir, denn das zieht eine ganze Reihe an positiven Entwicklungen nach sich.








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