Werden Narzissten geboren oder gemacht? Was wirklich hinter narzisstischem Verhalten steckt

Werden Narzissten geboren oder gemacht? Diese Frage stellt sich früher oder später jeder, der mit narzisstischen Personen zu tun hat. Der Hintergrund der Frage ist oftmals Hoffnung. Denn: Liegt es „nur“ an der Erziehung und Prägung, können sich Narzissten sicherlich ändern, oder? Die Antwort wird dich überraschen.

Wann ist ein Mensch ein Narzisst?

Bevor wir zur Frage: „Werden Narzissten geboren oder gemacht?“ oder besser gesagt der Antwort darauf kommen, muss ein anderer Punkt klar sein.

Viele Menschen haben narzisstische Züge, ohne eine Narzisstische Persönlichkeitsstörung (NPS) aufzuweisen. Manche zeigen einzelne Warnzeichen. Bei anderen kannst du direkt die komplette narzisstische Checkliste abhaken. Narzissmus ist ein Spektrum.

Für die Opfer von Narzissten spielt es aber nur bedingt eine Rolle, ob die Diagnose der Narzisstischen Persönlichkeitsstörung gestellt wird oder werden kann. Deutlich wichtiger ist, wie es dir in der Beziehung mit der Person geht.

Werden Narzissten geboren oder gemacht?

Kurz gesagt: Die Veranlagung für Narzissmus kann zum Teil genetisch veranlagt sein, den größten Beitrag liefern jedoch die Erziehung und Prägung. Jemand kann also von Geburt an mehr Aufmerksamkeit benötigen als andere, und dennoch kein Narzisst werden – weil die Eltern und die Umgebung der Veranlagung entgegenwirkten.

Ebenso kann ein Mensch genetisch frei von narzisstischen Zügen sein, durch entsprechende Einflüsse (in der Kindheit) aber zum Narzissten werden.

Die folgenden Faktoren spielen entscheidende Rollen:

  • Gene
  • Vorbildfunktion
  • Erziehung
  • (frühe) Prägung
  • Einflüsse der Umwelt

Werden Narzissten geboren oder gemacht? Der Einfluss der Gene

Wie stark sich die Vererbung auf die Entwicklung von Narzissmus auswirkt, ist bisher noch unklar. Bisherige Studien geben an, dass die genetische Komponente bei 23 bis 50 Prozent liegt. Die Veranlagung könnte also einen relativ großen Einfluss darauf haben, ob jemand ein Narzisst ist und wie intensiv die narzisstischen Züge ausgeprägt sind.

Selbst bei einer starken genetischen Ausprägung muss aber niemand eine narzisstische Persönlichkeitsstörung aufweisen, die für andere schädlich ist. Denn äußere Faktoren sind ebenfalls entscheidende Einflüsse.

Vorbildfunktion – ein ausschlaggebender Faktor für die Entwicklung von Narzissmus

Bei allen Erziehungsstilen und -Trends wird oftmals vergessen, dass der weitaus größte Einfluss auf kleine Kinder die Vorbildfunktion der Eltern ist. Sind diese liebevoll, hilfsbereit und empathisch, fair und ehrlich interessiert an anderen, sinkt das Risiko, dass ihre Kinder zu Narzissten werden.

Vermitteln sie Respekt vor den Grenzen anderer und heben niemanden auf ein Podest, stellt das einen weiteren Schutz vor (verdecktem) Narzissmus dar.

Das Gegenteil ist aber ebenso der Fall. Leben Eltern vor, dass sie Empathie nur vorspielen, dass sie Gemeinsamkeiten vorgaukeln, andere manipulieren und ihre Fehler auf andere projizieren, übernehmen das Kinder oftmals. Haben Eltern keine wirklichen Freunde, keine Hobbys und lügen chronisch, dreist und ohne Reue, wird das für ihre Kinder zur Normalität.

Sie bekommen dabei gleichzeitig vermittelt, dass diese Verhaltensweisen und Einstellungen nur hinter verschlossenen Türen zugegeben werden, alle anderen nur als Opfer und als Publikum dienen und zum Ausnutzen vorhanden sind.

Erziehung als Risikofaktor für die Entstehung von Narzissten

Ein kleines Kind lernt vor allen anderen lesen und schreiben. Seine Eltern geben damit überall an. Sie loben ihr Kind. Betonen immer wieder, dass es viel besser und intelligenter ist als alle anderen und niemand ihm das Wasser reichen kann. Sie geben ihm also reichlich Aufmerksamkeit und Anerkennung und heimsen den Ruhm für ihr Kind ein.

Als das Kind sich einen Spieleabend mit seinen Eltern wünscht, haben sie jedoch keine Zeit und kein Interesse.

Das Kind lernt daraus, dass es nur für Leistungen angenommen wird und ansonsten „nichts wert“ ist. Was es gleichzeitig nicht lernt: Das Aufbauen und da Leben echter Beziehungen.

Ebenso kann es durch die Erziehung lernen, dass es in der gespielten Opferrolle bekommt, was es will und damit im Alltag eine Maske tragen – also zum verdeckten Narzissten werden.

Werden Narzissten geboren oder gemacht? Umweltfaktoren und Bestätigung führen zu Narzissmus

Nicht nur die Eltern und die Familie spielen entscheidende Rollen bei der Frage: Werden Narzissten geboren oder gemacht? Es ist die Summe aus Prägung, Umweltfaktoren und Bestätigung.

Kurz gesagt: Viele Narzissten erleben bereits als Kind, dass andere Narzissten mit ihrem Verhalten durchkommen. Sie schauen sich die Eigenschaften und Verhaltensweisen ab und erleben damit selbst Erfolge. Gleichzeitig lernen sie entscheidende Eigenschaften – wie zum Beispiel Empathie und das Führen gesunder Beziehungen – nicht.

Sie lernen nicht, wie sich Liebe anfühlt, kommen dafür aber mit Lügen, Projektion und Wutanfällen durch. Sie lernen, sich als Opfer darzustellen, obwohl sie die Täter sind.

Reflektion – ein unterschätzter Einfluss

Bei der Frage: „Werden Narzissten geboren oder gemacht?“ werden einige Faktoren nur selten angesprochen. Darunter die Selbstreflektion, die Empathie und die Moral. Menschen können von frühester Kindheit an von Narzissten erzogen werden und sich dennoch zu selbstreflektierten, empathischen und moralischen Personen entwickeln.

Denn: Selbst bei einer Kombination aus Genen und Erziehung hat jeder selbst in der Hand, ob er zum Täter wird, andere benutzt und ausnutzt. Oder ob er an sich arbeitet, sein Verhalten reflektiert und moralisch agiert.

Aber Narzissten können doch nichts dafür, dass sie Narzissten sind?

„Er hatte eben eine schwere Kindheit!“

„Er kann doch nichts dafür!“

„Er hat nie wirkliche Liebe erfahren!“

„Das liegt in seinen Genen!“

„Bei den Eltern kein Wunder!“

All das kann zutreffen. Es kann sogar zutreffen, dass jemand genetisch stark zum Narzissmus veranlagt ist. Und dennoch ist nichts davon eine Entschuldigung für narzisstisches Verhalten und das Ausnutzen von anderen.

Falls du jetzt gerade „Na, aber…“ denkst, mach dir eine typische Verhaltensweise bewusst: Vor allem verdeckte Narzissten haben mindestens zwei Gesichter. Oder ein wahres Gesicht und eine nette Maske. Sie präsentieren sich bewusst und strategisch als „netter Typ von nebenan“ vor ihrem Publikum. Ebenso bewusst und strategisch werden sie hinter verschlossenen Türen zum missbrauchenden Monster.

Sie wissen also, dass ihr Verhalten ganz weit weg von gut, normal oder auch einfach nur akzeptabel ist.

Damit zeigen sie zum einen, dass sie ihr Verhalten unter Kontrolle haben. Zum anderen zeigen sie durch narzisstische Manipulationstechniken, wie Lovebombing, Breadcrumbing und Gaslighting, Isolation und Abwertung, dass sie „normale“ Menschen sehr wohl verstehen. Sie sind durchaus nicht die Opfer ihrer Gene und ihrer Erziehung. Sie entscheiden sich bewusst dafür, zu Tätern zu werden, Täter zu sein und Täter zu bleiben.

Werden Narzissten geboren oder gemacht? – Beides und mehr

Genetische Veranlagung, Erziehung, Umfeld und Umwelt – aber nicht zuletzt auch eine bewusste Entscheidung macht Narzissten zu Narzissten.

Erinnere dich daran, wenn du Gefahr läufst, Mitleid mit einem zu haben.

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