Stress erkennen und reduzieren: 27 Warnsignale, die dein Körper dir sendet

Stress gehört für viele Menschen zum Alltag. Problematisch wird es jedoch, wenn aus gelegentlicher Belastung ein Dauerzustand wird. Der Körper sendet oft frühzeitig Warnsignale – doch viele Betroffene übersehen sie oder nehmen sie nicht ernst. Welche Symptome auf Stress hindeuten und wann du handeln solltest, erfährst du in diesem Artikel.

Stress erkennen: 27 Stresssymptome auf einen Blick

Kopfschmerzen, Verspannungen und generelle Gereiztheit kennen und erkennen viele als Stresssymptome und sie sind auch nicht verwunderlich, wenn du gerade nicht nur einen langen Tag, sondern lange Wochen oder Monate hinter dir hast und zusätzlich von Energiefressern umgeben bist.

Sie sind aber bei weitem nicht die einzigen Anzeichen, an denen du Stress erkennen kannst und die du ernstnehmen solltest.

Körperliche Symptome von anhaltendem Stress

  • Anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung
  • Schlafprobleme oder häufiges Aufwachen
  • Kopfschmerzen
  • Verspannungen im Nacken, Rücken oder in den Schultern
  • Herzklopfen oder Herzrasen
  • Magen-Darm-Beschwerden (Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall, Übelkeit)
  • Häufige Infekte durch ein geschwächtes Immunsystem
  • Schwindelgefühle
  • Muskelzucken oder Zittern
  • Veränderungen des Appetits (mehr oder weniger Hunger, Heißhunger, emotionales Essen oder das Essen komplett vergessen)
  • Leisure Sickness

Mentale und emotionale Symptome

  • Konzentrationsprobleme
  • Vergesslichkeit
  • Innere Unruhe
  • Nervosität
  • Reizbarkeit
  • Stimmungsschwankungen
  • Gefühl der Überforderung
  • Ängste und Sorgen
  • Motivationsverlust
  • Niedergeschlagenheit

Verhaltensänderungen

Ab wann muss ich wegen Stress zum Arzt?

Ein Arztbesuch ist immer dann angeraten, wenn:

  • mehrere Warnzeichen auftreten
  • die Symptome sehr stark ausfallen
  • du nicht mehr zur Ruhe kommst
  • du die Stressbelastung allein nicht wirksam senken kannst
  • du dich ausgebrannt fühlst
  • die Symptome nicht verschwinden, obwohl du den Stress senkst

Leidest du ständig unter Kopfschmerzen und Blähungen? Oder jede Nacht unter Schlafstörungen? Kannst du dich auf nichts mehr konzentrieren? Eine ärztliche Abklärung ist dann entscheidend, da es sich zum einen bei allen potenziellen Stresssymptomen auch um Warnzeichen für Erkrankungen handeln kann.

Zum anderen lässt Stress das Risiko für zahlreiche Krankheiten explodieren. Eine frühzeitige Diagnose und passende Behandlung sind dann entscheidend, weswegen du dich auch vor Medical Gaslighting schützen solltest.

Stress erkennen und wirksam senken – in 5 Schritten

Vor, nach und zusätzlich zu einem Arztbesuch kannst und solltest du selbst aktiv werden. Denn den Stress zu erkennen allein reicht nicht aus. In den folgenden 5 Schritten erfährst du, wo und wie du dagegen vorgehen kannst.

Schritt 1: Stress erkennen und benennen

Auf der Arbeit sitzt dir der Chef im Nacken, die Abgabetermine stressen dich und nach Feierabend musst du nicht nur jederzeit erreichbar sein, sondern auch noch Elterntaxi spielen. Als würde das noch nicht reichen, gibt es ständige Konflikte mit Freunden, Familie und Partner und die Gedanken daran, dass du schon eine halbe Ewigkeit keinen Sport mehr gemacht hast und dringend sparen müsstest, stresst dich irgendwie auch.

Bevor du gezielt gegen deine persönlichen, individuellen Stressoren vorgehen kannst, musst du den Stress erst erkennen und benennen. Denn längst nicht jeder ist von den gleichen Dingen auch gleichermaßen gestresst.

Manche finden es stressig und nervig einzukaufen und täglich zu kochen oder mit dem Hund spazieren zu gehen. Andere ziehen genau daraus Kraft und können sich dabei entspannen. Manche sind gerne im Trubel. Anderen ziehen Trubel und Chaos Kraft ab.

Deine negativen Stressoren klar zu benennen, gibt dir den Startpunkt für alle weiteren Schritte.

Schritt 2: Stress & Belastungen sichtbar machen

Die Wäsche erledigen, an den Einkauf und den Geburtstag des besten Freundes denken, Kollegen A noch die Dokumente B1 bis 99F12 zusenden, damit Kollege Z endlich am Projekt 0815 weiterarbeiten kann, und während du den Arzttermin vereinbarst, musst du auch gleich noch dem Babysitter Bescheid geben, dass sich dein Termin am 12. auf den 23. verschoben hat und ist eigentlich noch genug Toilettenpapier da?

Mental Load – also mentale Ladung oder mentale Belastung – besteht nicht nur aus großen Projekten und anstrengenden Aufgaben. Er setzt sich ebenso aus den unzähligen kleinen Aufgaben des Alltags zusammen.

Den größten Mental Load tragen daher für gewöhnlich Frauen in Beziehungen und Familien, da sie meist nicht nur den Löwenanteil der Care-Arbeit leisten, sondern auch alle und alles koordinieren, sich Termine, Vorlieben und Abneigungen merken und immer wieder alles aufeinander abstimmen müssen.

Die drei größten Probleme des Mental Loads:

  1. Er ist oft sehr ungleich verteilt, sodass die Menschen mit geringem Mental Load die Belastung und den Stress des Mental Load-Packesels nicht verstehen und nicht nachvollziehen können.
  2. Die mentale Belastung wird selten anerkannt und wertgeschätzt.
  3. Mental Load ist unsichtbarer Stress.

Eins dieser Probleme kannst du jetzt sofort lösen: Mach den unsichtbaren Stress sichtbar. Für dich und für andere. Indem du jeden einzelnen, nötigen Schritt aufschreibst, verdeutlichst du das wirkliche Ausmaß der Belastung und erhältst eine klarere Sicht auf die Ursachen deines Stresses.  

Vielleicht liegen diese gar nicht in der Arbeit, dafür aber in deiner Beziehung oder an Freunden, die dich immer wieder ausnutzen und nie etwas zurückgeben.

Schritt 3: Was stresst DICH wirklich?

Wenn jemand ständig gestresst ist, sind die gutgemeinten Ratschläge nicht weit entfernt. Du musst einfach mal:

Und ja: Das sind gute Tipps, die vielen helfen können. Auch dir.

Jetzt das große ABER: Dein Stress ist individuell. Vielleicht ist der größte Stressor in deinem Leben der mobbende Nachbar, der dir das Leben schwermacht und um den deine Gedanken ständig kreisen. Vielleicht ist es dein narzisstischer Partner oder aber ein falscher Freund. Vielleicht verbringst du viel Zeit mit der Arbeit, aber sie gibt dir Kraft und hier kürzer zu treten wäre genau der falsche Schritt. Dafür leidest du allerdings unter Freizeitstress und solltest die Zeit nach Feierabend und am Wochenende umgestalten.

Sei ehrlich zu dir selbst, anstatt pauschalen Tipps zu folgen.

Stress erkennen und reduzieren
Stress erkennen und reduzieren

Schritt 4: Was kannst du ändern?

Einmaliger und kurzzeitiger Stress sind weder schlimm noch schädlich. Es ist wiederkehrender Stress, den du erkennen und reduzieren musst, denn dieser löst die fortlaufenden Warnsignale und Stresssymptome aus und belastet deine Gesundheit.

Wenn du gerade mitten im Stressteufelskreis steckst, sind Änderungen allerdings schwierig oder scheinen sogar gänzlich unmöglich. Mit ein wenig Abstand kannst du die Optionen dennoch erkennen.

Zum Beispiel bei der Arbeit:

Dein Chef lädt dir täglich so viele Aufgaben auf, dass Überstunden vorprogrammiert sind – selbst, wenn du den ganzen Tag im Turbogang arbeitest. Deine Kollegen drehen derweil schon während der Arbeitszeit Däumchen und trotzdem traust du dich nicht, nein zu sagen.

Besser: Musst du auch nicht. Sag und frag stattdessen: „Ich habe jetzt Aufgaben A, B, C, D, E, F und S bis Z. Welche davon soll ich priorisieren und welche fallen lassen?“

Du machst damit deine Arbeitslast und deinen Mental Load sichtbar und stellst den Vorgesetzten vor die Wahl, was du erledigen sollst – und zwar respektvoll, aber dennoch stressreduzierend. Gleichzeitig kannst du darauf hinweisen, wenn andere eine ruhige Kugel schieben: „Vielleicht könnte Kollege Mustermann helfen / Aufgaben A, B und C übernehmen. Ich glaube, er hat aktuell noch Kapazitäten frei.“

Zum Beispiel in der Familie:

Jeden Sonntag stehst du zeitig auf, putzt und räumst auf, kochst stundenlang für die ganze Familie und ärgerst dich im Anschluss darüber, dass sogar dein Sonntag stressig ist. Du genießt zwar die Zeit mit deiner Familie, doch die ganzen Vorbereitungen rauben dir deine Me-Time und die einzige Möglichkeit, auszuschlafen.

Besser:

  • Schon ein einziger Sunday-Funday für dich allein pro Monat kann ein Kompromiss aus Familienzeit und Kurzurlaub für dich sein. Ein Familienessen alle zwei Wochen könnte zur goldenen Mitte werden.
  • Koch nicht mehr allein, sondern lass jeden etwas zu Essen mitbringen.
  • Wechselt euch mit dem Kochen und Gastgeben ab.
  • Ersetzt das Essen jeden Sonntag durch einen Spieleabend an einem anderen Tag, wenn du ohnehin gerade schon aufgeräumt und geputzt hast, und halt dir so den Sonntag für dich frei.

Zum Beispiel im Haushalt und Alltag:

Jeden Tag aufs Neue ärgerst du dich darüber, dass dein Haushalt nie wirklich ordentlich wird oder zumindest nicht lange aufgeräumt bleibt. Täglich nervt dich, dass du nie weißt, was du kochen sollst (und du außerdem auch noch einkaufen, kochen und abwaschen musst). Dich stresst, dass dein Budget extrem strapaziert wird und du immer wieder an derselben Stelle in Zeitnot gerätst.

Diese kleinen Ärgernisse und Stressoren summieren sich mit der Zeit und können chronischen Stress erzeugen oder ihn verstärken.

Dabei können bereits kleine Änderungen große Effekte mit sich bringen.

Besser:

  • Wende einen von 66 Haushaltstipps an, um Aufräumen und Putzen zu erleichtern.
  • Bestell Einkäufe im Supermarkt und spar damit Zeit, Aufwand und Ausgaben für Treibstoff.
  • Betreibe Meal Prep.
  • Versuch dich in Minimalismus.
  • Gestalte deinen Sonntag so, dass du dir am Montag dafür dankst.
  • Statt großen Aktionen: Leg täglich eine 10-Minuten-Aufräumzeit fest und lass Ordnung schaffen somit zur Gewohnheit werden, die automatisch nebenbei abläuft.
  • Nimm dir eine Stunde Zeit und schon dein Budget durch ebenso einfache wie effiziente Spartipps.

Schritt 5: Welche Stressoren können und müssen weg?

Es reicht nicht aus, Stress zu erkennen und dann doch die chronischen, negativen Stressoren weiterlaufen zu lassen. Wenn du aktiv etwas ändern kannst, beispielsweise das Grübeln am Abend stoppen oder deinen Alltag durch kleine Änderungen erleichtern, ist das ein guter Schritt in die richtige Richtung.

Manche stressenden Einflüsse bleiben dennoch bestehen, wenn du sie nicht gezielt aus deinem Leben entfernst. Dabei kann es sich um ungesunde Beziehungen handeln oder aber um Einsamkeit.

Fühlst du dich zum Beispiel nach jedem einzelnen Gespräch mit einer Person traurig, verletzt oder am Boden zerschlagen? Stresst dich schon der Gedanke an das nächste Treffen? Macht dein Job dir Bauchschmerzen oder bereitet es dir Stress, dich isoliert zu fühlen?

Und ja, ich weiß, es ist einfacher gesagt als getan, mal eben einen Menschen aus deinem Leben zu streichen, einen neuen Job oder Freunde zu finden. In diese Richtung zu arbeiten ist jedoch eine praktische Form der Selbstliebe – und auch wenn du dafür eine Weile brauchst, ist das Ziel vor Augen zu haben ideal dafür, dein Stresslevel zu senken.  

Abgesehen davon muss es gar nicht dramatisch sein, wenn du Zeit- und Energieräuber oder Stress erkennst und genauer hinschaust. Macht dir ein Hobby zum Beispiel schon längst keinen Spaß mehr, aber du machst aus Gewohnheit weiter? Dadurch fehlt dir wiederum die Zeit für etwas, das deine Batterien wirklich auflädt? Leg eine Pause ein und warte ab, wie es sich anfühlt.

Vielleicht stellst du auch fest, dass eine Beziehung egal welcher Art längst eingeschlafen ist und nur noch besteht, weil du dich allein darum bemühst. Oder du gehst endlich offen mit deiner Stressbelastung um und wirst positiv von Freunden und Familie überrascht, die dir Hilfe anbieten und Aufgaben abnehmen.

Stress erkennen, senken und Ausgleich finden

Übermäßigen Stress zu erkennen ist ein wichtiger Schritt, aber nur der erste auf dem Weg zum nötigen Stressabbau. Erkenne und benenne deine Stressoren genau, mach sie für dich selbst sichtbar und dann werde aktiv.

Zum einen, um den chronischen Stress zu reduzieren. Zum anderen, um deine Gesundheit zu schützen. Integrierst du dazu noch einen Stressausgleich, betreibst du wirklich sinnvolle Selfcare und das stressfrei.

Hinterlasse einen Kommentar

Mein Leben Eben

Auf MeinLebenEben ist eine Menge los – genauso wie im Leben, eben.

Von Tipps für Alltag, Haushalt, Karriere und Partnerschaft bis hin zum Schutz vor Narzissten und anderen Themen der Psychologie findest du hier täglich neue Artikel, die dein Leben erleichtern oder bereichern.

Let’s connect