Brauchen Männer Frauen mehr als Frauen Männer? Das steckt hinter dem Begriff Mankeeping

Schon mal von Mankeeping gehört? Selbst, wenn du den Begriff nicht kennst, hast du Mankeeping vielleicht schon mal betrieben, gehst ihm gerade nach oder hast dich schon darauf verlassen. Denn: Der Name ist relativ neu, das Konzept gibt es hingegen seit Jahrhunderten.

Hier erfährst du, was Mankeeping ist, was es nicht ist und warum es für Männer so wichtig ist, während es für Frauen oft eine Belastung darstellt.

Was ist Mankeeping?

„Schatz, deine Mutter hat nächste Woche Geburtstag. Welches Geschenk soll ich besorgen? Denkst du außerdem an den Muttertag, das Treffen mit deinem Cousin und ruf mal deinen Bruder an! Und wie war dein Tag?“

Mankeeping kennen viele Frauen und Männer. Denn es beschreibt die Übernahme der sozialen und emotionalen Aufgaben im Leben und in Beziehungen. Das typische Beispiel:

In einer Beziehung übernimmt eine Frau die gesamte Arbeit im Bereich von Psyche, Emotionen, sozialem Gefüge. Sie dient als Kummerkasten, kümmert sich um Geschenke für andere, organisiert Feiertage und Feiern, erinnert an anstehende Geburtstage und andere Anlässe. Sie fragt nach, deeskaliert Streitigkeiten, motiviert und fängt auf. OHNE dafür spürbare Gegenleistungen zu bekommen. Es ist unsichtbare Arbeit, die nicht anerkannt wird.

In der Regel investieren Frauen und weiblich gelesene Menschen deutlich mehr dieser Arbeit und sie wird von ihnen erwartet. Das kann in Paarbeziehungen, in Familien, Freundschaften und sogar beruflich der Fall sein.

Was ist Mankeeping nicht?

„Schatz, deine Mutter hat nächste Woche Geburtstag. Denkst du daran?“

„Danke dir für die Erinnerung, ich habe noch gar keine Idee für das Geschenk. Vielleicht ein paar Pflanzen für ihren Garten? Deine Mutter hat ja auch bald Geburtstag. Da können wir ja direkt mitschauen. Oder?“

Mankeeping beschreibt ein unausgewogenes Verhältnis, bei dem für gewöhnlich eine Frau an alle Termine denkt, Geschenke organisiert, Feiern plant und sich um die sozialen Beziehungen kümmert und gleichzeitig Therapeut ist. Der Begriff „Mankeeping“ steht aber nicht für:

  • ausgewogene Beziehungen, bei denen alle Parteien eine faire Aufgabenverteilung übernehmen

Die sogenannte „klassische Rollenverteilung“ war und ist nicht immer unfair. Zum Beispiel auf diese Weise: Er übernahm Broterwerb, Reparaturen am Haus, Auto und kümmerte sich zur Hälfte um die Kinder. Sie kümmerte sich um Mahlzeiten, Haushalt, Soziales und zur Hälfte um die Kinder. Zusammen waren sie ein Team, das den ganzen Rest gemeinsam anging. Der eine war dankbar dafür, dass der andere Aufgaben erledigte, die er nicht annehmen wollten oder nicht so erledigen konnte.

Diese Situation ist fair, wenn beide damit einverstanden sind, sich darüber unterhalten haben und jeder eine Gegenleistung für seine Leistung bekommt. Anerkennung, Fairness und Kommunikation sind entscheidend. So kann sie beispielsweise den sozialen Kalender der Familie übernehmen, während er Einkauf, Versicherungen, TÜV und Co. erledigt.

  • ausgewogenen Austausch

Sie erzählt seit zwei Wochen von dem Stress auf Arbeit, der sie belastet – er hört zu. Danach hat er Stress auf Arbeit und – sie hört zu. Wenn beide ein offenes Ohr füreinander haben, ist das eine gesunde Beziehung. Beide nehmen sich gegenseitig ernst und nehmen sich Zeit füreinander.

  • ehrliche Anerkennung folgt

Du organisierst eine Überraschungsparty zum Geburtstag deines Partners. Das ist etwas, was er sich schon immer gewünscht hat. Dafür hast du monatelang gespart, um das Lokal zu mieten, das Buffet und die offene Bar zu bezahlen. Du warst mit über 80 Leuten in Kontakt, um alles zu organisieren. Hast Geschenke bestellt und verpackt, Hotelzimmer für die Gäste gebucht, die Playlist mit dem DJ aufgestellt. Du hast Babysitter für die Kinder der Gäste organisiert, Deko gekauft – währenddessen warst du weiterhin der Kummerkasten für deinen Partner, der Therapeut und der Timeplaner für alle anderen Daten und Termine.

Du bekommst dafür ein knappes Danke. Zu deinem Geburtstag gibt es einen Blumenstrauß.

Dann vergisst du aus Versehen und aus Stress, deinen Partner an einen Termin zu erinnern. DAS wird dir immer wieder und wieder vorgehalten. Du bekommst also keine Anerkennung für deine Leistungen und dein Partner betreibt bei Weitem nicht so viel Aufwand für dich, er hält dir aber dein „Verfehlen“ vor.

Bekommst du ehrliche, authentische Anerkennung für deinen Aufwand, ist es kein Mankeeping. Dazu wird es aber, wenn du die Einzige bist, die Arbeit investiert und dir nicht einmal richtig gedankt wird.

Was ist Mankeeping – praktische Beispiele

Grundlegend besteht Mankeeping daraus, dass eine Frau in einer Beziehung, Freundschaft oder Familie die emotionalen und sozialen Angelegenheiten eines Mannes oder aller Männer des sozialen Gefüges trägt und regelt. Sie erinnert zum Beispiel:

  • an Geburtstage
  • nötige Geschenke
  • Anrufe bei der Familie oder bei Freunden
  • Termine
  • Feiertage
  • daran bei Freunden nach dem Befinden zu fragen

Sie organisiert Feiern und Feiertage, ist der einzige Kummerkasten und die einzige Vertraute des Mannes oder der Männer.

Beispiel 1:

Eine Freundesgruppe kommt zu einer Geburtstagsfeier. Die Gruppe besteht aus 4 Männern und 1 Frau. Die Frau hat einen Blumenstrauß und ein Geschenk dabei. Die Männer haben nichts. Sowohl das Geburtstagskind als auch die Männer selbst werfen nun der Frau mit dem Geschenk vor, sie hätte alle daran erinnern oder ein größeres Geschenk wählen müssen.

Schließlich muss sie einkalkulieren, dass ihre männlichen Freunde den Anlass und das Geschenk vergessen.

Kurz gesagt: Sie hat daran gedacht, Geschenke besorgt, wird aber für die Vergesslichkeit und Nachlässigkeit der männlichen Freunde kritisiert.

Beispiel 2:

Sven hat Probleme auf Arbeit und dazu auch noch Streitigkeiten in der Familie. Zuerst lässt er seine schlechte Laune an seiner Partnerin aus. Im Anschluss daran gibt er die aktuellen Schwierigkeiten zu, redet sich alles von der Seele und sie gibt ihm nicht nur Ratschläge, sondern wird auch zum Vermittler zwischen ihm und seiner Familie. Danach macht sie sich aktiv auf die Suche nach Lösungen für die Probleme auf seiner Arbeit.

Als sich Melanie mit einer Freundin verkracht und dazu auch noch Schwierigkeiten in ihrem Job hat, will sie sich Sven anvertrauen. Doch dieser hört nur mit einem halben Ohr zu, sagt, sie soll sich nicht so anstellen und nimmt sie kaum ernst.

Kurz gesagt: Sie ist seine Therapeutin, einzige Vertraute und löst sogar seine Probleme. Er gibt ihr nicht einmal genug Aufmerksamkeit, damit sie sich ihre Probleme von der Seele reden kann.

Beispiel 3:

„Ruf doch mal bei deinem Freund an. Ihr habt euch so lange nicht gesprochen.“

„Mach doch mal wieder einen Männerabend. Das hattest du schon ewig nicht.“

„Natürlich gehe ich mit dir zum Arzt, wenn ich den Termin vereinbart habe.“

„Für Weihnachten hab ich schon alles organisiert.“

Karin macht nicht nur Termine beim Arzt aus und ist dann die Begleitung dafür, sie sorgt auch dafür, dass ihr Mann Jens Freundschaften und die Beziehung zu seiner Familie pflegt und erhält. Fehlt ihr etwas, muss sie sich hingegen allein um alles kümmern. Sie hat außerdem weniger Zeit für ihre Freunde und wird nicht einmal dann ernst genommen, wenn bei ihr Medical Gaslighting betrieben wird.

Sie kümmert sich um Geburtstage, Feiertage, Urlaube und andere Anlässe – muss aber selbst zu ihrem eigenen Geburtstag noch alles organisieren und vorbereiten.

Kurz gesagt: Sie investiert sehr viel in Spaß, Freude, Gesundheit und Sicherheit für andere, bekommt dafür aber nichts zurück.

Warum ist Mankeeping wichtig für Männer?

Die angeblich bestehende Male Loneliness Epidemic – also die Epidemie der Einsamkeit unter Männern – wird von vielen den Frauen angelastet. Denn diese nehmen immer häufiger Abstand von festen Beziehungen zu Männern, unter anderem aus Sicherheitsgründen, und bleiben immer öfter lieber Single.*

Obwohl sie statistisch betrachtet ganz genauso allein oder auch einsam sind wie Männer, achten Frauen meist stärker darauf, Freundschaften dauerhaft zu pflegen und zu erhalten. Sie achten von sich aus mehr auf ihre Gesundheit, unterhalten sich platonisch tiefgründiger und kümmern sich stärker um ihre Familie.

In Beziehungen bringen sie diese Fähigkeiten, Fertigkeiten und die Motivation für diese Arbeit ebenso wie das Caregiving mit. Männer, die das selbst nicht können oder wollen, profitieren davon immens. Denn sie:

  • bekommen eine Therapeutin
  • erhalten eine Sekretärin
  • leben mit ihrer Gesundheitsbeauftragten
  • haben direkt oder indirekt ein größeres soziales Netzwerk

Sie tragen durch das geleistete Mankeeping nicht nur einen deutlich geringeren Mental Load. Sie leben auch gesünder, zufriedener und länger. Im krassen Gegensatz dazu sind Frauen in Beziehungen und vor allem verheiratete Frauen mit Kindern unglücklicher, fühlen sich häufiger einsam und sterben früher.

Warum ist Mankeeping eine Belastung für Frauen?

Sich um Termine, Geschenke, Anlässe, das Sozialleben, Emotionen und Psyche des Partners zu kümmern, ist nicht automatisch Mankeeping. Der entscheidende Unterschied liegt darin, ob es auf Gegenseitigkeit beruht oder nicht.

Mankeeping ist einseitig. Eine Person – meist eine Frau – kümmert sich um alles und bekommt dafür keine (spürbare) „Gegenleistung“. Für sie ist eine Beziehung oder auch eine Familie also anstrengender als für Mann oder Männer. Und ungesünder.

Das verändert sich, wenn beide füreinander da sind, sich gegenseitig unterstützen und eine ebenso klare wie faire Aufgabenverteilung haben.

Wie lässt sich Mankeeping vermeiden?

Partnerinnen können unbemerkt in die Rolle des Mankeepers rutschen, sich unbewusst dafür entscheiden oder einem alten Rollenbild folgen. Früher oder später wird es für viele jedoch zu einer Belastung, die sich nicht mehr ignorieren lässt.

Im Idealfall sind die Grenzen von Anfang an klar abgesteckt. Zum Beispiel kümmert sich jeder um die eigenen Arzttermine, (Fern-)Freundschaften, Geschenke für die Familie und sucht bei Bedarf einen Therapeuten auf. Zudem sollte es sich beim Partner zwar um den engsten, aber nicht um den einzigen Vertrauten handeln.

Schwieriger wird es, wenn du Mankeeping schon betreibst. Dann helfen dir die folgenden Schritte wieder heraus:

  • Erkennen:

Mach dir bewusst, welche vermeintlich kleinen Aufgaben du übernimmst und wofür du keine Gegenleistung bekommst. Zum Beispiel alle Arzttermine vereinbaren und zu jedem Termin begleiten, alle Geschenke besorgen, alle gemeinsamen Veranstaltungen planen, alle Freundschaften pflegen oder immer wieder daran erinnern.

  • Benennen

Ein Geschenk für die Mutter deines Partners zu besorgen, ist für sich genommen nicht wild. Jahrelang jedes Geschenk für alle Freunde und Verwandte zu besorgen, ist es schon. Getreu dem Motto: „Kleinvieh macht auch Mist“ summiert sich die Arbeit beim Mankeeping, erhöht deinen Mental Load und kann sogar den Gender Sleep Gap zusätzlich vergrößern.

Also benenne, was bei euch schief läuft und was unfair verteilt ist. Sag außerdem klar, wenn du keine Gegenleistung bekommst und was du dafür willst.

  • Fairteilen

In jeder Beziehung, Freundschaft und Familie schleichen sich früher oder später bestimmte Rollen ein. Einerseits ist das bequem für denjenigen, der sich keine Gedanken um etwas machen muss. Andererseits ist das Mankeeping eine erhebliche Belastung für den, der es übernimmt.

Ab und an einen Frühjahrsputz im Freundeskreis zu betreiben und dabei die Aufgaben neu zu verteilen, ist für alle sinnvoll. Es erinnert daran, nichts als selbstverständlich anzunehmen und dankbar für die Leistungen der Menschen in deinem Leben zu sein. Aber auch daran, falls nötig, fairer zu teilen.

  • Konsequent bleiben

Du hast beschlossen, dass du ab sofort noch Termine vereinbarst, sie in den Kalender einträgst und noch einmal daran erinnerst. Das funktioniert nach einer Woche Anlaufzeit auch gut. Dann schläft das System wieder ein.

Du hast dir geschworen, dass du nicht wieder die Einzige bist, die sich um Anlässe kümmert. Zu Weihnachten bist du dann doch wieder allein dabei, Geschenke zu kaufen, die Wohnung zu schmücken, das Menü zu planen, alle einzuladen und zu koordinieren, wer wann kommt und wie.

Der Weg aus dem Mankeeping besteht aber eben nicht daraus, dass du zwar Grenzen setzt und dann doch wieder einknickst.

Wenn du Termine einträgst und sich Freunde, Familienmitglieder oder Partner nicht daranhalten, dann verpassen sie sie. Wenn du angesagt hast, dass du dich nicht um Geschenke und Familienfeiern kümmerst, dann gibt es diese nicht. Wenn du immer für alle der Kummerkasten bist, dir aber nie jemand zuhört, dann hör auf ihnen zuzuhören. Beschütze deine Zeit, deine Kraft und deine Grenzen.

FAQ – Mankeeping

Wo ist der Unterschied zwischen Mankeeping und einer gesunden Beziehung?

Mankeeping ist ein ungesunder, einseitiger Zustand. Für gewöhnlich dient die Frau oder als weiblich gelesene Person als einzige Vertraute und Therapeutin. Sie kümmert sich um das emotionale und soziale Leben, die Gesundheit, die Verbindung zu Familie und Freunden. Sie hört zu und löst Probleme, bekommt dafür aber nichts zurück.

In einer gesunden Beziehung oder Familie nehmen Menschen zwar auch Rollen ein, teilen diese aber fair auf. Vielleicht kochst du gerne, dein Partner erledigt dafür die Wäsche und den Einkauf. Vielleicht bist du genial darin, die passenden Geschenke zu finden. Dein Partner kümmert sich dafür um die Steuern.

Auch, wenn jeder die Basis des erwachsenen Lebens beherrschen sollte, haben wir alle dennoch Stärken und Schwächen, Vorlieben und Abneigungen. Eine Ausnahme von dieser Aufteilung gibt es aber: Das Zuhören und die emotionale Unterstützung.

Bist du die Therapeutin und der Kummerkasten, hast aber niemanden, der dir zuhört oder kannst dich nur Freunden anvertrauen, nicht aber deinem Partner? Dann besteht ein ungesundes, unausgewogenes Verhältnis.

Wie lässt sich Mankeeping beheben?

Indem du es erkennst, benennst, die Aufgaben fair verteilst und dabei konsequent deine Grenzen durchsetzt.

Woher kommt der Begriff Mankeeping?

Die Forschenden der Stanford University Angelica Ferrara und Dylan P. Vergara verwendeten den Begriff Mankeeping in ihrer Arbeit „Theorizing Mankeeping: The Male Friendship Recession and Women’s Associated Labor as a Structural Component of Gender Inequality”, die sie in der Zeitschrift „Psychology of Men & Masculinity“ im Oktober 2024 veröffentlichten.

Was ist der Unterschied zwischen Mankeeping und Mental Load?

Mankeeping und Mental Load haben mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede:

Mankeeping und Mental Load Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Der bedeutende Unterschied zwischen Mankeeping und Mental Load? Mental Load umfasst das Organisatorische im Alltag. Zum Beispiel, Mahlzeiten planen, einkaufen, putzen, waschen, kochen, Termine vereinbaren und alles dafür tun, dass sie eingehalten werden können. Er beinhaltet ebenso, ausreichend Milch, Zahnpasta und Toilettenpapier im Haus zu haben, wie die Wäsche zu erledigen und den Urlaub zu organisieren.

Mankeeping ist hingegen emotional, sozial und psychologisch. Der Begriff beschreibt unter anderem das Deeskalieren bei Streitigkeiten, die Pflege von Freundschaften und familiären Beziehungen, das Trösten und Therapieren.

Sowohl Mankeeping als auch Mental Load sind unsichtbare Arbeiten, die zur Belastung werden, wenn sie ungleich verteilt sind und es dafür keine Anerkennung gibt.

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