22 bizarre Verhaltensweisen, die Opfer von Narzissten entwickeln

Du hast es geschafft, dich von einem Narzissten getrennt und bist auf dem Weg der Heilung. Eigentlich sollte es dir jeden Tag besser gehen, doch stattdessen fallen dir mehr und mehr belastende, merkwürdige oder gar bizarre Verhaltensweisen an dir auf? Falls du bisher noch gezweifelt hast, ob diese Beziehung ungesund für dich war – nun bekommst du den Beweis.

Denn Opfer von Narzissten haben nicht nur eine Trennung oder eine schlechte Partnerschaft hinter sich. Sie leiden häufig an einem Trauma, das zahlreiche auf den ersten Blick ungewöhnliche Symptome mit sich bringt.

Posttraumatische Stressbelastung nach narzisstischen Beziehungen

Als mir das erste Mal jemand sagte: „Du hast eine posttraumatische Stressbelastung.“ Fand ich das vollkommen überzogen. Ich hatte einen Narzissten überstanden (mal wieder) und nicht den Krieg überlebt!

Klar, ich hatte Panikattacken, Schlafstörungen, ständig Herzrasen, war immer in Alarmbereitschaft, hatte sogar Flashbacks und zog mich immer weiter und weiter zurück. Aber abgesehen davon, dass ich reihenweise Symptome einer posttraumatischen Stressbelastung (PTSB) hatte… Ja, an der Stelle und nachdem PTSB mehrfach bei mir diagnostiziert wurde, musste ich es einsehen: Mein Hirn und meine Psyche waren in den narzisstischen Beziehungen durchaus in einer Art Krieg gewesen. Und das hat Spuren hinterlassen.

Narzissten halten ihre Partner – also ihre Opfer – in ständigem Stress und können sogar evolutionär bedingte Todesangst bei ihnen auslösen. Das Hirn eines Betroffenen wird dadurch regelrecht in einem Stresshormon-Cocktail mariniert und verändert sich mit der Zeit.

Während dein Hirn dich auch nach der Trennung noch in Alarmbereitschaft hält, hat es der Rest von dir schwer, sich zu erholen und zu heilen.

Die gute Nachricht: Je besser du darüber informiert bist, desto leichter kannst du damit umgehen.

Angst vor gesunden Beziehungen

Narzissten isolieren ihre Opfer und können ganze Schmutzkampagnen gegen dich veranstalten. Nach der Trennung von einem Menschen mit starken narzisstischen Zügen kann es daher schwer sein, Freundschaften zu reaktivieren oder neue Beziehungen aufzubauen.

Noch schwieriger wird es dadurch, dass sich gesunde Beziehungen regelrecht falsch anfühlen und Angst erzeugen können.

Hattest du es in deinem Leben schon mit mehreren Narzissten als Eltern oder Partnern zu tun, musst du erst einmal lernen, wie sich eine gesunde Beziehung anfühlt – und wie sie aussieht. Du musst deinem Hirn die Möglichkeit geben, die alten, schädlichen Muster zu verlernen und das Gefühl von Sicherheit wieder zuzulassen.

Auf den nächsten Narzissten reinfallen (oder ihn gar nicht bemerken)

Du hast den Ausstieg aus einer narzisstischen Beziehung geschafft, hältst dich an No Contact und stärkst dein Selbstwertgefühl. Du lernst, Grenzen zu setzen und baust dein soziales Netzwerk auf und aus. So weit, so gut.

Zusätzlich befasst du dich mit den Warnzeichen von Narzissten, um in Zukunft nie wieder auf sie hereinzufallen. Du weißt, was Lovebombing ist, wie Fast Forwarding aussieht und glaubst dich gegen Gaslighting gewappnet. Außerdem weißt du, wie Narzissten Mirroring einsetzen, und mit Future Faking ist bei dir jeder an der falschen Adresse.

So gewappnet wirfst du einen Blick auf deinen Freundeskreis oder lernst jemanden kennen und plötzlich fällt es dir wie Schuppen von den Augen: Du hast (schon wieder) Narzissten angezogen. Vielleicht hast du seit Jahren Menschen in deinem Leben, bei denen du die Narzissten-Checkliste abhaken kannst. Oder der vermeintlich nette Typ, den du letzte Woche kennengelernt hast, schwenkt auf den zweiten oder dritten Blick reichlich Red Flags.

Deinen Narzissten-Magneten abzustellen, dauert eine Weile und erfordert bewusste Arbeit an dir selbst.

Die guten Nachrichten: Immerhin erkennst du Narzissten und andere toxische Menschen jetzt schon (deutlich früher).

Bewegungsdrang

Fight, Flight, Freeze: Kämpfen, flüchten, einfrieren sind die drei Möglichkeiten, die wir bei Bedrohungen und Angst haben und nicht immer wählen wir die passende Variante.

In Beziehungen mit Narzissten warst du vermutlich sehr oft in der Situation, dass sich dein Körper zwischen Kampf, Flucht und Einfrieren entscheiden musst – du aber dennoch geblieben und „ruhig“ geblieben bist.

Nach der Trennung sind dein Kopf und Körper immer noch in diesem Stresszustand und in Alarmbereitschaft, trotz anhaltender Müdigkeit. Diese nervöse Energie und Anspannung können sich in anhaltendem oder immer wieder auftretendem Bewegungsdrang äußern. Du kannst nicht stillsitzen, nicht mehrere Stunden am Stück schlafen, tigerst beim Telefonieren, zitterst, zuckst und zappelst.

Die guten Nachrichten: Es gibt weitaus Schlimmeres, als dich zu bewegen. Geh laufen, setz dich auf den Hometrainer und fahr bis zur Erschöpfung, kauf dir einen Boxsack, tanz. Kurz gesagt: Lass es raus. Bau die Energie ab und befriedige den Bewegungsdrang. Sport und Spaziergänge können dir dabei helfen, besser zu schlafen und entspannter zu werden.

Brain Fog und Dissoziation

Du sitzt da und starrst Löcher in die Luft. Gesprächen zu folgen, fällt dir schwer. Den ersten Satz in deinem Buch hast du dreimal gelesen und schon wieder vergessen. Du hast gerade auf die Uhrzeit geschaut, aber keine Ahnung, wie spät es ist.

Konzentrationsstörungen, Gedächtnislücken und das Gefühl, nicht mit dir selbst verbunden zu sein, sind typische – und zum Teil beängstigende – Folgen einer narzisstischen Beziehung.

Hinzu kommt noch, dass Dauerstress, Angst und Schlafmangel zu einem Gefühl der Benommenheit führen können. Das wiederum führt unter anderem zu einem erhöhten Unfallrisiko, aber darauf gehen wir später ein.

Dich vernachlässigen

Abwertungen und Dauerkritik sind feste Bestandteile narzisstischer Beziehungen. Du bist zu dick, zu dünn, darfst nur in High Heels und geschminkt aus dem Haus oder dein Bauch wird kommentiert. Willst du heute wirklich dieses Outfit anziehen? Und warum siehst du eigentlich nicht so gut aus wie Personen X, Y und Z?

Neben der Kritik hast du in einer toxischen Beziehung oft keine Zeit und Energie, dich wirklich um dich selbst zu kümmern. Wellness Wednesday einlegen? Undenkbar. Selfcare betreiben? In der Zeit könntest du dich um den Narzissten kümmern.

Ist der Narzisst endlich weg, vernachlässigen sich viele Opfer, obwohl sie sich nun endlich um sich selbst kümmern könnten. Die Energie dafür fehlt weiterhin, sie fühlen sich durch die Dauerkritik unattraktiv oder haben sogar eine Abneigung gegen Selbstfürsorge. Viele fühlen sich, als hätten sie es nicht verdient, sich um sich selbst zu kümmern.

Die guten Nachrichten: Ein kleiner Schritt pro Tag reicht, um das ungesunde Muster allmählich zu durchbrechen.  Zum Beispiel:

  • nimm eine lange Dusche
  • gönn dir ein ätherisches Öl für Aromatherapie
  • geh zum Friseur
  • stell eine Pflegeroutine auf, bei der du dich zumindest morgens und abends eincremst
  • mach einen Arzttermin
  • leg abends eine Kopfhautmassage ein
  • mach dir mit der 3S-Regel gesündere Ernährung leicht

Das kostet zunächst Überwindung. Aber eine kleine Sache und 5 Minuten für dich sind ein guter Anfang.

Endlosschleifen

Kennst du die Serie „Supernatural“? Die Serie besteht aus 15 Staffeln. Diese bestehen wiederum aus 327 Episoden mit einer durchschnittlichen Folgenlänge von 42 Minuten. Das sind 13.734 Minuten oder auch 228,9 Stunden.

Ich habe jede einzelne dieser 327 Episoden mindestens 20-Mal angeschaut, kann die Dialoge und Monologe auswendig und die Songtexte des Soundtracks mitsingen. Ich kenne das Knallen und Knarzen jeder Tür, jeden Unfall, Aufprall, Angriff und jedes Monster.

Kaum hatte ich die 15 Staffeln vollständig durchgeschaut, habe ich wieder von vorne angefangen. Nochmal und nochmal und nochmal. Das gleiche gilt für Bones, House, The Middle, Grace und Frankie und noch ein paar weitere Serien.

Und das liegt (nicht nur) daran, dass ich ein großer Fan von Serien bin.

Opfer von Narzissten werden nicht nur zu Gewohnheitstieren – falls sie es nicht schon zuvor waren. Sie nutzen Endlosschleifen zur Beruhigung. Die gleiche Playlist, die gleichen Serien, Filme, Hörbücher und Abläufe schaffen ein Gefühl der Sicherheit.

Entscheidungsunfähigkeit

Zieh ich heute die helle oder die dunkle Jeans an? Wasche ich zuerst ab oder bringe ich zuerst den Müll raus? Will ich Salami auf der Pizza oder Ananas? Toast oder Brötchen? Kaffee oder Tee? Schreibe ich in der Mail „mit freundlichen Grüßen“ oder mit „besten Grüßen“? Will ich zu dem Treffen gehen oder lieber Me-Time?

Wir alle sind Tag für Tag mit zahlreichen Entscheidungen konfrontiert. Für die Opfer von Narzissten werden sie jedoch zu lähmenden Herausforderungen und das nicht erst, wenn es sich um große Entscheidungen handelt. Schon beim Frühstück kann es dazu führen, dass du lieber gar nichts isst, als dich zwischen verschiedenen Optionen zu entscheiden.

Der Grund dafür liegt zum einen wieder in der Abwertung und der Dauerkritik durch Narzissten. Wurde dir vermittelt, dass du absolut nichts richtig machen kannst, hallt das auch nach der Trennung noch nach. Wenn jede deiner Entscheidungen falsch ist, warum dann überhaupt eine treffen?

Zum anderen werden dir in ungesunden Beziehungen Wünsche, Bedürfnisse und Vorlieben abgesprochen, bis du gar nicht mehr weißt, was du eigentlich willst.

Die Lösung lautet wieder: Fang klein an und erleichtere dir Entscheidungen.

Zum Beispiel:

  • Setz dich jetzt hin und stell einen Essensplan auf. Betreib im Anschluss Meal Prep. Schon hast du täglich 3 Entscheidungen weniger.
  • Stelle jetzt sofort ein Outfit pro Tag für die nächste Woche zusammen.
  • Trag dir einen Selfcare-Termin pro Tag ein.

Du kannst mit diesen ersten Schritten deine eigenen Routinen aufbauen und dich (wieder) besser kennenlernen. Mach dir zusätzlich bewusst, dass deine Entscheidungen nicht mehr verurteilt werden.  

Entscheidungen zu treffen ist ein Muskel, den du trainieren kannst.

Hypervigilanz  

Hypervigilanz ist dein innerer Wachhund auf Speed. Er will dich vor Gefahren bewahren und scannt dazu ständig in Alarmbereitschaft die Umgebung ab.

Jemand ändert geringfügig seinen Ton? Bestimmt führt er etwas im Schilde.

Jemand schaut kritisch? Bereite dich schon mal auf Flucht vor.

Hat dort hinten gerade jemand eine Faust geballt? Geh in Deckung.

Hypervigilanz bedeutet, dass du immer alles im Blick hast, als wäre jede Alltagssituation mit Risiken und Lebensgefahren geladen, jedes Gespräch kann sich sofort in einen Angriff verwandeln und jeder unklare Kommentar ist versteckte Kritik.

Diese übersteigerte Wachsamkeit hat ein Ziel: Dich sicher zu halten.

Weil sie aber sogar dann besteht, wenn gar keine Gefahren bestehen, laugt sie dich aus. Die ständige Anspannung kostet Kraft, erschöpft dich und lässt dir weniger Energie für andere, wichtige Dinge in deinem Leben.

Die Ursache für Hypervigilanz liegt in einem dauerhaft aktivierten Nervensystem und chronischem Stress. In der narzisstischen Beziehung bist du auf Eierschalen gelaufen und musstest jederzeit mit 180-Grad-Wendungen gegen dich rechnen. Du bist darauf konditioniert, das Schlimmste zu erwarten. Dein Hirn wird dadurch zur scharf gestellten Alarmanlage, die selbst bei einem wehenden Laubblatt anschlägt.  

Leidest du darunter, kann eine Traumatherapie angeraten sein.

Innere Leere

Du fühlst eine ganze Menge und gleichzeitig fühlst du dich innerlich leer. Du weißt kaum mehr, wer du bist und was du willst, weil du dich und deine Bedürfnisse in der Beziehung dauerhaft hintenangestellt hast.

Viele schlagen an dieser Stelle Vergeben, Vergessen und Selbstliebe vor. Und beweisen damit: Gut gemeint ist oft weder gut gemacht noch gut durchdacht.

Stattdessen: Werd wütend.

Der Narzisst hat dich von Anfang an belogen und manipuliert. Er hat dich so sehr ausgenutzt, benutzt und kaputtgespielt, dass du dich selbst nicht mehr kennst und sogar unter körperlichen Folgen leidest.

DAS solltest du keinesfalls vergeben und vergessen.

Vergib stattdessen dir.

Selbstliebe klingt wie der blanke Hohn, wenn du dich selbst kaum noch kennst. ABER: Sie klingt nur so. In Wirklichkeit ist praktische Selbstliebe nicht esoterisch. Sie besteht nicht daraus, Mantras zu murmeln oder dir im Spiegel zu sagen, dass du dich liebst.

Sie besteht daraus, dass du wieder Knoblauch und Zwiebel an dein Essen machst, weil du das liebst – aber in der Beziehung mit dem Narzissten nicht durftest.

Sie besteht daraus, dass du dich an Hobbys und Interessen erinnerst, die du für den Narzissten aufgegeben hast – und sie wieder aufnimmst.

Der Narzisst wollte nicht, dass du mit Freunden telefonierst, zum Mädelsabend gehst, dir die Nägel lackierst oder einen Yoga-Kurs machst? Dann mach jetzt ganz genau das.

Ja, anfangs darf es durchaus zum Trotz sein. Bestell dir das Essen vom Lieferservice, das dir der Narzisst nicht gegönnt hat. Trag wieder deine Skinny Jeans, die dir verboten wurden. Lehn dich in deiner neuen Leseecke zurück und lies ein Buch, ganz in Ruhe – ohne Nörgeln, ohne Kritik und ohne schlechtes Gewissen.

Du kannst die Leere in dir wieder füllen. Nicht von heute auf morgen. Aber du wirst es schaffen.

Du darfst und solltest wütend sein. Denn dir wurde Schreckliches angetan. Vergeben musst du nur dir selbst.

Narzisstische Verhaltensweisen

Nach dem Trauma der narzisstischen Beziehung stellen sich viele Opfer früher oder später mit Schrecken die Frage: „Bin ich ein Narzisst?“

Zum einen, weil ihnen der Narzisst selbst lange Zeit eingeredet hat, sie wären das Problem.

Zum anderen, weil sie nun plötzlich selbst narzisstische Verhaltensweisen an den Tag legen. Wie zum Beispiel:

  • emotionale Kälte
  • Kontrollverhalten
  • Wutanfälle

Schau genauer hin.

Bist du wirklich emotional kalt oder schaust du nun aus Vorsicht genauer hin, wem gegenüber du empathisch bist, und hast du gelernt, nicht nur nein zu sagen, sondern auch deine Grenzen zu verteidigen?

Kontrollierst du andere? Oder lässt du nicht mehr jeden in dein Leben und hast klare Regeln?

Hast du Wutanfälle als inszenierte Manipulation vor anderen? Oder hast du Wut, die du allein an Kissen oder Boxbirne auslebst?

Solltest du wirklich narzisstische Verhaltensweisen an den Tag legen, such einen geeigneten Therapeuten auf oder nutz die Hilfe eines Coaches. Häufig handelt es sich jedoch nicht um narzisstische Maschen, sondern um neu erlernte Vorsicht, das Bedürfnis nach Sicherheit und Wut.

Nicht mehr aufräumen

Narzissten machen sich im Leben ihrer Opfer breit. Selbst dann, wenn ihr keine gemeinsame Wohnung hattet, wird sich der Narzisst in deinen vier Wänden ausgebreitet haben. Vielleicht hat er dir Geschenke gemacht, die eigentlich Waffen gegen dich sind. Vielleicht hat er deine Wohnung umgeräumt, Dinge in ihr verteilt, die du nicht wolltest oder sie kritisiert. Hinzu kommt die Trigger-Wirkung, die bestimmte Plätze oder Gegenstände in deiner Wohnung haben können – weil ihr dort gestritten habt, weil er dich oder sie kritisiert hat.

Diese Kombination kann dafür sorgen, dass du dich nicht mehr wirklich zu Hause fühlst und deswegen nicht mehr aufräumst und putzt. Dahinter kann aber auch noch mehr stecken:

  • Du bist es dir gerade nicht wert, es dir schön zu machen.
  • Du hast verinnerlicht, dass du ohnehin alles falsch machst.
  • Dir fehlt die Energie durch Schlafmangel und traumabedingte Erschöpfung.

Dadurch entsteht oftmals ein Teufelskreis. Der Zustand deiner Wohnung, die Erinnerungen darin und deine Unfähigkeit, aufzuräumen und zu putzen ziehen dich noch weiter runter. Das sorgt wiederum dafür, dass du erst recht keine Energie hast, etwas zu ändern.

Die Lösung: Räum einen Bereich frei. Nur einen. Nimm dir 10 bis 15 Minuten und schaff in dieser Zeit in einem begrenzten Bereich Tabula Rasa. Reinige die Ecke, das Regalbrett oder den Tisch, sortier aus, was dich erinnert, was du nicht mehr willst und was du noch willst und richte den Abschnitt neu ein.

Das kann die Arbeitsfläche in der Küche sein, deine Couch oder das Regal im Badezimmer.

Indem du den Aufwand zeitlich und räumlich begrenzt, fällt die Umsetzung leichter. Du kannst auf diese Weise Schritt für Schritt und Stück für Stück deine vier Wände wieder zurückerobern. Das gibt dir wiederum Kraft und bringt dich in der Heilung voran.

Nicht mehr dekorieren

„Warum machst du des dir denn nicht schön?“ habe ich ausgerechnet von einer Narzisstin in meinem Leben sehr oft gehört. Die Wahrheit ist: Ich habe es mir sehr oft schön gemacht. Ich habe auf die Couch gespart, die ich immer wollte, passende Kissen und Decken ausgesucht. Ich habe Bilder aufgehängt, Duftkerzen aufgestellt, Pflanzen gehegt und gepflegt, drei Monate lang nach den perfekten Nachtischlampen gesucht, nach den Bücherregalen, die genau richtig sind, und sogar der Kratzbaum meiner Katzen war ein dekoratives Kunstwerk.

Ich liebte mein Zuhause. Denn vom alphabetisch geordneten Gewürzregal über die Lampenschirme bis zu den geschnitzten Holzfiguren hatte ich in mühsamer Kleinarbeit alles so hergerichtet, wie ICH wollte und wie es für MICH passte. Zum ersten Mal in meinem Leben.

Dann kam ein Narzisst und machte sich darüber lustig. Ein anderer kam und zerstörte die Hälfte. Eine Narzisstin kam und entsorge mein geliebtes Eigentum.

Einige Male versuchte ich, alles wieder aufzubauen. Dann gab ich auf. Wozu noch alles so einrichten, wie ich es will? Es wird nur wieder zerstört. Es ist nur noch ein Punkt mehr, der mir weggenommen werden kann. Womit man mich verletzen kann.

Nicht mehr zu dekorieren ist eine Reaktion auf Trauma.

Denn Dekorationen sind nicht nur dazu da, es dir schön zu machen. Sie zeigen ein Stück deiner Persönlichkeit und dienen dazu, Raum für dich einzunehmen. Genau deswegen solltest du wieder damit anfangen. Auch das ist eine Form der Selbstfürsorge.

Nicht mehr im Bett schlafen

Nach einer normalen Trennung kann es bereits schwierig sein, wieder in dem ehemals gemeinsamen Bett zu schlafen. Nach einer narzisstischen Beziehung wird das Bett jedoch zum Symbol dafür, dass du neben deinem Täter geschlafen hast. Sofern er dich überhaupt schlafen ließ.

Es ist der Ort, an dem viele Lügen stattfanden. Und einiges an Missbrauch.

Mein persönlicher Rat: Werde es los.

Oder erobere es zurück, indem du es mit neuen Matratzen versiehst und ganz  nach deinem Geschmack umgestaltest.

Redeschwall

In einer narzisstischen Beziehung musst du einerseits sehr viel reden und kommst andererseits nicht zu Wort.

Du redest viel, um dich zu rechtfertigen und bei den unzähligen Versuchen, Konflikte zu klären. Du kommst nicht zu Wort oder wirst nicht gehört, wenn es um alles andere geht. Dazu wirst du isoliert, hast also nach und nach immer weniger Gesprächspartner.

Nach der Beziehung mit dem Narzissten und wenn du dir (wieder) ein soziales Netzwerk aufbaust, kommst du plötzlich wieder zu Wort. Du wirst plötzlich wieder gehört. Dazu hast du eine Menge zu erzählen. Das kann in dem einen oder anderen Redeschwall resultieren.

Achtung: Wieder zu reden und darüber zu reden, was dir passiert ist, ist wichtig und richtig. Achte aber darauf, dass du niemanden damit überforderst.

Alternativen zu wiederholten Redeschwallen gegenüber Freunden und Familie:

  • Sprich mit Menschen, die Ähnliches durchhaben.
  • Rede mit einem Coach oder Therapeuten, der sich mit narzisstischem Missbrauch auskennt.
  • Nutze Journaling oder eine andere Form von Brain Dump, um die angestauten Wörter loszuwerden.

Schuldgefühle

Du warst das Opfer eines Narzissten, wurdest belogen, manipuliert, erpresst, mit Gaslighting in Selbstzweifel getrieben und mit Breadcrumbing abgespeist. Lovebombing und Fast Forwarding haben dich in die Beziehung reingezogen. Future Faking und Abwertung haben dich länger als du wolltest, darin gehalten.

Wenn du endlich den Absprung schaffst oder eine sichere Trennung eingeleitet hast, solltest du also froh sein und dich erleichtert fühlen. Stattdessen kommt eine weitere bizarre Verhaltensweise auf: Du fühlst dich schuldig.

Mögliche Gründe dafür:

  1. Verletztes Helfersyndrom: Solltest du dem Narzissten nicht eigentlich zur Seite stehen?
  2. Kognitive Dissonanz & Hoffnung: „Aber er hat gesagt, er liebt mich! Vielleicht habe ich zu früh aufgegeben.“
  3. Selbstzweifel: Gaslighting und Co. können dazu führen, dass du erfundene und manipulative Vorwürfe glaubst und die Schuld für das Ende der Beziehung bei dir suchst.
  4. Verantwortung für andere: „Wie konnte ich den Narzissten nur in das Leben meiner Familie und meiner Freunde bringen?“ Dieser Grund für Schuldgefühle trifft vor allem dann zu, wenn der Narzisst dich isoliert und dich dazu getrieben hat, wichtige Menschen in deinem Leben zu vernachlässigen.

Selbstisolierung

Wo wir gerade bei der Isolierung durch Narzissten sind: Während der Beziehung übernimmt der Narzisst in deinem Leben die „Aufgabe“, dich von anderen fernzuhalten und dich immer einsamer werden zu lassen. Er erzählt Lügen über dich und erzählt dir Lügen über andere. Dazu kann er Triangulation einsetzen, um dich weiter von anderen abzuspalten.

Eine bizarre Verhaltensweise nach der Trennung von einem Narzissten: Du isolierst dich selbst.

Große Rollen spielen hierbei:

  • Schlafmangel und Erschöpfung
  • Hypervigilanz  
  • fehlendes Vertrauen in andere
  • Angst vor Flying Monkeys

Panikattacken, Todesangst durch kleine Trigger und die Vernachlässigung der Gesundheit machen es nicht einfacher, (neue) Bekanntschaften zu pflegen.

Für den Anfang ist es oftmals leichter, einen Kompromiss zu finden. Zum Beispiel:

  • Finde eine (Online-)Selbsthilfegruppe. Menschen mit ähnlichen Erfahrungen verstehen dich oft besser.
  • Pflege Fernfreundschaften via Telefon und Textnachrichten.
  • Richte eine soziale Zeit pro Tag oder pro Woche ein.  

Du kannst beispielsweise abends einen Spaziergang machen und für 20 bis 30 Minuten dabei telefonieren. Sprich gelegentlich ein paar Sätze Sprich gelegentlich ein paar Sätze mit dem Kassierer im Supermarkt oder begleite ein Ehrenamt, bei dem du zumindest hin und wieder in Kontakt mit anderen kommst.

Du musst nicht direkt zum Social Butterfly werden. Auch hier reichen anfangs kleine Schritte zurück in ein normales Leben.

Ständige Müdigkeit

Du hast das Bedürfnis, bis nächstes Jahr durchzuschlafen. Mindestens. Du wachst auf wie erschlagen und würdest gerne weiterschlafen, kannst aber nicht. Albträume, Panikattacken, Ein- und Durchschlafstörungen sind ebenso typisch wie sehr langer Schlaf ohne das Gefühl von Erholung.

Verwunderlich ist das nicht. Denn während der narzisstischen Beziehung ist dein Nervensystem durchgängig auf Hochspannung. Die anhaltende Hypervigilanz sorgt zusätzlich dafür, dass du nicht einmal während des Schlafens zur Ruhe kommst.

Hierbei helfen:

  • erhöh dein Sicherheitsgefühl für besseren Schlaf
  • Traumatherapie
  • Aromatherapie
  • optimierte Schlafhygiene
  • Bewegung
  • beruhigende Hintergrundgeräusche (siehe Endlosschleifen)
  • Lass dich schlafen!

Sobald du endlich schlafen kannst: Schlaf, was das Zeug hält. Narzisstischer Missbrauch hinterlässt nicht nur weitreichende, tiefgreifende Spuren. Er verändert dein Gehirn. Dieses muss – wortwörtlich – erst wieder neu schlafen lernen.  

Ständige Selbstzweifel

„War ich das Problem?“

„Hätte ich mich mehr anstrengen müssen?“

„Bin ich wirklich anstrengend, zu emotional, eifersüchtig, habe ein Aggressionsproblem?“

Narzissten betreiben nicht nur selbst Gaslighting und kontrollieren durch Kritik. Sie setzen auch Flying Monkeys ein, um deine Selbstzweifel strategisch wachsen zu lassen.

Der Weg raus: Schreib auf, was passiert ist. So detailliert, wie du kannst.

Wie oft sind dir Lügen aufgefallen?

Wie oft hat der Narzisst dich kritisiert?

Wie oft Versprechen gebrochen?

Wie oft hat er seine Fehler auf dich projiziert?

Wie oft warst du verlassen, weil du dich auf ihn verlassen hast?

Wie oft hast du dich gefragt, warum der Narzisst zu anderen fürchterlich freundlich ist, während er zu dir nur furchtbar war?

Während der Beziehung hast du sehr viel runtergeschluckt und sehr viel entschuldigt. Schreibst du den Ablauf der narzisstischen Beziehung chronologisch auf, wird dir jede Menge auffallen. Zum Beispiel: Dass du nicht das Problem warst.

Todesangst durch kleine Trigger

Der schlimmste Narzisst in meinem Leben hatte quietschende Schuhe. Er hatte nicht wirklich quietschende Schuhe: Er quietschte absichtlich mit seinen Schuhen. Jeder Schritt, jede Stufe auf dem Weg zu meiner Dachgeschoss-Wohnung: Quietsch, quietsch, quiiiiietsch.

Das war einerseits praktisch. Denn er kündigte sich damit an. Das gab meinem Magen genug Zeit, um in die Kniekehle zu sinken und dem Rest von mir genug Zeit sich zu fragen, warum ich noch in dieser Beziehung stecke.

Andererseits war es eine Masche. Denn er quietschte nicht immer. Manchmal stand er auch einfach ohne Vorankündigung in meiner Wohnung und erschreckte mich damit. War er doch ansonsten laut und polternd.

Das Ergebnis dieser und vieler anderer Maschen von ihm in Kombination mit Gewalt: Quietschende Schuhe lösen Panikattacken bei mir aus. Ebenso wie unangemeldeter Besuch.

So ähnlich geht es vielen Opfern von narzisstischer Gewalt. Scheinbar kleine Trigger lösen Todesangst aus.  

Eine geleitete Traumatherapie ist hier angeraten.

Unfälle

Herd angelassen, Stufe übersehen, beim Hantieren mit der Bohrmaschine hektisch geworden: Eine ebenso häufige wie bizarre Verhaltensweise nach einer narzisstischen Beziehung ist eine erhöhte Anfälligkeit für Unfälle.

Schlafmangel, fehlende Konzentration und tiefgreifende Erschöpfung sind dafür verantwortlich.

Um dich dadurch nicht unnötig in Gefahr zu bringen:

  • bleib beim Kochen in der Küche und am Herd stehen
  • schreib dir gut sichtbare Erinnerungen
  • fertige detaillierte Checklisten an
  • baue Routinen auf, die dir Ruhe und Sicherheit geben

Vernachlässigung der Gesundheit

Kopfschmerzen, Zahnschmerzen, Verdauungsbeschwerden, Herzrasen, Hautprobleme, Verspannungen, Burnout, Depressionen und Mangelerscheinungen: Viele Opfer von narzisstischem Missbrauch leiden psychisch und auch körperlich noch lange nach dem Ende der Beziehung.

Gleichzeitig gehen viele nicht zum Arzt, weil sie ihre Probleme kleinreden oder bereits bestens mit Medical Gaslighting vertraut sind.

Das Problem dabei ist offensichtlich. Während der narzisstischen Beziehungen hattest du keine Zeit und Kraft für dich, wurdest ausgenutzt und ausgelaugt. Nach der Beziehung fehlt dir die Kraft und du vernachlässigst dich weiter.

Besser: Auch wenn du einige Zeit suchen musst, finde einen Arzt, der dich ernstnimmt und ganzheitlich behandelt.

Wie geht’s dir – eine Falle?

In den Jahren nach der Trennung von dem schlimmsten Narzissten in meinem Leben habe ich eine Frage häufig:

  1. gar nicht erst wahrgenommen.
  2. oberflächlich beantwortet.
  3. absichtlich ignoriert, weil sie sich wie eine Falle anfühlte.

Die Frage lautet: „Wie geht’s dir?“ Klingt harmlos bis nett. Oder zumindest höflich.

Aber mit meiner Reaktion darauf bin ich nicht allein. Denn in der narzisstischen Beziehung war die Frage keineswegs harmlos. Jede Antwort darauf wurde gegen mich verwendet. Ging es mir gut, wurde ich kritisiert. Ging es mir schlecht, wurde ich kritisiert. Antwortete ich vage und einsilbig, wurde ich kritisiert.

Ein weiterer Grund für mein Verhalten: Ich hatte gelernt, dass mein Befinden niemanden wirklich interessiert und ich hatte schlichtweg keine Lust mehr „Gut“ zu sagen, um diese Höflichkeitsfloskel mit einer Lüge zu beantworten – damit sich der Fragende besser fühlt.

22 bizarre Verhaltensweisen, die Opfer von Narzissten entwickeln

Ist es unfair, dass sich der Narzisst nach einer Trennung einfach das nächste Opfer sucht und weitermacht, wie bisher, während du kaum schlafen kannst? Ja, definitiv!

Trotz der Hürden und bizarren Verhaltensweisen solltest du dir aber eins klarmachen: Du hast überlebt und damit die Möglichkeit, dein Leben wieder aufzubauen. Und zwar besser als zuvor und frei von Narzissten.

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