Wer es schaffte, den Basilikum aus dem Supermarkt am Leben zu erhalten, galt bei mir lange Zeit mindestens als Hexe. Denn egal, wie viel Mühe ich mir damit gab, Supermarktkräuter weder zu ersäufen noch verdursten zu lassen, den perfekten Standort zu wählen und richtig abzuernten: Nach spätestens zwei Wochen war aus dem frischen Grün ein Bild der welken Trauer geworden. Heute habe ich einen Kräutergarten, der fast komplett aus Supermarktkräutern besteht und tatsächlich anhaltend lebt. Wie du das auch schaffst, erfährst du hier.
Warum gehen Supermarktkräuter immer ein? Die Gründe
Der erste Grund liegt auf der Hand: Das schnelle Eingehen der Kräuter ist Absicht. Du sollst du dir nicht für wenig Geld einen Küchengarten anlegen und dann bestens mit Basilikum, Petersilie, Schnittlauch und Co. ausgestattet sein. Das würde schließlich bedeuten, dass du nicht so bald wie möglich die nächsten Kräuter im Topf kaufst.
Woran liegt es aber, dass die Kräutertöpfe im Supermarkt frisch, saftig grün und üppig aussehen und gefühlt anfangen, das Zeitliche im Zeitraffer zu segnen, sobald sie 5 Minuten in deiner Küche stehen?
- Treibhaus: Supermarktkräuter werden als Massenware schnell und billig produziert. Durch das Ziehen in Treibhäusern mit Kunstlicht und bei durchgängig regulierten Temperaturen wachsen sie in kurzer Zeit, sind dafür jedoch schwächer als im Freiland gezogene Pflanzen.
- Transport: Damit die Kräuter aus dem Treibhaus im Supermarktregal landen, müssen sie zunächst lange Transportwege zurücklegen. Erhebliche Temperaturschwankungen und Dunkelheit inklusive.
- Falsche Pflege: Die Kräuter im Topf sollen bis zum Verkauf frisch bleiben und appetitlich aussehen. Dafür werden sie gerne mal großzügig gewässert. Das Problem dabei? Sie werden alle gleichermaßen gewässert, obwohl unterschiedliche Kräuter auch einen stark unterschiedlichen Wasserbedarf haben.
- Lichtmangel: Erst stehen die Kräuter durchgängig hell, dann während des Transports im Dunkeln, im Supermarktlager und schließlich fernab der Sonne oder ihrem künstlichen Ersatz in der Obst- und Gemüseabteilung. Supermarktkräuter leiden bereits beim Kauf an Lichtmangel, noch ist dieser aber nicht sichtbar.
- Zu viele Pflanzen in einem Topf: Damit sie besonders üppig aussehen und zum Kauf verleiten, stehen in jedem Topf der Supermarktkräuter zahlreiche Pflanzen dicht an dicht. Sieht gut aus, ist für die einzelnen Pflanzen aber Stress pur. Denn sie sind einem hohen Konkurrenzdruck um Wasser, Nährstoffe und Platz ausgesetzt und haben zusätzlich ein höheres Risiko für Schimmelbildung.
Wie kannst du die Supermarktkräuter nun aber retten?

Kräuter im Topf pflegen – Schritt für Schritt
Supermarktkräuter zu retten, ist einfacher als gedacht, wenn du die richtigen Schritte kennst.
Schritt 1: Teilen und Umtopfen
Die Kräuter im Topf aus dem Supermarkt stehen oft deutlich zu eng und in verbrauchter Erde. Der erste Schritt zur Rettung der Supermarktkräuter ist es daher, sie vorsichtig aus dem Topf zu lösen, die Erde abzuweichen und abzuspülen und den Wurzelbereich der Pflanzen falls nötig in zwei bis vier Stücke zu teilen. Alternativ kannst du auf das Teilen auch verzichten und stattdessen einen deutlich größeren Topf wählen.
Setz sie in frische Kräutererde ein und lass sie, von angepasstem Gießen abgesehen, zunächst in Ruhe.
Schritt 2: Passenden Standort wählen
Mediterrane Kräuter wie Rosmarin, Thymian und Salbei stehen gerne sehr hell, warm und halten Trockenheit gut aus. Heimische Würzkräuter wie Petersilie, Schnittlauch und Minze brauchen nicht ganz so viel Licht, dafür aber ein wenig mehr Wasser.
Bedenk bei den Kräutern aus dem Treibhaus, dass sie weder pralle Sonne kennen noch Temperaturschwankungen. Willst du sie auf dem Balkon oder im Garten kultivieren, musst du sie daher zunächst langsam daran gewöhnen.
Schritt 3: Angepasst ernten
Ernte die Kräuter im Topf nicht sofort komplett ab. Aufgrund des Stresses bei Transport und Verkauf sind die Pflanzen bereits erschöpft und können radikale Eingriffe nicht mehr kompensieren.
Besser ist es, erst dann mit der Ernte nach Bedarf zu beginnen, wenn sie sich erholt haben und du deutliches Wachstum bemerkst. Setze dafür immer eine saubere Schere oder ein sauberes Messer ein, damit die Schnittstellen schnell abtrocknen und sich schließen. Das schont die Pflanze.
- Basilikum: Geerntet werden die Triebspitzen über einem Blattpaar.
- Koriander: Ernte einzelne Blätter oder schneide Triebe kurz über der Erde komplett ab.
- Minze: Schneide ganze Stängel etwa eine Handbreit über dem Substrat ab.
- Oregano: Schneide Triebe über einem Blattpaar ab und etwa zehn Zentimeter über dem Boden.
- Petersilie: Ernte ganze Stiele von außen nach innen.
- Rosmarin: Entferne junge Triebe über einem Blattknoten komplett – nie nur die Nadeln. Und schneide nicht ins Holz.
- Salbei: Schneide einzelne Blätter oder ganze Triebspitzen ab, aber nie ins Holz.
- Schnittlauch: Schneide die Halme etwa 3 Zentimeter über dem Boden ab.
- Thymian: Nutze ganze Triebe oder Triebspitzen, die jung und unverholzt sind.
Schritt 4: Richtig pflegen
Viele Kräuter sind ausdauernd, mehrjährig und bringen eine reiche Ernte, wenn du sie angepasst pflegst. Selbst empfindlicher Basilikum lässt sich zudem einfach vermehren.
Möchtest du einen üppigen Kräutergarten für deine Küche anlegen oder die passenden Kräuter als Hausmittel und für frischen Kräutertee parat haben? Dann sind Supermarktkräuter eine gute und günstige Wahl. Wichtig ist lediglich, dass du sie in der Folge richtig und angepasst pflegst.
Informier dich also über die Ansprüche der jeweiligen Kräuterarten. Das und das Kultivieren ist leichter, als du denkst, schließlich gehören Küchenkräuter zu den besten Pflanzen für Menschen ohne grünen Daumen.

Supermarktkräuter retten und pflegen: eine ungewöhnliche Sparmaßnahme
Es gibt zahlreiche außergewöhnliche Spar-Tipps, die gleichzeitig deiner Gesundheit zugutekommen. Das Retten und Pflegen von günstigen Supermarktkräutern gehören dazu. Denn hierdurch kannst du zum Teil über Jahre hinweg immer wieder frische Kräuter ernten, ohne etwas dafür auszugeben.
Ja, die Ersparnisse dabei wirken auf den ersten Blick gering. Sie summieren sich jedoch.
Weitere nette Nebeneffekte:
- Du produzierst weniger Abfall und legst den Grundstein für sinnvolles Indoor-Gardening.
- Jederzeit frische Kräuter im Haus zu haben, bedeutet auch jederzeit mit ihnen würzen zu können und begünstigt eine gesündere Ernährung.
- Du verbesserst das Raumklima.
- Du bekommst mit der Pflanzenpflege ein Hobby, das fast nichts kostet, dafür aber deinen Blutdruck senkt und Stress abbaut.
- Du hast frische Hausmittel im Haus, wie zum Beispiel Basilikum und Rosmarin gegen Kopfschmerzen oder Salbei gegen Halsschmerzen.
Also werde zum Retter der Supermarktkräuter und genieß die Vorteile, die du damit kreierst.







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