Dirk Peglow ist Erster Kriminalhauptkommissar, seit 2021 Bundesvorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK) und seit April 2026 ein Mann, der die Wut der Männer selbst zu spüren bekommt – weil er öffentlich darüber sprach.
Wutmänner: Wenn Fakten Zorn auslösen
Dirk Peglow wird im heute journal über die Statistik in Bezug auf Gewalt gegen Frauen von Moderatorin Dunja Hayali gefragt: „Was raten Sie Frauen?“
Nüchtern rät der Bundesvorsitzende des BDK: „Wenn man nach der statistischen Anzahl geht, besser keine Beziehung mit einem Mann eingehen. Da ist das Risiko erheblich höher, eben Opfer von psychischer oder physischer Gewalt zu werden. Jeden Tag werden in Deutschland mindestens zwei Frauen und Mädchen Opfer versuchter oder vollendeter Tötungsdelikte. Und bei den Sexualdelikten sieht es nicht anders aus. Nicht der fremde Mann, der hinterm Busch wartet, sondern aus dem sozialen Umfeld kommen die Täter. Das ist ein ganz entscheidender Punkt.“
Und schon ist er da, der überschäumende Zorn der Wutmänner.
Sie verurteilen nicht etwa die Tatsache, dass Frauen in Beziehungen um ihr Leben fürchten müssen. Das Partner und Trennungen die größten Risikofaktoren darstellen.
Nein, sie lassen ihren Gewaltfantasien gegenüber Dunja Hayali und Dirk Peglow freien Lauf und beweisen damit einmal mehr: Männer sind das Problem. Männer sind die Gefahr.
Haben sie vor, das zu ändern? Nein, sie wollen nur jeden tot sehen, der die Unverfrorenheit hat, die Fakten klar zu benennen. Sie laut und öffentlich auszusprechen. Statistisch belegt.
Sie sind nicht wütend auf die Täter. Sie sind die Täter. Und in allerbester Narzissten-Manier wollen und werden sie nichts an sich selbst ändern. Sie wüten und toben stattdessen, weil andere vor ihnen warnen. Weil ihre Taten bekannt gemacht werden. Bekannter, als sie ohnehin schon sind.
Und das ausgerechnet von einem Mann. Nicht zu vergessen, dass die Moderatorin die „provokante“ Frage gestellt hat.
Von Morddrohungen, Manosphere und Mitleid
Eigentlich wollte ich heute eine Rezension zum Buch „Not am Mann: Die Erfindung toxischer Männlichkeit“ verfassen. Aber bei Sätzen wie „Frauen müssen lernen, bessere Gewinnerinnen zu sein“ und der Quintessenz, dass die armen, armen Männer absolut nichts für ihre Wut und Einsamkeit können – während es Frauen absolut bombastisch geht – kam mir dann doch das Frühstück hoch.
Denn ja, das glauben immer noch viele: Die Männer sind die Opfer und ihre Wut nur allzu verständlich.
Gut, wir ignorieren jetzt mal geflissentlich, dass Frauenhäuser überquellen. Wir ignorieren 62 Millionen Aufrufe der Rape Academy im Februar. Die 81 Millionen Aufrufe der Rape Academy im März. Wir ignorieren 290 Vergewaltigungen pro Tag allein in Deutschland. Die ein bis zwei toten Frauen und Mädchen pro Tag in Deutschland.
Lasst uns auch darüber hinwegsehen, dass jeder, der den Mund gegen Narzissten, andere toxische Menschen und Täter aufmacht, direkt mit Morddrohungen rechnen sollte. Von Wutmännern, die keiner will, weil sich keiner mehr zum Opfer machen möchte.
Reden wir nicht davon, dass die Polizei Täter beschützt und Opfer traumatisiert. Gut, ist auch nicht verwunderlich, denn es gibt ja mehr als genug Vergewaltiger, die von Steuergeldern bezahlt als Polizisten arbeiten. Schweigen wir wieder darüber, wie viele Frauenhasser und Vergewaltiger Tag für Tag zwischen uns laufen, weil die Justiz offensichtlich auf der Seite der Täter steht.
Fangen wir stattdessen an, den Wutmännern der Manosphere den Kopf zu tätscheln, während wir um unser Leben fürchten.
Das Buch beweist etwas, das weitverbreitet ist: Die überall herrschende Himpathy. Das Mitleid mit den Männern, egal, was sie machen.
Was dabei immer noch fehlt: die Eigenverantwortung der Wutmänner. Wann fangen sie endlich damit an, Verantwortung für ihre empfundene Einsamkeit und all ihre Handlungen zu übernehmen? Und wann werden sie endlich mal zur Verantwortung dafür gezogen?
Wann hören Regierung und Gesellschaft endlich damit auf, Täterschutz zu betreiben und auch noch Mitleid mit den Tätern zu äußern? Während die Opfer bestenfalls ignoriert werden.
„Frauen müssen endlich bessere Gewinnerinnen werden“
Dieser Satz steht im Buch „Not am Mann“. Ich frage mich: Wie verpeilt und pervers muss man sein, unter welchem Stein muss man leben, um so einen Schwachsinn von sich zu geben – der mit der Realität so viel gemein hat wie Winnie the Poo mit Quantenphysik.
Jaja, wir Frauen, die Gewinner. Die immer noch unterbezahlt sind, immer noch die Care-Arbeit machen, den Mental Load allein tragen, durch Manterrupting nicht ausreden dürfen, die Opfer von Medical Gaslighting und fehlender Forschung sind, von Vergewaltigungen en masse, Femizid und immer noch darum kämpfen, dass verschärfte Gesetze bei Sexualdelikten durchkommen.
Das nächste Mal, wenn eine Frau mir erzählt, was ihr alles angetan wurde, wie ihr Täter den Bemühungen von Polizei, Anwälten und Richtern sei Dank frei rumläuft, werde ich sie daran erinnern, einfach mal die bessere Gewinnerin zu sein.
Warum Wutmänner weggehören
Die Wut der Männer war schon immer da. Sie fand nur lange Zeit hinter verschlossenen Türen statt. Die Manosphere hat sie lediglich gemeinsam mit Himpathy und einer misogynen Regierung gesellschaftsfähig gemacht.
Der Grund dafür liegt nicht in der angeblichen Male Loneliness Epidemic. Der Grund dafür liegt in fehlenden Konsequenzen für Täter, die fröhlich weitere gewaltbereite Widerlinge inspirieren und damit die Wutmännchen perpetuieren.
Es liegt nicht daran, dass es Frauen jetzt „zu gut geht“ und sie die angeblichen Gewinner sind. Es liegt auch nicht an fehlender Aufklärung der armen kleinen Männer oder daran, dass ihnen angeblich jemand das Weinen verboten hat.
Es liegt an dem System und den Menschen, die Männer auf ein Podest heben und sie gleichzeitig behandeln wie kleine Kinder, von denen unmöglich erwartet werden kann, dass sie sich selbst den Hintern abwischen, die Grenzen anderer respektieren und die entschuldigt werden, wenn sie ihre Wut nicht unter Kontrolle bekommen. Die sogar dann entschuldigt und deutlich milder bestraft werden, wenn sie töten.
Dirk Peglow und die Wutmänner machen nur deutlich, was millionenfach passiert
Was der Moderatorin Dunja Hayali angetan wird – denn es „passiert“ nicht einfach – möchte ich keineswegs unter den Teppich kehren. Die traurige Wahrheit ist: Mir war klar, dass sie nach der Frage „Was raten Sie Frauen?“ in Drohungen ertrinken wird.
Weil sie eine Frau ist. Und damit ist sie schuld daran, dass der arme Mann eine solche Antwort geben muss.
Was Dunja Hayali und Dirk Peglow hier erfahren, ist nicht neu. Nicht selten. Es sind keine Einzelfälle. Sie sind lediglich zwei prominente Beispiele dafür, was Tag für Tag von den Wutmännern ausgeht.
Als ich den Artikel „Sichere Trennung von einem Narzissten & toxischen Menschen“ veröffentlichte, trafen sie bei mir ebenfalls ein. Die detaillierten Drohungen derer, die ganz genau wissen, wer und was sie sind. Sie wollen nur nicht, dass andere es wissen und sich schützen.







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