Schluss mit der Himpathy! Was ist das und wie werden wir sie los?

Himpathy – diesen Begriff verwendet die Professorin Kate Manne bereits 2017 in ihrem Buch Down Girl: The Logic of Misogyny und schafft damit im Englischen ein Wort für ein Phänomen, das wir im deutschsprachigen Raum bisher nur annähernd mit Täterschutz beschreiben können. Doch wir alle sollten um Himpathy und was dahintersteckt wissen, denn das Verhalten ist nicht nur weit verbreitet. Es entscheidet auch über Leben.

Was ist Himpathy?

Der Begriff Himpathy setzt sich aus „him“ und „empathy“ zusammen. Also aus him = er und empathy = Empathie. Empathie oder besser gesagt Mitleid mit IHM. Dem Mann. Dem Täter.

Himpathy beschreibt das Phänomen, bei dem mehr Mitleid mit männlichen Tätern herrscht als mit ihren weiblichen Opfern. Und es begegnet uns überall.  

Woher kommt der Begriff Himpathy?

Viele Menschen fragen sich täglich oder sogar mehrfach täglich: Wie kann das sein, dass ein Mann eine Frau vergewaltigt, und statt auf den Täter loszugehen, wird dieser in Schutz genommen?! Während das Opfer beschuldigt, beleidigt und bedroht wird.

Wie kann das sein, dass Täter in Schutz genommen werden und Opfer sich schämen sollen?! Oder sogar Angst haben müssen, dass ihnen noch mehr angetan wird?!

Diese verquere Sichtweise und das vollkommen unangebrachte Mitleid mit den Tätern wurde von Kate Manne, Professorin an der Cornell University, in dem Wort Himpathy 2017 im Buch Down Girl: The Logic of Misogyny zusammengefasst.

Wie zeigt sich Himpathy?

Wir schreiben das Jahr 2026. Collien Fernandes leidet seit Jahren darunter, dass gefälschte pornografische Bilder und Videos von ihr verbreitet werden. Seit Jahren versucht sie, rechtlich dagegen vorzugehen.

Bis dann ausgerechnet ihr Mann ihr gesteht, dass er der Täter ist.

Jahrelang hat er Deepfakes von seiner Ehefrau, der Mutter seines Kindes, erstellt und verbreitet.  

An dieser Stelle ist jedem Menschen mit gesundem Menschenverstand, Logik und einem Herz klar: Das Verhalten ist nicht nur so ein bisschen verabscheuungswürdig. Dieser widerwärtige, perverse Täter hat keinerlei Mitleid verdient.

Aber genau das kommt, und nicht zu knapp. Während der Täter bemitleidet und in Schutz genommen wird und Marcus Lanz öffentlich sagt: „Ich hoffe, er hat einen Freund, der ihm über diese schwere Zeit hilft.“ – wird das Opfer, Collien Fernandezs, als böse Frau hingestellt. Warum musste sie auch öffentlich machen, was ihr angetan wurde? Denkt sie denn gar nicht an ihren armen Täter und an ihr Kind?

Himpathy in Reinkultur.

Nicht nur, dass sie Hass und Kritik für ihren Schritt an die Öffentlichkeit bekommt und sogar ihre Arbeit boykottiert wird. Die Menschen mit Himpathy unterstellen ihr Lügen, betiteln sie mit Schimpfnamen und fragen nicht: Hat der Täter denn gar nicht an die Leben seiner Frau und seines Kindes gedacht, als er unter anderem Deepfakes kreierte und verteilte?

Himpathy und Pick me Frauen

Täter unterstützen und schützen Täter. Das ist erschreckend, erschütternd und löst Ekel und Übelkeit bei jedem mit einem Hirn aus. Leider hört es da aber noch nicht auf und die Himpathy ist nicht auf Männer beschränkt.

Allen voran Pick me Frauen und Boy Moms praktizieren den Täterschutz, wenden sich gegen Opfer und sind frauenfeindliche Frauen. Sie ergreifen Partei für Vergewaltiger, für Gewalttäter und sogar für Mörder.

Sie verfolgen damit das gleiche Ziel wie auch ansonsten in ihrem Leben: Durch das Anbiedern und Einschleimen bei Männern Aufmerksamkeit von Männern zu bekommen, dadurch ihren Status zu verbessern und in der Nähe der Macht zu sein.

Die Folgen der Himpathy

Wir leben in ihnen.

Wir leben in einer Welt, in der Opfer von Vergewaltigungen stundenlang verhört werden, die Schuld der Vergewaltiger bewiesen wird, und die Täter dennoch frei rumlaufen. Wir leben in einer Welt, in der Opfer beschuldigt und Täter entschuldigt werden. In der „Aber es könnte seinen Ruf ruinieren“ wichtiger gehandelt wird, als „Was er ihr angetan hat, hat ihr Leben ruiniert.“

Als Gisèle Pelicot von der Polizei darüber informiert wird, was ihr Ehemann und 50 weitere Täter ihr über Jahre hinweg angetan hat, Gaslighting und das extreme Gefährden ihrer Gesundheit inklusive, werden ihr ein neuer Name, ein neuer Wohnort und Anonymität angeboten.

Nicht etwa, um sie vor den 51 Tätern zu schützen – die werden glücklicherweise alle verurteilt und inhaftiert. Sondern, weil sie aufgrund der Himpathy mit Anfeindungen gegen sich selbst rechnen muss. Sie entscheidet sich dagegen und macht die Taten öffentlich. Sie sagt:

„Die Scham muss die Seite wechseln“

Und die Himpathy – das Mitleid mit Tätern – muss aufhören. In der Bevölkerung, unter den Polizisten und Polizistinnen, Anwälten und Anwältinnen Richtern und Richterinnen. Täter müssen endlich mit den vollen Konsequenzen ihrer Taten konfrontiert werden. Opfer müssen endlich geschützt werden. Der Täterschutz muss ein Ende haben, auf allen Ebenen.

Denn aktuell wird eine Gesellschaft geführt und erzogen, die dafür sorgt, dass Vergewaltiger und Mörder nicht nur unter uns frei rumlaufen – sondern, dass sie auch noch Cheerleader haben, während sie sich die nächsten Opfer suchen.  

Jeden Tag werden mehr und mehr Männer dazu ermutigt, Gewalt gegen Frauen anzuwenden. Denn sie wissen, sie kommen damit durch. Vielleicht springt dabei sogar noch ein Fanclub raus oder aber sie können damit in der Rape Academy ordentlich Geld verdienen.

Das Ende der Himpathy

Wie kann die Himpathy nun endlich aufhören? Indem wir das Mitleid mit Tätern nicht mehr stehenlassen. Greif es an, wo auch immer du es siehst und hörst. Täter verdienen Konsequenzen, keine Freunde, keine Fanclubs, kein Entschuldigen ihrer Taten. Keine Schuldsuche bei den Opfern.

Und indem alle, die bisher Himpathy betreiben, Mitleid mit Tätern haben, genauer nachdenken. Was wäre, wenn es dich selbst trifft, deine Mutter, deine Tochter, deine Enkelin, deine Schwester oder Freundin. Wie wird es sich anfühlen, wenn andere deinen Täter in Schutz nehmen und ihn bemitleiden, während sie sich gegen dich richten?

Spätestens so weit sollten der Verstand und die gesunde Empathie anstelle von perversem Täterschutz reichen.

Bis dahin: Geig Menschen mit Himpathy die Meinung und halte dich von ihnen in jeder anderen Hinsicht fern. Denn wer Mitleid mit Tätern hat, sagt dadurch etwas Wichtiges und Erschreckendes über sich selbst aus. Er unterstützt Gewalt und will freilaufende Täter und Opfer, die sich verstecken und noch mehr Angst empfinden müssen.

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