Manterrupting – Willkommen in meinem Satz

Manterrupting – Männer unterbrechen Frauen so häufig, dass es dafür einen eigenen Begriff gibt, eine Zusammensetzung von „Man“ und „interrupting“. Das Unterbrechen ist dabei nicht nur hochgradig unhöflich und nervig, sondern hat ungeahnt große Auswirkungen – beruflich und privat.

Manterrupting in mehreren Studien festgestellt

In mehreren Studien – unter anderem der Northwestern University und der George Washington University – wurde festgestellt, dass Männer Frauen in unterschiedlichen Settings deutlich häufiger unterbrechen als andere Männer. Und bedeutend öfter, als Frauen andere unterbrechen.

Sie verhalten sich dabei also eindeutig sexistisch.

Die Frage ist nun:

Warum gibt es Manterrupting?

Seit drei Stunden höre ich einem Mann zu. Eigentlich sollte das ein Gespräch werden, doch er lässt mich keinen Satz zu Ende sprechen und führt einen Monolog. Als ich gezwungenermaßen laut werde, um mir endlich Gehör zu verschaffen, unterbricht er mich wieder.

„Ja, abe…“

„Na, also siehst du das auc..“

„Ey, lässt du mich jetzt endlich mal aussprechen?!“

„Ich dachte, du wärst fertig.“

Klar, wer kennt es nicht, das Satzende „Ja, abe…“. Willkommen in meinem Satz, mal wieder. Natürlich dachte dieser „Gesprächspartner“ nicht, dass ich fertig sei. Er hat mich fortlaufend wissentlich, bewusst und gezielt unterbrochen. Hat mir also den Mund verboten. Und warum?

Weil er damit Macht demonstrieren wollte. Er hat durch Manterrupting klargemacht, dass meine Gedanken zu dem Thema und alles, was ich zu sagen habe, unwichtig sind. Er wollte kein Gespräch führen, er wollte einen Monolog halten und mich als stummen Zuhörer oder als jubelnden Cheerleader.

Nach dem ständigen Unterbrechen und nachdem ich dann doch mal drei Sätze vollständig aussprechen darf, folgt eine lange Pause seinerseits. Kenne ich schon – nicht nur von diesem „Gesprächspartner“. „Ich wusste ja nicht, dass du fertig bist.“, sagt er spöttisch.

Auch das ist wieder Dominanzverhalten. Und steht eben nicht nur einem normalen Gespräch entgegen.  

Manterrupting ist ein deutliches Warnzeichen, denn es steht für Macht über den Gesprächspartner, angestrebte Dominanz und fehlenden Respekt.

Manterrupting als Warnzeichen – die Folgen für Frauen

Manterrupting zeigt deutlich Respektlosigkeit für das Gegenüber. Indem Männer Frauen immer wieder unterbrechen:

  • bewirken sie Selbstzweifel bei der Unterbrochenen
  • stören Aussagen und Gedankengänge
  • verwandeln sie Konversationen in einen Machtkampf
  • dominieren sie Frauen
  • untergraben sie das Selbstbewusstsein von Frauen
  • werten sie Aussagen und Gedanken ab
  • bringt Frauen irgendwann zum Verstummen

Und das sowohl privat als auch beruflich. Vom Bewerbungsgespräch über Meetings bis hin zu Richterinnen und Politikerinnen müssen Frauen im Gegensatz zu Männern in deutlich mehr Konversationen darum kämpfen, überhaupt gehört zu werden.

Das kostet wiederum Energie und mentale Kapazitäten und zeigt direkt ungesunde Männlichkeit.

Manterrupting: Dann musst du eben durchsetzungsfähiger werden!

Willkommen bei der Täter-Opfer-Umkehr, die so gerne von Tätern angestrebt wird. Wenn Männer generell häufiger Frauen unterbrechen, dann liegt das an den unterbrechenden Männern, an den Rollenbildern und an dem männlichen Willen, Frauen sogar im Gespräch zu dominieren.  

Nicht an den Frauen, die sich mit anderen Menschen ganz normal unterhalten können.

Was frau leider dennoch machen muss: Aktiv auf das Manterrupting hinweisen und dagegen vorgehen.

Wie gehen Frauen am besten mit Manterrupting um?

Sich ab und an mal gegenseitig zu unterbrechen, ist vollkommen normal. Manchmal, weil wir dem anderen enthusiastisch zustimmen. Manchmal, weil wir mit einem Gegenargument nicht warten wollen oder der andere etwas falsch verstanden hat und wir uns rechtfertigen möchten.

Manterrupting hat ein anderes Ziel. Hierbei geht es um Macht, Kontrolle und Dominanz. Es geht nicht um Austausch, sondern darum, die Gesprächspartnerin mundtot zu machen. Aus diesem Grund solltest du es nicht einfach hinnehmen.

Schritt 1 gegen Manterrupting: Weise daraufhin

„Sie haben mich (schon wieder) unterbrochen.“

„Lassen Sie mich ausreden.“

„Ich war noch nicht fertig.“

Abhängig vom Kontext des Gespräches kannst du auch aufstehen und gehen, eine Strichliste führen, um die Anzahl der Unterbrechungen zu dokumentieren und sichtbar zu machen oder laut „Willkommen in meinem Satz, mal wieder!“ sagen.

Schritt 2 gegen Manterrupting: Weise auch bei anderen darauf hin

„Jetzt lassen Sie doch mal Frau XYZ ausreden! Ich möchte hören, was sie zu sagen hat.“

Es ist nicht immer einfach, sich selbst zu verteidigen und das Manterrupting gegenüber der eigenen Person abzustellen. Mit einem Satz wie dem oben machst du mehrere Sachen klar:

Das Manterrupting hat nicht den vom Mann gewünschten Effekt. Es fällt stattdessen negativ auf.

Die Sprecherin hat Rückendeckung.

Schritt 3: Führ Regeln ein

Manterrupting ist bei manchen zu einem solchen Problem geworden, dass im beruflichen Kontext Regeln dafür eingeführt wurden. Zum Beispiel:

  • Feste Sprechzeiten für jede Person, während der sie nicht unterbrochen werden darf.
  • Hand heben, wenn Fragen bestehen oder ein Einwurf geplant ist.
  • Sprechverbot für 15 Minuten, wenn jemand andere unterbricht.

Mit anderen Worten: Wenn Männer dem Manterrupting frönen und kein respektvolles Verhalten auf Augenhöhe mit anderen Erwachsenen zustande bekommen, müssen in der Geschäftswelt Regeln für Schulkinder eingeführt werden.  

Peinlich, aber leider nötig. Und eventuell ein Beispiel für das passende Gegenverhalten in anderen Bereichen.

Schritt 4 gegen Manterrupting: Spöttische Antworten kontern

Denk an mein Beispiel zurück: 3 Stunden lang ließ mich der Mann nicht zu Wort kommen. 3 Stunden lang war er schwer damit beschäftigt, mich mundtot zu machen. Nur, um dann zu sagen „Ich dachte du wärst bei „Ja, abe…“ fertig.“

Ich wünschte, ich hätte nachgefragt, ob er ganz neu ist in der menschlichen Konversation. Seit wann ist „Ja, abe…“ ein Satzende?! Aber ich habe nur noch resigniert mit dem Kopf geschüttelt.

Als er dann extra lange schwieg, weil er ja angeblich nicht wissen könne, dass ich fertig bin – da hab ich die Augen verdreht und wieder resigniert mit dem Kopf geschüttelt. Die Masche kenne ich schon.

Hast du aber nicht den Luxus, dass du bei solchen Erfahrungen im Anschluss das Telefonat beenden kannst und nie wieder mit dem Unterbrecher sprechen musst: kontere!

Sag: „Das ist wohl das allererste Gespräch, das du jemals führst?“

Frag nach: „Warum unterbrichst du mich immer? Angst vor meinen Argumenten?“

Lass Manterrupting nicht einfach durchgehen, dann verliert es seine Macht.

Was sagt Manterrupting über den Unterbrecher aus?

Manterrupting ist ein Beispiel für toxische Maskulinität.

  • Es ist Machtgehabe.
  • Ständiges Unterbrechen von Frauen soll sie mundtot machen.
  • Es ist unhöflich und respektlos.
  • Manterrupting zeigt Egozentrik.

Jemand, der immer nur gehört werden will, aber nicht zuhört, der gibt eine Menge über sich preis. Nur nichts Gutes.

Leider kommen Männer mit dem Manterrupting aber immer wieder durch. Weil keiner laut ausspricht, was alle denken, und weil keiner kontert. Zeit, das zu ändern.

Hinterlasse einen Kommentar

Mein Leben Eben

Auf MeinLebenEben ist eine Menge los – genauso wie im Leben, eben.

Von Tipps für Alltag, Haushalt, Karriere und Partnerschaft bis hin zum Schutz vor Narzissten und anderen Themen der Psychologie findest du hier täglich neue Artikel, die dein Leben erleichtern oder bereichern.

Let’s connect