Nachhaltiger leben ist für viele immer noch ein rotes Tuch. Ja, okay, sie gehen mit Stoffbeuteln einkaufen, greifen manchmal zu Fleischersatz statt Fleisch und haben sogar eine Solaranlage auf dem Dach. Aber wer hat schon Lust darauf, nur noch in Leinen und Hanf gekleidet zu sein, ausschließlich Salat und Müsli zu essen und nie wieder zu fliegen? Falls du glaubst, dass Nachhaltigkeit im Alltag Verzicht bedeutet, bist du hier genau richtig. Denn nachhaltiger leben muss nicht wehtun – im Gegenteil, es kann dir neue Möglichkeiten eröffnen, Geld sparen und dich entspannter und glücklicher leben lassen. Überzeug dich selbst.
Nachhaltigkeit im Alltag – es muss nicht perfekt sein
Es gibt drei große Hürden dabei, nachhaltiger zu leben:
- die Umgewöhnung
- angeblicher Verzicht
- der Glaube, perfekt sein zu müssen
Für diese Hürden gibt es aber auch passende Lösungen.
Angst vor der Umgewöhnung überwinden: betrachte es als Abenteuer
Wenn du im Urlaub in die Ferne reist, dann, um etwas Neues zu erleben und zu sehen. Neues Essen, neue Gewohnheiten, neue Menschen, neue Umgebung, andere Sitten.
Genauso kannst du das nachhaltigere Leben begreifen: Als Abwechslung vom Alltag, als kleines Abenteuer und als etwas Neues, das sich lohnt. Für dich, für andere und für die Umwelt.
Nachhaltigkeit im Alltag ist kein Verzicht
Nachhaltiger zu leben, bedeutet nicht, asketisch zu leben. Du kannst und sollst weiterhin mit Genuss essen. Du kannst und sollst weiterhin Spaß und Entspannung in deiner Freizeit finden und dich zu Hause wohlfühlen. Und nein, du musst nicht vor Sonnenaufgang aufstehen, Sauerteigbrot backen und deine Butter selbst stampfen oder darfst nie wieder in den Urlaub fliegen.
Es gibt in den Leben der meisten Menschen aber eine Menge Möglichkeiten, ganz ohne Verzicht nachhaltiger zu leben. Schau also bei dir genauer hin und probier einfach mal aus, was du ändern kannst – und was dein Leben vielleicht sogar besser macht.
Du musst nicht perfekt sein, aber besser geht oft
Getreu dem Motto „Ganz oder gar nicht“ entschuldigen viele Verschwendung und Co. damit, dass sie ja eh nicht alles 100-prozentig richtig machen können. Aber jede einzelne Kleinigkeit summiert sich irgendwann zu einem gewaltigen Effekt. Im Negativen, wie im Positiven.
Beginnst du beispielsweise damit, Lebensmittel zu sparen und zu retten, sind das diese Woche vielleicht nur 1 Kilogramm weniger Abfall und du hast 10 Euro gespart. In einem Jahr sind es hingegen wenigstens 52 Kilogramm weniger Abfall, mindestens 520 Euro mehr im Portemonnaie und du musst seltener den Müll rausbringen.
Also hör auf, die Wirkung von Kleinigkeiten zu unterschätzen und nutze sie stattdessen gezielt.
Fang klein an und bau aus, wo, wie und wann du kannst.
Tipp 1 für mehr Nachhaltigkeit im Alltag: Abfall reduzieren
Das geht einfacher, als du denkst:
- Kauf Großpackungen, anstatt kleiner Portionen. Prozentual fällt die Verpackung hier geringer aus.
- Setz auf Produkte mit Nachfüllmöglichkeit.
- Verwende lieber Mehrwegverpackungen als Einwegverpackungen.
- Koch mehr aus frischen Zutaten, die ohne Verpackung oder mit Papierverpackung auskommen.
- Kauf lieber lokal bei kleinen Anbietern wie Wochenmärkten, Hofläden, Gemüsehändlern, Metzgern, Jägern und Fischmärkten, in verpackungsfreien Supermärkten als im Supermarkt.
- Trenn deinen Müll akribisch. Das spart Energie und Treibhausgase.
- Setze mehr Lappen anstatt Küchenkrepp ein.
- Verwende (saubere) Verpackungen weiter oder auch als Müllbeutel.
- Bau selbst an, was du anbauen kannst, wie Salat, Kräuter und Microgreens, die in jede Wohnung passen.
Ebenfalls wichtig: Analysiere deinen Abfall. Was landet bei dir immer wieder im Müll, das sich vermeiden ließe? Wozu gibt es eine bessere Alternative? Feste Seifen anstelle von Flüssigseife zum Beispiel oder loser Tee anstatt Teebeuteln.
Nachhaltiger Leben Tipp 2: Auto aus
„Der Sprit ist so teuer geworden! Bald kann man sich Autofahren gar nicht mehr leisten!“
Diese oft gebrüllte Aussage höre ich seit vielen Jahren. Für gewöhnlich von Menschen, die gerade im Auto sitzen, während das Auto fröhlich vor sich hintuckert und sich keinen Millimeter bewegt. Zum Fahren ist der Sprit also zu teuer, zum Motorlaufenlassen beim Stehen aber gerade noch billig genug.
Er reicht bei vielen auch dafür, für einen einzigen Artikel einkaufen zu fahren, der weder lebensnotwendig ist noch direkt heute gebraucht wird. Oder ins Fitnesscenter zu fahren, dass keinen Kilometer entfernt ist, um dann dort auf dem Laufband zu stehen. Man soll ja schließlich 10.000 Schritte pro Tag machen, ne?!
Auch am Sonntag zum Bäcker zu fahren, um im Anschluss ans Frühstück einen Sonntagsspaziergang einzulegen – Bewegung ist ja wichtig – ist kaum mehr an Absurdität und Schildbürgertum zu überbieten. Ebenso wenig wie mit dem Auto zum Joggen fahren.
Besser, nachhaltiger, deutlich günstiger und sogar zeitsparend:
- Schalt den Motor aus, sobald du ihn ausstellen kannst. Zum Beispiel im Stau, an der Ampel oder wenn du dich aus dem Auto heraus mit jemandem unterhältst. Das ist deutlich öfter, als viele bemerken.
- Fahr nur noch mal mit dem Auto los, wenn du auch noch mal losgehen würdest, weil etwas wirklich nicht mehr bis morgen warten kann.
- Sammle Einkäufe für den Einkaufstag – anstatt täglich etwas zu besorgen.
- Du willst dich mehr bewegen, fährst aber mit dem Auto zum Sport? Versuch, das anders zu lösen. Beispielsweise zu gehen, mit dem Rad zu fahren, direkt vor der Haustür loszujoggen, dir einen näheren Kurs zu suchen oder dir selbst ein Laufband oder Gewichte zulegen.
Tipp 3 für Nachhaltigkeit im Alltag: Balkon richtig nutzen
Hast du einen Balkon, hast du gleich mehrere Möglichkeiten, nachhaltig zu handeln.
- Gestalte einen bienenfreundlichen Balkon und füttere Vögel.
- Bring ein Balkon-Kraftwerk an, um selbst Strom zu erzeugen.
- Bau selbst Obst, Gemüse, Kräuter und Salat an.
- Sammle Regenwasser zum Gießen der Zimmerpflanzen.
Nachhaltiger leben Tipp 4: Bessere Freizeitgestaltung
Eine Bekannte von mir fährt jeden Samstag mit Mann und Kindern „raus in die Natur“. Natürlich im Auto. Jeden Samstag regt sie sich darüber auf, dass sie mindestens zwei Stunden im Stau stehen. Jeden Samstag regt sie sich auch darüber auf, dass „die Natur“ vollkommen von anderen Menschen überlaufen ist, dass sich die Kinder langweilen und, dass der Erholungseffekt gleich null ist – während ihr Garten zu Hause brach liegt.
Auch ansonsten besteht viel der Familienfreizeit daraus, ihre Kinder überall mit dem Auto hinzufahren und dann verzweifelt zu versuchen, mehr Bewegung in den Alltag einzubauen. Sie kauft außerdem immer fertige Spielzeuge und Beschäftigungen, um dann verzweifelt den Kindern auch mal Basteln und eigenes Beschäftigen näher zu bringen.
Schau in deinem Leben und in deiner Freizeit genauer hin, was du optimieren kannst. Vielleicht entdeckst du ähnliche Widersprüche wie bei meiner Bekannten.
Zum Beispiel:
- Erkläre das Wochenende zur autofreien Zeit. Geh zu Fuß, fahr Fahrrad oder nutze öffentliche Verkehrsmittel.
- Du willst mehr Natur? Schaff sie um dich herum. Green Living in der Stadt kann dir dabei ebenso helfen wie bei der Parkpflege mitmachen, Balkon, Garten und Indoor-Garden hegen, Saatbomben ausbringen und das Grün in der Umgebung erkunden.
- Du baust und bastelst gern? Anstelle der Varianten mit teurem Zubehör, bau zur Abwechslung mal Insektenhotels, Bienentränken, Futtersilos und Igelhäuser oder versuch dich im Upcycling.
- Gestalte Treffen mit Freunden und Familie nachhaltiger, beispielsweise spazieren gehen, wandern, Radtouren, gemeinsames Kochen und Spieleabende – denn all das kommt ohne viel Konsum aus.
- Schau nach, wo und wie du etwas Neues erleben kannst, ohne dafür die Umwelt zu belasten.

Tipp 5 für Nachhaltigkeit im Alltag: Bibliotheken nutzen
Mit zunehmender Digitalisierung hat sich das Entertainment verändert. Streaming statt VHS und DVDs, eBooks und Hörbücher statt echten Büchern. Aber so ganz aus der Mode gekommen sind zumindest Letztere noch nicht.
Wenn du also nach wie vor liest: Besuch mal wieder eine Bibliothek, anstatt Bücher zu bestellen. Du sparst damit die Transportwege, die Verpackung und die Bücher selbst. Ganz zu schweigen von einer Menge Geld.
Eine weitere nachhaltige Alternative zum Neukauf: offene Bücherschränke. Falls es in deiner Umgebung noch keinen gibt, kannst du einen schaffen und damit auch andere zum nachhaltigeren Leben animieren.
Nachhaltigeres Leben Tipp 6: Fitter werden
Ein fittes, gesundes Leben und eine nachhaltige Einstellung gehen oft Hand in Hand. Und das in beide Richtungen.
- Wer nachhaltiger lebt, achtet auf nachhaltige und damit gesündere Lebensmittel – isst also besser. Er lässt das Auto häufiger stehen und nutzt häufiger Füße und Fahrrad, bewegt sich also mehr. Das Ergebnis ist ein gesünderes Leben. Und zwar als Nebeneffekt.
- Wer gesünder leben will, achtet auf mehr frische und pflanzliche Lebensmittel und nutzt häufiger die Treppe, das Rad oder schwingt sich zum Japanese Walking auf. Die Nachhaltigkeit im Alltag ist also ein Nebeneffekt.
Mach dir diese zusammenhängenden Effekte zunutze und halt dir vor Augen, wie gut dir nachhaltiges Leben tut. Deiner körperlichen und mentalen Gesundheit, deinem Budget und sogar deinen Beziehungen. Was die damit zu tun haben, erfährst du gleich noch.
Tipp 7 für mehr Nachhaltigkeit im Alltag: Foodsharing
Du hast zu wenig oder zu viel im Kühlschrank? In beiden Fällen ist Foodsharing eine nachhaltige Lösung. Es vermeidet Lebensmittelverschwendung, spart Geld und kann dir eine Menge neue Möglichkeiten aufzeigen, nachhaltiger zu leben.
Zwei sehr bekannte Foodsharing-Optionen sind die App „Too good to go“ und die „Fairteiler“.
In deiner Umgebung kann es aber deutlich mehr geben. Also wirf ab und an mal die Suchmaschine an und schau nach. Eine Suche nach „Foodsharing + deine Stadt“ reicht schon aus.
Nachhaltiger Leben Tipp 8: Gemeinsame Projekte und Rituale
Nachhaltigkeit im Alltag mit Freunden und Familie gemeinsam zu leben, bringt eine ganze Reihe von Vorteilen und Möglichkeiten mit sich. Nämlich:
- Teilen und tauschen statt kaufen: „Du hast doch eine Bohrmaschine, oder?“ „Wir planen ein Fondue. Kann ich mir dein Set dafür leihen?“ Ob ihr euch regelmäßig zum Kleiderkreisel trefft oder bei Geräten und anderem durch Teilen, Tauschen und Leihen aushelft, ihr könnt dadurch eine Menge sparen.
- Gegenseitige Hilfe: Du willst einen Garten, aber für einen allein ist die Arbeit zu viel? Wenn jeder in der Familie oder im Freundeskreis mal was macht, ist schon eine Menge getan. Ein gemeinsamer Einsatztag pro Woche lässt sich wunderbar mit einem Grillabend verbinden.
- Neue Rituale, die verbinden: Wie wäre es mit einem Reste- oder Potluck-Dienstag, für den nichts extra eingekauft wird, sondern bei dem ihr gemeinsam Reste aufbraucht? Sonntagsspaziergänge oder Wanderungen, Radtouren, Spieleabende oder zusammen Stromfasten und zelten? Selbst eine Fahrgemeinschaft zum Einkauf kann schon verbindend wirken, wenn ihr euch dabei auch gleich noch Zeit füreinander nehmt und den Einkauf zum Reden nutzt.
- Ehrgeiz und Tipps teilen: „Hey, ich hab da was Neues probiert…“, „Wusstest du schon…“ Tipps austauschen und einander immer wieder ein bisschen übertrumpfen macht Spaß und motiviert.
- Geselliger Urlaub – auch zu Hause: Kannst du dich noch an Klassenfahrten erinnern? Bis spät in die Nacht reden und rumblödeln, vielleicht Lagerfeuer und Knüppelbrot? Ihr seid gemeinsam im Bus angereist und habt einfache Gerichte gegessen, in einfachen Unterkünften geschlafen – und hattet den Spaß eures Lebens. Das lässt sich wiederbeleben und wieder erleben. Denn bei Urlaub und Spaß geht es gar nicht darum, möglichst weit wegzukommen. Es geht um das Erleben. Ob du mit Familie und Freunden zelten gehst, eine Busreise machst und schon auf der Sammelfahrt im Urlaubsfeeling bist oder nach einer Radtour im Nachbarort übernachtest – diese simplen Klassiker kosten weniger und sind nachhaltiger – für die Umwelt und für den Erhalt von Freunden und Familie.
Nachhaltigkeits-Tipp 9: Gesammelte Einkäufe
Am Montag der eine Supermarkt. Am Dienstag fällt dir ein, dass du Schrauben und Batterien brauchst – zwar erst am Wochenende, aber lieber besorgst du sie heute. Am Mittwoch reicht die Zeit zum Kochen nicht, also gibt es Fast Food aus dem Drive-Through, obwohl du da eine Stunde länger brauchst. Am Donnerstag musst du nochmal los, weil… was war es doch gleich, das so dringend war? Am Freitag der zweite Supermarkt. Am Samstag steht dann der „richtige Wocheneinkauf“ an. Und immer so weiter.
Viele Menschen kaufen jeden einzelnen Tag ein und setzen sonntags nur aus, weil das meiste da geschlossen hat. Das kostet reichlich Zeit, Geld, Sprit und sorgt oft für reichlich Reste.
Besser, einfacher, nachhaltiger und sparsamer in jeder Hinsicht: Kauf nur einmal die Woche ein. Du ziehst nur einmal los, planst den einen Einkauf richtig und vollständig und kümmerst dich den Rest der Woche nicht um Kleckerkram, der warten kann oder nicht wirklich gebraucht wird.
Es ist regelrecht schockierend, wie viel Zeit, Geld, Treibstoff und Kraft du damit sparst. Vom reduzierten Mental Load mal ganz zu schweigen.
Bonus-Tipp und Erleichterung: Bestell beim Supermarkt und lass zu „grünen Zeiten“ liefern. Hier werden Einkäufe gesammelt ausgeliefert. Also ist nur ein Auto unterwegs, anstelle von 5, 6 oder 10.
Und jaja, ich hör das schön: „Na aber, wenn das Schokoeis doch gerade soooo wichtig ist.“ Ist es wichtig genug, dafür jetzt loszulaufen? Dann lauf los. Anderenfalls: Setz es auf die Einkaufsliste und mach dir bewusst, dass du in zwei bis drei Wochen vermutlich vergessen hast, dass das Schokoeis an dem einen Abend ausfiel und erst wieder beim nächsten Wocheneinkauf auf dem Speiseplan stand.

Tipp 10 für mehr Nachhaltigkeit im Alltag: Homeoffice – wann immer möglich
Als der Corona-Lockdown viele Menschen ins Homeoffice zwang, waren Aufregung und Ärger groß. Aber auch die Angst ging um. Kurze Zeit später hatten sich alle daran gewöhnt und viele wollten gar nicht wieder zurück ins Büro, denn sie hatten die Vorteile des Homeoffice zu schätzen gelernt.
Ein Vorteil, der viel zu selten betont wird: die Nachhaltigkeit. Wer nicht täglich zur Arbeit fährt, produziert deutlich weniger Emissionen, verbraucht deutlich weniger Treibstoff und schont das Fahrzeug.
Wann immer du also kannst: Nutze das Homeoffice, um deinen Alltag nachhaltiger zu gestalten.
Nachhaltigerer Alltag Tipp 11: Indoor-Gardening
Regional oder besser noch lokal und saisonal zu kaufen, lässt die Transportwege für Obst und Gemüse schrumpfen und ist damit nachhaltiger. Es unterstützt außerdem den Anbau in deiner direkten Umgebung. Durch einen Indoor-Garden kannst du sogar noch viel näher anbauen und direkt in oder neben deiner Küche ernten. Möglich sind auch in kleinen Wohnungen:
- Microgreens ziehen
- Kräuter aus dem Supermarkt retten
- Mediterrane Kräuter wie Basilikum vermehren
- Salat und Spinat anpflanzen
- Snack-Gemüse anbauen
- Säulenobst und Zitrusbäumchen pflegen
Anstelle von oder zusätzlich zu Zimmerpflanzen begrünst du damit deine Wohnung verbesserst das Raumklima, sparst reichlich Geld und Verpackungsmüll, während du gleichzeitig mehr Grün und Frisches auf den Teller bringst.
Tipp 12 für die Nachhaltigkeit: Kleidung direkt spenden
Deine Kinder oder du sind mal wieder aus ihren Sachen gewachsen? Tauschen oder Verkaufen sind immer gute Optionen. Ebenso kannst du aber auch direkt an Einrichtungen spenden, wie Kinderheime, Frauenhäuser, Männerhäuser und Einrichtungen für Obdachlose.
Alternativ: Verschenke Kleiderpakete über die Kleinanzeigen, um damit einkommensschwachen Menschen direkt zu helfen.
Tipp 13 für nachhaltigeres Leben: Kompostieren auch in Küche und auf dem Balkon
Falls du dir gerade denkst: „Kompostieren in der Küche???? Wie ekelhaft ist das denn?!“ hast du die gleiche Reaktion wie alle, die zuerst davon hören. Aber:
- Richtig angelegter Kompost stinkt nicht. Im Gegenteil, er duftet nach frischer Walderde. Und der Duft frischer Walderde zieht Leute freiwillig in den Wald.
- Küchenkomposter und Balkonkomposter sind speziell darauf ausgelegt, schnell und geruchsfrei zu kompostieren.
- Du schaffst damit einige Gänge zum Biomüll ab und schaffst fortlaufend frische, nährstoffreiche Erde für Balkonpflanzen, Zimmerpflanzen und deinen Indoor-Garden – während du Geld sparst.
Und nein, weder Küchenkomposter noch Balkonkomposter ziehen im Gegensatz zu vergessenem Obst im Obstkorb Fruchtfliegen, Fliegen oder sonstiges Ungeziefer an.
Mehr Nachhaltigkeit in deinem Leben Tipp 14: Lebensmittel retten
Durch steigende Lebensmittelpreise wächst auch (wieder) das Bewusstsein, sparsamer und sorgsamer mit Nahrung umzugehen und Verschwendung zu vermeiden. In:
60 Tipps zum Lebensmittel sparen
&
Brot retten – Rezepte, Tipps und mehr
erfährst du, wie es dir einfach und mit viel Genuss gelingt. Und, wie es sogar deutlich mehr Abwechslung auf deinen Speiseplan bringt, der ganz nebenbei auch noch gesünder wird.
Tipp 15 für mehr Nachhaltigkeit im Leben: Leihen oder mieten statt kaufen
Denk bei Anschaffungen darüber nach, was du leihen statt kaufen kannst. Sinnvoll ist das beispielsweise bei Sachen wie einem Teppichreiniger, der Bohrmaschine, dem Häcksler für den Großeinsatz im Garten. Denn für gewöhnlich brauchst du diese nur einmal im Jahr.
Ähnlich verhält es sich im Hobbybereich, wenn du oder deine Kinder erst einmal testen wollen, ob es gefällt. Statt sofort eine komplette Ausstattung zu kaufen, miete oder leihe sie.
Kurz gesagt: Bei allem, was du nur selten oder einmalig brauchst – wie Verkleidungen zu Fasching oder Halloween und Elektrogeräten wie Stichsägen – und bei allem, bei dem du dir noch nicht sicher bist, sind Leihen oder Mieten besser als direkt zu kaufen.
Mehr Nachhaltigkeit Tipp 16: Kauf lieber gebraucht
Secondhand, gebraucht, pre-loved – das ist schon längst nicht mehr verpönt. Zum Glück, denn es ist zum einen nachhaltiger und kann dir zum anderen eine Menge Geld sparen. Schau vor Anschaffungen also erst einmal nach, ob es nicht auch gute Alternativen gibt, die nicht mehr ganz nigelnagel neu sind.
Tipp 17 für nachhaltigeren Alltag: Meal Prep
Einmal einkaufen, einmal kochen, einmal abwaschen – mehrere Tage leckeres Essen. Meal Prep – also durchdachtes Vorkochen für die Woche – ist nicht nur nachhaltiger. Es ist auch in vielerlei Hinsicht bequemer.
Eine typische Reaktion darauf: „Wer stellt sich denn freiwillig stundenlang in die Küche?“
Meine Antwort darauf: „DU! Nur eben über die Woche verteilt. Ich spare hingegen Zeit, weil ich nicht jeden Tag von vorne anfange.“
Eine weitere typische Reaktion: „Aber ich will doch nicht jeden Tag das Gleiche essen.“
Meine Antwort darauf: „Ich auch nicht, deswegen bereite ich auch nicht nur ein Gericht für mehrere Tage zu.“
Reaktion #3: „Aber du weißt doch am Sonntag noch gar nicht, was du am Mittwoch essen willst?!“
Meine Antwort darauf: „Du weißt nicht einmal am Mittwoch, was du am Mittwoch essen willst – deswegen stellst du dir immer wieder die Frage „Was esse ich denn heute?“. Ich bin auch am Mittwoch froh darüber, dass mein Sonntags-Ich mir eine Auswahl an Gerichten gemacht hat, die ich mag und die ich aus dem Kühlschrank nehmen kann, wann ich will.“
Meal Prep – angepasst an deine Vorlieben und deinen Alltag – kann ganz unterschiedlich aussehen. Im Sommer kann sie zum Beispiel aus erfrischenden Sommersuppen und Salaten bestehen. Im Herbst und Winter aus wärmenden Eintöpfen und der „7 Tage Kartoffeln – Sparchallenge ohne Langeweile“ oder aus asiatischem Kohltopf und Wirsing Wedges.
Auch Lego Lunches und Duplo Dinners bieten sich zum Vorkochen an und die Vorbereitung des Essens für die Woche hat immer einen nachhaltigen Vorteil: Dein Herd und dein Ofen werden deutlich seltener angeworfen.
Nachhaltigkeits-Tipp 18: Mehrweg mit Mehrwert
Beim Einkauf, beim Coffee to go, beim Essen gehen, bei Take-out: Greif zum Mehrweg mit Mehrwert.
Zum Beispiel:
- Glas- und Pfandflaschen
- Milchflaschen zum Selbstbefüllen
- Joghurtgläser statt Becher
- Mehrwegbechern beim Kaffee
- Mehrwegverpackungen bei Gerichten
Außerdem kannst du selbst Mehrweg mit Mehrwert zu Hause nutzen und an andere verschenken.
Zum Beispiel:
- hochwertige Einkaufsbeutel, die beim Waschen nicht einlaufen
- Mehrwegbecher, die sich für die Spülmaschine eignen, nicht auslaufen und lange halten
- dekorative Vorratsbehälter aus Glas, die luftdicht schließen
Tipp 19 für Alltagsnachhaltigkeit: Minimalismus angehen
Wann immer ich die Tipps von Marie Condo und Co. samt Nachher-Bildern sehe, wirkt das für mich wie eine Szene aus dem unpersönlichsten Möbelgeschäft der Welt und die Wohnungen sind im Anschluss an das „Ausrichten auf Minimalismus“ etwa so individuell wie ein Ei unter Millionen anderen auf dem Laufband einer Legebatterie.
Von der fehlenden Gemütlichkeit mal ganz zu schweigen.
Obwohl ich also absolut kein Fan von Minimalismus bin und es selbst eher üppig und hyggelig mag, mich mit Büchern, Pflanzen und Kuscheldecken (ja, Mehrzahl) umgebe, und ich definitiv nicht die Anzahl meiner Erinnerungsstücke oder Wuschelsocken reduzieren werde: Minimalismus hält hier und da ein paar gute, nachhaltige Ideen parat.
Zum Beispiel:
- Brauchst du wirklich neue Kleidung, wenn du ohnehin nur 10 Prozent deines Kleiderschrank-Inhaltes trägst? Miste erst aus, dann kauf gezielt nach.
- In deinem Lebensmittelvorrat stehen Sachen, die dir erstens nicht schmecken und zweitens vor 10 Jahren abgelaufen sind? Sortier nicht nur aus, sondern kauf auch sinnvoller nach. Oder kauf erst nach, wenn der Rest aufgebracht ist.
- Kein Stauraum mehr? Bevor du neue Regale und Schränke kaufst, teste erst andere Möglichkeiten. Aussortieren, Verschenken, Spenden, Verkaufen und Ordnungssysteme integrieren wirken oft Wunder.
Tipp 20: Nachhaltiger und weniger kaufen
Wer billig kauft, kauft doppelt. Oder dreifach oder vierfach oder immer wieder neu. Diese alte Weisheit bewahrheitet sich bis heute. Zwischen Fast Fashion, Fast Food und Fast Furniture gibt es so manche scheinbare Schnäppchen, die nach dreimaligem Tragen das erste Loch haben, zwar nicht deinen Magen, aber die Bankkonten der Aktionäre füllen oder das Zeitliche segnen, wenn du sie einmal schief anschaust.
Heißt das jetzt, dass du nur noch teuer kaufen sollst? Nein. Denn auch teuer ist nicht gleich gut.
Du kannst und solltest beim Kauf aber genauer hinschauen. Gerade bei Dingen, die länger als eine Mahlzeit halten sollen. „Aber ich kann doch nicht bei jeder Jeans nachschauen!“ Warum eigentlich nicht? Jeans begleiten dich in der Regel mehrere Jahre, wenn sie nicht nach der zweiten Wäsche schon fadenscheinig werden…
Kaufst du hochwertiger und damit langlebiger, kaufst du seltener und das ist mittel- und langfristig bedeutend günstiger und nachhaltiger als ständiges Nachkaufen.
Tipp 21: Nachhaltig schenken
- Nachhaltigeres Schenken fängt schon bei der Verpackung an: Verwende anstelle von Folien, Kunststofffschleifen und Geschenkpapier lieber weiterverwendbare Stoffe, Bänder, Holzboxen und Jutebeutel.
- Verzichte auf Schnittblumen und verschenke stattdessen Pflanzen, die deutlich länger Freude bereiten: Das können Blühpflanzen im Topf, Zimmerpflanzen, Kräuter, (Snack-)Gemüse, kleine Gärten für die Fensterbank oder ein Zitronenbaum fürs Wohnzimmer sein.
- Schokolade, Süßigkeiten und Pralinen gehören bei vielen Anlässen als Geschenke dazu: Statt aber der Varianten mit ganz besonders viel Plastikverpackung, kannst du vieles selbst herstellen oder von Manufakturen kaufen, die nachhaltig agieren und verpacken.
- Lieber zusammenlegen als günstiger Kleinkram: Du hast ja eine großartige Idee, aber nicht das großartige Kleingeld für ein Geschenk? Hör dich bei Verwandten und Freunden um, wer mit dir zusammenlegen will. Oft ist so mancher erleichtert, dass er nicht selbst ein Geschenk finden muss, und auf diese Weise sind hochwertigere Geschenke im Budget.
- Es muss nicht immer materiell sein: Ereignisse, Erlebnisse, Erinnerungen halten oft eine ganze Ecke länger als das aus Panik besorgte Geschenk-Set.

Tipp 22: Nachhaltiger gärtnern
Hast du einen Garten, kannst du eine Menge unternehmen, um in deinem eigenen Grün nachhaltiger zu handeln. Dazu gehören:
- Wiese statt Rasen: Rasen benötigt viel Wasser, ist aufgrund der Monokultur anfällig für eine Reihe von Problemen, bietet Tieren wenig und muss regelmäßig gemäht werden. Eine Mischwiese ist deutlich resistenter und pflegeleichter, bietet Tieren mehr und kommt mit weniger aus.
- naturnahe Ecken: Totholzhaufen, Laubhaufen, Komposthaufen, Steinhaufen – du kannst wortwörtlich haufenweise Biotope und mehr Lebensraum für Tiere schaffen, indem du in deinem Garten naturnahe Ecken belässt oder schaffst. Dichte Hecken und hohe Wiesen gehören ebenso dazu.
- Rindenmulch und Steine: Rindenmulch, Kies und Steine reduzieren die Verdunstung auf der Erdoberfläche und sparen damit Wasser.
- Pflanzenauswahl: In durchdachten und pflegeleichten Gärten gibt es eine bunte und große Vielfalt an Pflanzen und Gewächse stehen neben guten Pflanzpartnern, die einen natürlichen Schutz vor Schädlingen und Krankheiten bieten. Dazu kommt noch, dass der Großteil der Pflanzen nicht einfach dekorativ ist, sondern einen Nutzen für Menschen und/oder Tiere bietet.
- Nützlinge statt Insektizide: Das Anziehen von Nützlingen und das Erhalten einer natürlichen Balance durch Vögel, Marienkäfer, Bienen, Hummeln, Schmetterlinge, Nematoden und Würmer sowie Igel und Spitzmäuse ist nachhaltig. Mal eben mit Unkraut-Ex durchzugehen und Fallen aufzustellen hingegen nicht.
- Wasser sammeln und sparen: Wasser ist ein kostbares und begrenztes Gut. Also geh sparsam damit um und nimm es mit, wenn es vom Himmel fällt. Du kannst es in Regentonnen und Zisternen sammeln und es sparen, indem du nur frühmorgens und spätabends gießt.
- Tierschutz: Futtersilos, Vogel- und Bienentränken, Igelhäuser, Nistkästen und Katzenschutz an Bäumen sind mit kleinem Aufwand bereitgestellt, haben aber eine große Wirkung.
- Kompostieren: Jedes Jahr wieder beobachte ich, wie Gartennachbarn Grünschnitt und Co. zum Wertstoffhof fahren. Und dann fahren sie zum Baumarkt oder Gartencenter, um Dünger und frische Erde zu kaufen. Ihr „Abfall“ verpackt in Plastik und ihre neuen Materialien verpackt in Plastik. Schildbürgertum in Reinkultur, ließe sich aus den Gartenabfällen doch ohne jedweden Aufwand, ohne Geld und ohne Plastik neuer Dünger und neue Erde machen und zwar dadurch, sie eine Weile zu ignorieren, während sie kompostieren.
Nachhaltiger zu Gärtnern, ist eine ganze Ecke einfacher, schöner und ergiebiger als manikürter Rasen und asketische Blumenbeete. Eine gute Orientierung sind übrigens romantisch-üppige und bunte Bauerngärten.

Tipp 23: Nachhaltigere Tierhaltung
Keine Sorge, du musst dir jetzt keine Lamas anschaffen – die durchaus zu den „grünsten“ Tieren gehören. Solltest du aber Haustiere halten, kannst du auch hier genauer hinschauen und auf Nachhaltigkeit achten. Zum Beispiel:
- Großpackungen kaufen statt portioniertem Futter: Großpackungen bieten oftmals einen deutlich geringeren Grundpreis als kleine Portionen und sind prozentual betrachtet mit weniger Verpackung versehen. Kauf also groß und frier kleine Bedarfs-Portionen in wiederverwendbaren Behältern ein.
- Kot kompostieren: Bei Hundekot, Katzenkot, Kaninchen und Meerschweinchen schreien merkwürdigerweise viele Menschen „Iiiiieh, sowas will ich nicht an meinem Obst und Gemüse.“ Die gleichen Menschen haben aber kein Problem damit, dass Getreide, Obst, Gemüse traditionell mit Schweinegülle, Kuhfladen und Pferdeäpfeln gedüngt wird. Auch „Guano“ klingt nett und so hübsch biologisch und organisch – ist aber einfach nur Kot. Bei Haustieren ist es aber plötzlich eklig und angeblich potenziell gefährlich, weil… ähm. [Unsinnige Ausrede hier einfügen.] In Wirklichkeit ist das richtige Kompostieren von Tierkot sehr einfach, ergiebig und sogar eine ganze Ecke sauberer und sicherer als Tierkot-Dünger aus der Landwirtschaft.
- nachhaltige Streu wählen: Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster, Mäuse, Ratten und andere Haustiere benötigen Streu. Wechselst du diese regelmäßig und verwendest eine nachhaltige Variante, ist sie eine exzellente Bereicherung für den Kompost und nachhaltig vom Kauf bis zum Entsorgen.
- selbst anbauen: Vogelmiere, Löwenzahn, Spinat, Salat, Karotten – alle Haustiere, die sich vollständig oder teilweise pflanzlich ernähren, profitieren aus dem eigenen Anbau.
- selbst kochen: Hunde und Katzen wurden lange Zeit bekocht. Nein, nicht weil die Halter etepetete waren und dem neuesten Trend folgten. Tierfutter kochen und/oder roh zubereiten war stattdessen der Status Quo. Leber, Nieren, Lunge, Pansen, Herzen, Muskelfleisch, Fisch, Gemüse, Obst, Kräuter, Reis, Kartoffeln, Nudeln und sogar Quinoa, Ei, Joghurt, ein Klacks Quark – was heute als teures superduper Luxusfutter im Napf landet, war einst ein Dienstag auf dem Land. Bis heute ist für die Haustiere durchdacht zu kochen, oftmals die bessere Variante, als Fertigfutter zu kaufen.
- hochwertiges Zubehör wählen: Ein Kratzbaum, der nach ein paar Monaten wackelt oder nach einem Jahr auseinanderfällt? Das Hundekörbchen, das sich in Wohlgefallen auflöst, während der Hund noch wächst? Hochwertige Tiermöbel halten deutlich länger stand, müssen also seltener ersetzt werden und sind dadurch nachhaltiger.
- Upcycling für Spielzeug: Zusammengeknotete T-Shirts, Handtücher oder Socken als Zergel für Hunde, Pappkartons für Katzen, Papprollen für Mäuse und Hamster – wenn du etwas sowieso wegwerfen oder ins Recycling geben willst, überprüfe es auf seine Eignung als Spielzeug für deine Haustiere. Achte dabei aber auf die Sicherheit.
Nachhaltigkeits-Tipp 24: Offene Bücherschränke nutzen und bieten
Was die Fairteiler für Lebensmittel sind, sind Tauschschränke und offene Bücherschränke für Bücher, andere Unterhaltung und vieles mehr. Spiele, DVDs, Küchengeräte, die du doch nie verwendest und sogar Kleidung und Gläser erhalten hier sehr einfach neue Besitzer.
Nachhaltiger Leben Tipp 25: Öfter fleischlos glücklich
Fleisch zu produzieren, verbraucht Ressourcen in großen Mengen und erzeugt Unmengen Emissionen. Mal ganz zu schweigen davon, dass es nachweislich ungesund ist.
Ernährung mit höherem Pflanzenanteil ist also nachhaltiger und gesünder. Abgesehen davon aber auch kostengünstiger. Musst du deswegen direkt zum Veganer werden? Nein.
Ein paar fleischlose Tage pro Woche kannst du aber einlegen oder sogar unter der Woche (weitestgehend) fleischlos oder fleischärmer essen, dir Steak und Braten also für das Wochenende aufheben und des damit wieder zu einem bewussten Genuss erheben.
Tipp 26 für nachhaltigeren Alltag: Ökostrom
Mehr Ökostrom zu verwenden, ist auf zwei Wegen möglich:
- Achte bei der Wahl deines Stromanbieters auf ein anerkanntes Gütesiegel, wie das Grüner Strom-Label oder das ok-power-Label.
- Erzeuge und nutze Ökostrom wo und wann immer möglich, beispielsweise durch ein Balkonkraftwerk, Photovoltaik, Brennstoffzellen, kleine Windkraftwerke und Wärmepumpen.
Nachhaltigkeit im Alltag Tipp 27: Regional und saisonal
Regional und saisonal zu kaufen, kennt jeder – zumindest, wenn es um Obst und Gemüse geht. Was dabei aber oft vergessen wird: Die eigene Umgebung hat eine ganze Menge mehr zu bieten. Je vertrauter du mit den Angeboten und Möglichkeiten wirst, desto nachhaltiger kannst du deinen Alltag gestalten – direkt vor deiner Haustür.
- Ausflüge und Urlaub: Viele Menschen fahren häufig und weit, um Sehenswürdigkeiten zu sehen und Landschaften zu genießen. Kennst du aber auch alle Sehenswürdigkeiten und schönen Orte in deiner eigenen Umgebung?
- Unterhaltung: Kostenlose Open-Air-Konzerte, Tage der offenen Tür, Lesungen, Ausstellungen, Birdwatching – es gibt oft überraschend viele (kostenlose) Möglichkeiten der Freizeitgestaltung.
- Versorgung: Märkte, Hofläden, kleine Verkäufe, Selbstpflücker-Bäume, Hobby-Schneiderin – schau dich um, wer was anbietet, herstellt oder reparieren kann. Das ist deutlich nachhaltiger und sozialer als Supermarktkauf und Bestellungen.
- Hilfsangebote und nötige Hilfe in der Nachbarschaft: Bei kleinen und großen Problemen und für den nachhaltigeren Alltag macht Hilfe vor Ort vieles einfacher. Bringst du deiner Nachbarin immer mal was vom Einkauf mit, revanchiert sie sich dafür und ihr spart beide die eine oder andere Fahrt. Auch Potlucks, Essen tauschen oder verschenken und damit Verschwendung vermeiden, Hilfe beim Reparieren und vieles mehr sind in der Nachbarschaft möglich. Kleinanzeigen, nebenan.de und Aushänge, aber auch einfaches Nachfragen erleichtern es dir.
- Gärtner und Tierhalter: Dein Nachbar hält Hühner? Eventuell lässt er sich auf einen Tauschhandel ein – Hühnerfutter gegen legefrische Eier und gelegentlich eine Portion Hühnermist als Dünger. Ein anderer Nachbar hat viel mehr Äpfel und Kirschen, als er essen kann? Im Tausch für das Obst kannst du ihm im Anschluss Saft, Kuchen und Marmelade anbieten. Solche kleinen Tauschhandel sind nicht nur nachhaltig, sie stärken auch dein soziales Netzwerk und lassen es wachsen.
Tipp 28 Reparieren statt neukaufen
Eines schönen Tages lud ich Wäsche in die Waschmaschine, füllte Waschmittel ein und drückte auf den Ein-Schalter als es gut hörbar KNACK machte. Waschmaschine kaputt. Eine Einschätzung vom Profi später stand laut ihm eine neue Waschmaschine auf der Einkaufsliste – obwohl die gar nicht kaputt war, nur der Ein-Schalter hatte das Zeitliche gesegnet.
Aber ein Ersatzteil dafür wäre so schwierig zu bekommen, das Einsetzen sei umständlich und das lohnt ja auch gar nicht mehr bei einer Waschmaschine, die schon 5 Jahre alt ist. Wurde zumindest behauptet.
Da ich gerade nicht das nötige Kleingeld für eine komplette Maschine hatte, begab ich mich auf Ersatzteilsuche, fand das auch Internet sei Dank – für stolze 4,95 Euro. Das nötige Spezialwerkzeug war da schon heftiger und kostete 17,90 Euro.
Die Anleitung zur Reparatur fand ich kostenlos als PDF und als Video auf YouTube.
Ausgaben: 22,85 Euro
Reparaturdauer: 20 Minuten
Meine treue Waschmaschine wusch weitere 7 Jahre ohne ein weiteres Problem.
Nicht nur, dass ich bis heute damit angeben kann, dass ich Waschmaschinen reparieren kann (ja, okay, ich kann das eine Problem beheben) – ich habe auch reichlich Geld gespart und als Nebeneffekt nachhaltig gehandelt.
Bevor du etwas wegwirfst: Stell dir die Frage, ob du oder jemand anderes es reparieren kann. Vielleicht lernst du dabei noch was – sei es Socken stopfen oder Wecker reparieren. Vielleicht kannst du auch jemandem eine Freude damit machen, dass er etwas als Ersatzteilspender bekommt, wenn du Kaputtes verschenkst.
Nachhaltiger Leben Tipp 29: Slow Living
Weniger Stress, bewusster genießen, dankbarer werden, achtsam im Alltag sein, bewusster einkaufen, nicht jeden Trend mitmachen – Slow Living ist die Entscheidung für mehr Gesundheit, mehr Wohlbefinden und weniger Druck gewinnt an Beliebtheit. Als Nebeneffekt ist es auch nachhaltiger.
Tipp 30 für mehr Nachhaltigkeit im Alltag: Stromfasten und Stromsparen
Wer dankbarer für alltägliche Dinge werden will, sollte eine Weile auf sie verzichten. Dazu gehört auch Strom. Beim Stromfasten legst du bewusst stromfreie Zeiten ein. Und natürlich dürfen Kühlschrank und Tiefkühltruhe dabei laufen – mehr aber möglichst nicht.
Mal ganz abgesehen davon, dass es deiner Stromrechnung guttut, lässt sich das Stromfasten auch wunderbar mit Digital Detox verbinden. Wie wäre es mit einem stromfreien Sonntag, an dem Lesen, Spaziergänge oder Sport, Brettspiele, Treffen mit Freunden, entspannende Pflanzenpflege oder Wellness im Vordergrund stehen?
Dazu solltest du auch deinen Stromverbrauch unter die Lupe nehmen.
- Smarthomes sind gar nicht mal so smart. Klar, sie können durchaus schick und bequem wirken, verbrauchen aber immer mehr Strom als nötig.
- Mähroboter und Saugroboter laufen ohne Unterlass? Sie brauchen nach wie vor bedeutend länger und damit auch mehr Strom als die Aufgaben selbst zu übernehmen oder eine Haushaltshilfe.
- Zieh den Stecker. Brauchst du etwas gerade nicht? Dann zieh den Stecker richtig, anstatt auf Standby oder AUS zu schalten. Der heimliche Verbrauch summiert sich schnell zu ungeahnten Höhen.
- Verwende Stromspar-Leuchtmittel, helle Farben, Tageslicht und Spiegel, um mit weniger Strom mehr Licht zu erzeugen.
- Wasch von Hand ab, denn das ist deutlich sparsamer als der Geschirrspüler.
- Wähle Öko-Programme und lange Waschprogramme, denn sie verbrauchen weniger Strom, weniger Wasser und weniger Waschmittel.
- Verkürze und vereinfache das Kochen – beispielsweise durch Wasserkocher und Mikrowelle anstatt des Herds.
- Räum den Kühlschrank richtig ein und voll, dadurch muss er weniger Energie zum Kühlen aufwenden.
- Verwende kaltes anstatt warmes Wasser, wann immer möglich.
Nachhaltigeres Leben Tipp 31: Umweltschutz und Tierschutz betreiben
Umweltschutz und Tierschutz sind für manche Menschen längst Leidenschaft und selbstverständlich, für andere aber immer noch ein Buch mit 7 Siegeln. Dazu gehören zum Beispiel:
- Clean-Up-Days
- Vögel ganzjährig füttern
- Lichter im Freien auf ein Minimum reduzieren
- Wasser sparen
- Bienentränken ausbringen
- keine Blumen mit gefüllten Blüten pflanzen
- auf Insektizide und Pestizide verzichten
- Wälder, Felder und Wiesen schonen
- auf die Brut- und Setzzeit achten
Für weitere Tipps und einfach umzusetzende Möglichkeiten, lohnt sich ein Blick auf die NABU-Seite.
Nachhaltigkeits-Tipp 32: Upcycling
Upcycling ist mit Kleidung ebenso möglich wie mit Möbeln, Plastikbechern und vielem mehr. Bevor du also etwas wegwirfst und dafür das Nächste nachkaufst, frag dich, wie du Altem ein neues Leben verleihen kannst.
Zum Beispiel:
- Anstelle von neuen Möbeln: Saniere alte Schränke und Tische mit Lack, Farbe, Folie oder neuen Griffen.
- Polstere alte Polstermöbel neu auf und beziehe sie mit frischem Stoff.
- Färbe ausgeblichene Stoffe.
- Verwende Umverpackungen als Pflanzgefäße.
- Verwandle Schraubgläser in Stiftehalter, Vasen oder Windlichter oder verwende sie für Vorräte.
- Setze alte Europaletten als Rankgitter, Pflanzregale oder umgebaut als Möbel ein.
- Verwende alte, kaputte Leitern als Kletterhilfe für Rankpflanzen.
Weil du beim Upcycling immer wieder kreativ sein kannst, eignet es sich übrigens auch wunderbar als Hobby, das (fast) nichts kostet.
Tipp 33 für Nachhaltigkeit im Alltag: Urlaub auf Balkonien
Urlaub auf Balkonien musst du nicht allzu wörtlich nehmen. Aber natürlich kannst du ihn auf dem Balkon verbringen, mit einem guten Buch oder auch mehreren, den Balkon in deine grüne Oase verwandeln und einfach mal die Füße hochlegen.
Urlaub zu Hause bringt aber noch eine ganze Menge mehr Möglichkeiten mit sich, die gleichzeitig nachhaltig sind. Zum Beispiel:
- Wellness statt Reisestress: In den Urlaub zu fahren oder zu fliegen bedeutet auch immer, zu planen, zu organisieren, zu packen, hier noch eine Impfung, da noch mal checken. So mancher macht sich erst dann so richtig urlaubsreif, wenn er in den Urlaub starten will und sich dabei stressen muss. Vermeide diesen Stress und gönn dir lieber Massagen und Masken vor Ort.
- Zeit für Freunde und Familie: Fernfreunde und entfernt wohnende Verwandte sehen wir alle viel zu selten. Nutze deinen Urlaub für Treffen und Besuche, die nicht zwischen Tür und Angel stattfinden oder in ein Wochenende gequetscht werden.
- Raum für mehr Raum: Was kannst du in deinen vier Wänden verändern und verbessern? Mach es zur Wohlfühl-Oase, hyggeliger, sparsamer und schöner zugleich. Und genieße es danach jeden einzelnen Tag, statt nur im Urlaub.
- Entspannungstechniken lernen: Zwei Hauptgründe für Urlaub sind Entspannung und Erholung. Wäre es aber nicht viel schöner, wenn du selbst an Arbeitstagen entspannter wärst? Also lern die Techniken, die das ermöglichen. Atemmeditation, Yoga und Zen-Garten sind effektiv, aber erfordern auch Übung.
Nachhaltig im Alltag Tipp 34: Verschenken
Es gibt das Idiom: „One man’s trash is another man’s treasure.” Der Müll des einen ist der Schatz des anderen.
Die Gläser mit gut schließenden Deckeln, die du schon längst zum Altglas bringen wolltest? Jemand der einmacht und einkocht, kann damit seinen Vorrat an Behältern aufstocken.
Küchengeräte, die du eh nicht nutzt? Für andere sind sie nützliche Geschenke.
Kleidung passt nicht mehr oder du brauchst echt mal neue Bettwäsche, weil du die alte nicht mehr sehen kannst – anderen passt die Kleidung und Näher sehen in Stoffen viele neue Möglichkeiten.
Möchtest du dich nicht mit gezieltem Spenden, Verschenken oder Recyclen beschäftigt? Stell die Dinge an eine gut frequentierte Ecke mit einem „Zu verschenken“-Schild. Das gilt übrigens auch für nachhaltige Geschenke, wie Insektenhotels und andere selbstgebaute oder selbstgebastelte Werke.

Tipp 35 für mehr Nachhaltigkeit im Alltag: Wasser sparen
Es gibt zahlreiche Möglichkeiten zum Wassersparen und sorgsamerem Verbrauch, als viele glauben. Darunter:
- Regenwasser sammeln: Regentonnen und Zisternen geben dir die Möglichkeit, Regenwasser sinnvoll zu sammeln und damit Pflanzen zu gießen.
- Wassersparhähne und Duschköpfe: Weniger Wasser, aber mehr Druck – Duschköpfe und Wasserhähne mit Sparfunktion reduzieren den Verbrauch.
- Grauwasser weiterverwenden: Du hast dir nur schnell die Hände ohne Seife abgespült, Obst oder Gemüse abgewaschen? Dabei entsteht Grauwasser – nicht mehr gut genug als Trinkwasser, aber (aufbereitet) vollkommen geeignet zum Gießen, Wischen oder Waschen und für die Toilettenspülung. Sammelsysteme und Filter beziehungsweise Aufbereitungsstationen und Tanks für das Grauwasser oder Betriebswasser sind daher sinnvolle Investitionen.
- Kochwasser nutzen: Du hast Eier, Reis, Kartoffeln, Nudeln oder Gemüse gekocht? Anstatt das Kochwasser wegzuschütten, kannst du damit Unkraut vernichten (kochend heiß) oder es abgekühlt zum Gießen und leichten Düngen verwenden.
- Richtig duschen: Wasser aus beim Shampoonieren, Einseifen und Rasieren – das ist bereits eine Möglichkeit, Wasser zu sparen. Eine weitere ist der Wasserspar-Duschkopf und häufigere, dafür aber kürzere Duschen gegen Schweißgeruch.
- von Hand abwaschen: Lange Zeit wurde verbreitet, dass Geschirrspüler sparsamer sind. Wer genau hinschaut stellt fest, dass sie weit mehr als Wasser verschwenden.
- besser waschen: Kurze Waschgänge verbrauchen mehr Strom, Wasser und Waschmittel als lange Waschgänge.
- Wiese statt Rasen: Denn Wiese braucht weniger Wasser.
- Nutzpflanzen statt Zierpflanzen: Ob Garten, Balkon oder Indoor-Gardening – setz lieber auf Nutzpflanzen als auf reine Zierpflanzen.
Tipp 36 für mehr Nachhaltigkeit: Weniger Fernreisen
Urlaub auf Balkonien hatten wir schon, doch weniger Fernreisen ist anders gemeint. Anstatt dreimal im Jahr für eine Woche in den Urlaub zu fliegen, flieg lieber einmal für 3 Wochen. Der Erholungseffekt ist größer, du lernst das Land deutlich besser kennen, sparst Geld, bist nachhaltiger und hast weniger Urlaubsstress.
Nachhaltigkeits-Tipp 37: Wohnung auf Sommer und Winter vorbereiten
Kuschlig-warm oder erfrischend kühl? Darüber entscheidet auch deine Einrichtung. Und das wirkt sich wiederum darauf aus, wie oft du Ventilator, Klimaanlage oder Heizung einschalten musst.
Bereite deine Wohnung also im Sommer auf die Hitze vor und lern, wie man ohne Klimaanlage kühlt. Schalte schon im Herbst in den Wintermodus um und halte dich zu Hause besser warm, ohne deine Heizkosten zu erhöhen.
Finde dein Potenzial, um nachhaltiger zu leben
37 Tipps für mehr Nachhaltigkeit im Alltag – den einen oder anderen befolgst du vielleicht schon längst, während du durch andere noch ein klein wenig nachhaltiger werden kannst. Also schau in deinem Leben genauer hin und probier Tipps aus, die du noch nicht getestet hast.
Vielleicht findest du es überraschend entspannend, ab sofort nur noch einmal pro Woche einkaufen zu gehen und das Auto sonntags oder auch öfter stehen zu lassen. Vielleicht findest du Gefallen am eigenen Indoor-Garten und ein bereicherndes Hobby im Upcycling. Vielleicht stellst du auch mit Staunen fest, wie viel Geld du, durch Nachhaltigkeit sparen kannst.
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