Steffen ist einsam und schuld sind die Frauen. Denn er ist ein Good Guy und ein richtig guter Fang, davon sind seine Eltern und er selbst fest überzeugt. Die Frauen von heute haben einfach viel zu hohe Ansprüche und sind viel zu oberflächlich. Heißt es. Doch der Grund für die Einsamkeit der Männer ist ein ganz anderer. Die guten Nachrichten: Du kannst es ändern und deiner Einsamkeit den Kampf ansagen, ein stärkeres soziales Netzwerk aufbauen und auch ohne Partnerschaft glücklich werden.
Die Einsamkeit der Männer liegt nicht an den Frauen
Ein großer Teil der Welt redet über die Male Loneliness Epidemic – die Einsamkeit der Männer. Und viele schieben dafür Frauen und Feminismus die Schuld zu. Denn seit sich Frauen bewusst gegen Beziehungen mit Männern entscheiden (können), nehmen die Probleme des angeblich starken Geschlechts zu. Nicht zuletzt, weil sich die Herren der Schöpfung lange Zeit auf das Mankeeping verlassen haben und darauf, dass Frauen den Löwenanteil des Mental Loads tragen.
Das Problem dabei? Es ist nicht nur ein Problem. Sondern gleich ein ganzes Füllhorn an Problemen:
- Frauen werden dabei ausgebeutet. Care Arbeit, Mankeeping, Mental Load, emotional, sozial, psychisch und alles in Bezug auf die Gesundheit fiel in ihren Bereich.
- Jungs und Männer übernehmen nicht die Verantwortung für alle Aspekte eines zufriedenen Lebens.
- Männer sind „hilflos“ oder offen gesprochen unwillens, ihre Situation selbst zu ändern.
- Es entsteht eine ungesunde Abhängigkeit der Männer von Frauen, die Single-Männer vereinsamt und oftmals aggressiv und gewalttätig werden lässt.
- Es hinterlässt Frauen so ausgebrannt und sich der „Gefahr Mann“ bewusst, dass sie lieber Single und kinderlos bleiben oder gar keinen Mann mehr in ihr Leben lassen, als zum wiederholten Male zum Opfer eines Mannes zu werden.
Die Lösung dafür ist nicht, Frauen wieder und noch mehr in die Rolle zu zwingen, in der sie Männer auf der ganzen Linie versorgen müssen. Die Lösung ist, als Mann endlich mal Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen und dazu gehört es auch, sinnvolle Wege aus der Einsamkeit zu finden.
Frauen als Frauen statt als Feindbild sehen
In unserer Gesellschaft ist ein paradoxer Glauben weit verbreitet und nur wenigen bewusst: Frauen sind zugleich Feindbild und Retterinnen.
„Alles Schlampen, außer Mutti“
„Das musst du nicht können, such dir dafür eine ordentliche Frau“
„Sei nicht so ein Mädchen“
„Das ist Frauenarbeit“
„Der braucht endlich mal eine Frau, der wird immer merkwürdiger“
Von Frauen wird eine Menge erwartet und gleichzeitig wird auf sie herabgeschaut. Sie sollen Nympho und Nonne sein. Männer sollen sich vor ihnen in Acht nehmen, weil Frauen Männer nur ausnehmen wollen. Sie sollten sich aber auf jeden Fall eine Frau anschaffen und definitiv nicht in der Friendzone landen, damit sie eine Versorgerin haben und jemanden, der Mankeeping betreibt.
Dein erster Schritt aus der Einsamkeit: Hör auf damit. Mach dir bewusst, wie widersinnig es ist, Frauen als Feinde oder minderwertig zu betrachten – aber ganz unbedingt eine haben zu wollen. Fang damit an, jede Frau als ganzen Menschen, als Individuum zu betrachten und auch ganz genauso respektvoll zu behandeln.
Pflege deine Beziehungen
Du hattest diesen supertollen Mitbewohner, mit dem du Nächte durchgezockt hast. Der mit dir feiern ging. Der deinen Einkauf gleich mit erledigt hat. Mit dem du abends auf dem Balkon Bier getrunken und morgens Kaffeetreffen in der Küche hattest. Aber seit deinem Umzug siehst du ihn nicht mehr. Und ihr redet auch nicht mehr.
Warum eigentlich? Nur, weil ihr nicht mehr in benachbarten Zimmern wohnt? Auch Fernfreundschaften zu pflegen ist wichtig. Und sie bringen dir was. Telefonate, Besuche, gemeinsame Reisen – ladet euch gegenseitig ein, bleibt in Kontakt und haltet euch auf dem Laufenden. Multiplayer sei Dank könnt ihr weiterhin Nächte durchzocken. Vom Videocall zum Frühstück bis zum Kurztrip auf ein Bier geht vieles – wenn man(n) denn will.
Das Gleiche gilt übrigens für die Familie: „Aus den Augen aus dem Sinn“ zu spielen ist der Tod einer jeden Beziehung. Ob Familie, Freundschaft oder romantischer Partner. Frag nach, wie der Tag war, denk an Geburtstage, hör einfach mal rein und schick zumindest hin und wieder eine Nachricht.
Erweitere deine Kontakte
Viele Männer begehen den Fehler, sich nur auf Kollegen, Familie, Partnerin und Zufallsbekanntschaften zu verlassen.
Mach es besser und erweitere deine Kontakte sinnvoll. Zum Beispiel durch:
- Bowling-Liga, Buchclub, Weinverkostung, Tanzstunden, Kletterpartner, RC Modellbau: Hobbys machen glücklich. Und sie bringen dich in Kontakt mit Gleichgesinnten, zu denen du schneller eine bessere Verbindung hast.
- Bild dich weiter, bilde weiter und tausch dich aus: Lern eine neue Sprache, mach eine Fort- oder Weiterbildung, gründe einen Club oder gib Unterricht. Das bringt dir nicht nur neue Kontakte, sondern kann auch das Selbstwertgefühl steigern.
- Nachbarschaftshilfe: Nachbarschaftshilfe ist nicht nur ein außergewöhnlicher Nebenjob mit einigen Vorteilen, sondern bringt dich auch in engere Verbindung mit den Menschen in deiner direkten Umgebung.
- Nimm ein Ehrenamt auf: Wusstest du schon, dass Ehrenämter nicht nur denjenigen helfen, denen du helfen willst, sondern auch dir selbst? Hilf Obdachlosen, Tieren, der Umwelt, Kindern oder werde zum ehrenamtlichen Helfer in der Tafel. Etwas für andere zu machen, bringt dich zum einen in Kontakt mit Menschen. Zum anderen kannst du dabei deine Empathie trainieren.
Lieber wenige, tiefe Verbindungen als viele flache
Du bist im Fußballverein, gehst freitags mit den Jungs trinken, kennst jeden Nachbarn mit Vornamen: Und dennoch hast du keinen zum Reden. Nicht wirklich, zumindest. Denn von deinen Problemen auf Arbeit und das genau die dir den Schlaf rauben, davon weiß keiner.
Vertiefe Freundschaften, anstatt dir noch 93 neue Bekannte zuzulegen, denen du auch bloß nichts anvertrauen kannst. Gespräche mit deinen besten Freunden sollten sich um mehr drehen können als Sport, Neuigkeiten aus der Welt und deine Lieblingspizza.
Beziehung als Krönung, nicht als Lösung sehen
Für Frauen ist es vollkommen legitim, eine Schulter zum Anlehnen zu wollen. Absurder Weise bekommen sie die gerade von Männern nur selten. Also ziehen sie los, suchen sich Freunde/Freundinnen, pflegen Familienbande, gehen in Therapie, betreiben Journaling und stärken ihre Resilienz. Sie teilen ihr Leben mit Haustieren, werden selbst ihre besten Freunde, helfen anderen und verzichten lieber ganz auf die männliche Schulter zum Anlehnen.
Denn in der Realität fühlen sich Frauen häufiger in Partnerschaften mit Männern einsam, brennen dabei häufiger aus und opfern sich häufiger auf. Bekommen aber nichts zurück.
Für Männer sind Partnerschaften hingegen immer noch ein Zugewinn. Verheiratete Männer leben länger, gesünder und glücklicher. Selbst dann, wenn sie ihre Frau gar nicht leiden können und trotz vermeintlich glücklicher Beziehung fremdgehen. Denn sie verwenden sie als Therapeutin, Überdruckventil, Sozialbeauftragte ihres Lebens, Köchin, Sekretärin und Trösterin.
Männer bekommen also viel häufiger die wirklich verlässliche Schulter zum Anlehnen in der Beziehung – auch, wenn die falschen Vorurteile immer noch das Gegenteil behaupten. Sie machen jedoch auch den Fehler, diese nur in Paarbeziehungen zu suchen. Und vergraulen damit Frauen.
Lösung: Bau dir ein wirkliches soziales Netzwerk auf. Such Menschen, mit denen du echte Gespräche führen kannst. Diese kannst du ebenso in Selbsthilfegruppen finden wie bei Meet5 – wenn du aufhörst, jedwede Treffen und Aktionen als Partnerbörse zu betrachten. Eine Partnerschaft kann das Sahnehäubchen sein. Aber sie kann, sollte und ist nicht die einzige Lösung gegen Einsamkeit.

Hör auf, Intimität mit Sex zu verwechseln
Wer als Frau schon mal Online-Dating getestet hat, kann ein Lied davon singen: Cyberflashing und Nachrichten sexueller Natur sind an der Tagesordnung. Männer wollen schnell „intim“ werden. Nur, dass die Definition von „intim“ bei ihnen auf Playboy und Porno beschränkt ist.
Intim bedeutet für sie athletische FKK mit oder ohne Strand. Sie präsentieren nur allzu gerne und schnell ihren Pimmelmann, verhüllen ihre Ängste, Sorgen und Nöte aber besser und stärker, als es Nonnenkluft, Burka und Keuschheitsgürtel in Kombination könnten.
Kein Wunder also, dass weiterhin jeder vierte Mann mehr als einmal in seinem Leben für Sex bezahlt, öfter und lieber, als zu einem Therapeuten zu gehen oder mit Freunden zu sprechen.
Genau hier liegt der Fehler. Intimität bedeutet eben nicht, gemeinsam möglichst schnell und möglichst nur horizontalen Tango zu tanzen. Das funktioniert bei jedem One Night Stand und mit vielen Sexworkern. Es ist aber kein Weg zu einem stärkeren sozialen Netzwerk und auch kein Mittel gegen Einsamkeit.
Intimität bedeutet, anderen aktiv zuzuhören, offen zu sprechen und tiefgründige Gespräche über persönliche Themen zu führen. Davor schrecken viele Männer zurück, weil es „zu real ist“ und sie sich dabei verletzlich fühlen. Trainier es trotzdem oder gerade deswegen. Denn echte Verbindungen sind nur mit echter Kommunikation möglich.
Such dir bessere Freunde
Du hast deine Freunde aus dem Verein oder vom Stammtisch und deine Kollegen. Aber aus Sport, Bier und Arbeit gibt es dort keine wirklichen Gespräche. Gesprenkelt wird das Ganze vielleicht noch mit ein paar sexistischen Witzen, abwertenden Sprüchen und Rollenbildern, die so veraltet, verstaubt und verletzend sind, dass es weh tut.
Du bist der Durchschnitt aus den 5 Menschen, die dir am nächsten sind.
Also betreib ruhig dann und wann mal einen Frühjahrsputz im Freundeskreis. Denn bei einem stärkeren sozialen Netzwerk geht es nicht darum, einfach nur möglichst viele Menschen zu kennen. Sondern solche, die auf deiner Wellenlänge liegen, mit denen du wirklich reden kannst und die wirklich für dich da sind. Das kann auch bedeuten, dass du Abstand nimmst von Personen, die zwar praktischerweise nebenan wohnen, aber keinen Tiefgang haben.
Helfen und helfen lassen
Nachbarschaftshilfe ist eine tolle Sache. Freunden zuhören, wenn sie Sorgen und Nöte haben auch. Anderen beim Umzug helfen oder dem Kollegen bei der Arbeit bringt dir genauso Karma-Punkte und die Chance auf ein stärkeres soziales Netzwerk wie (auch entfernte) Familienmitglieder zu unterstützen.
Aber kommen wir zu einem Punkt, bei dem Männer deutlich schlechter abschneiden als Frauen: sich selbst Hilfe zu suchen.
Therapeuten, Coaches und Selbsthilfegruppen sind wunderbare Anlaufstellen bei Einsamkeit. Sie können dir aufzeigen, wo der Grund dafür liegt, dass du dich allein fühlst – oder faktisch allein bist. Sie können dir auch dabei helfen, öfter den ersten Schritt zu machen und Beziehungen zu vertiefen.
Frauen sind Freunde – keine Objekte
Würden Männer so viel Zeit und Energie in echte Freundschaften investieren wie in das vermeintliche „Verführen“ von Frauen: Die Male Loneliness Epidemic wäre nie entstanden. Würden Männern sich außerdem nicht darüber definieren, bei vielen Frauen sie „landen können“ oder wie viele sie „rumkriegen“, sondern Frauen stattdessen als echte Freunde ansehen, wären wir ebenfalls nicht an diesem Punkt.
Also vergiss die „böse“ Friendzone und geh echte Freundschaften mit Frauen ein. Anstatt Absichten zu hegen, dass du doch mal noch zum Zug kommst, punktest oder wie auch immer du es nennen möchtest.
Können sich Beziehungen aus Freundschaften entwickeln? Klar. Und es ist super, wenn bei beiden romantische Gefühle entstehen. Aber eine Freundschaft vorzugaukeln, wenn du eigentlich etwas ganz anderes willst: Das ist eine miese Nummer und steht einem stärkeren sozialen Netzwerk sogar im Weg.
FAQ – Warum Männer stärkere soziale Netzwerke brauchen – und wie sie sie bekommen
Warum brauchen Männer stärkere soziale Netzwerke?
Die Male Loneliness Epidemic wird aus verschiedenen Gründen immer wieder diskutiert. Die Anzahl der Freunde nimmt ab, die Qualität der Freundschaften sinkt und Männer sind häufiger Single. Der letzte Punkt wird Frauen vorgeworfen, weil Männer lange Zeit und offensichtlich immer noch in sozialen Bereichen stark von Mankeeping – und damit meist von Frauen – abhängig sind.
Das Hauptproblem bei schwachen oder fehlenden sozialen Netzwerken bei Männern ist, dass sie hierdurch frustriert, aggressiv und gewalttätig werden. Gegen sich und andere. Das resultiert in gesundheitlichen, physischen und psychischen Problemen, bis hin zum Suizid. Aber auch in nach außen gerichteter Gewalt.
Sind Frauen schuld an der Male Loneliness Epidemic?
Nein. Frauen sind nicht schuld an der Male Loneliness Epidemic. Frauen wurden lange Zeit ausgebeutet und leisten auch heute noch den Großteil der „unsichtbaren“ Arbeiten, die jedoch einen großen Einfluss auf die Gesellschaft haben. Darunter beispielsweise Pflege, den organisatorischen Mental Load, das psychologische und emotionale Mankeeping und die Pflege der sozialen Kontakte.
Sie bekommen auf diesen Ebenen jedoch weniger oder auch gar keine Gegenleistungen, was wiederum dazu führt, dass verheiratete Frauen mit Kindern unglücklicher und ungesünder sind und früher sterben. Während Männer in der gleichen Situation gesünder und glücklicher sind und länger leben.
Es gibt also genau genommen zwei Gründe dafür: Männer haben Frauen lange Zeit in Hinblick auf Organisation, Pflege, emotionale, psychologische und soziale Arbeit verlassen und sie dabei ausgebeutet. Seit immer mehr Frauen keine Beziehungen mehr wollen (unter anderem aus diesen ausbeuterischen Gründen, aber auch wegen des deutlich erhöhten Risikos für Gewalt) haben viele Männer leider noch immer nicht gelernt, sich selbst ein starkes soziales Netzwerk aufzubauen und selbst ein aktiver Teil davon – statt nur Nutznießer – zu sein.
Wie können Männer stärkere soziale Netzwerke aufbauen?
Indem sie:
- Aktiv Gleichgesinnte finden. Beispielsweise durch Hobbys, Vereine, Ehrenamt, Nachbarschaftshilfe.
- Beziehungen pflegen. Indem sie sich um bestehende Freundschaften und die Familie kümmern.
- Frauen als Menschen, nicht als Objekte betrachten. Misogynie und Sexismus sind schädlich für Frauen, isolieren aber auch frauenhassende Männer.
- Hilfe suchen. Selbsthilfegruppen, Coaches und Therapeuten helfen dabei, Ursachen für die individuelle Einsamkeit zu finden und sie zu bekämpfen.
- Anderen helfen. Wer anderen hilft, baut das soziale Netzwerk automatisch auf und aus. Es ist dadurch nicht immer auch gleich stärker, aber die Chancen dafür steigen. Gemeinsam damit wächst auch die Empathie.
- Bessere Freunde und Kommunikation. Du kannst unzählige Leute kennen und dich dennoch völlig einsam fühlen oder verlassen sein, wenn du ein offenes Ohr, Hilfe und Unterstützung benötigst. Wichtig sind daher zum einen Freunde, mit denen du über mehr als Sport, Wetter und andere oberflächliche Themen sprechen kannst. Zum anderen musst du dich auch hin und wieder trauen, den ersten Schritt zu machen und über Gefühle, Ängste, Sorgen und Nöte sprechen.







Hinterlasse einen Kommentar