Was ist Gaslighting und was ist es nicht? Praktische Beispiele

Gaslighting – Du hast ein Aggressionsproblem! Du hast ein Aggressionsproblem! Du bist so vergesslich, dass es gruselig ist! Das habe ich nie gesagt! – Narzissten und andere toxische Menschen sind Experten darin, Gaslighting zu betreiben und ihren Opfern Selbstzweifel einzureden. Zum Glück wachsen das Bewusstsein und die Aufklärung über ihre perfiden Taktiken. Das hat aber auch Schattenseiten und wirft immer wieder die Frage auf: Was ist Gaslighting und was ist es nicht?

Gaslighting wird bekannter – und falsch genutzt

Gaslighting, Lovebombing, Breadcrumbing, toxisch, narzisstisch – das Bewusstsein rund um narzisstische Manipulationstechniken wächst. Und es ist gelinde gesagt erschreckend, wie viele bereits Erfahrungen damit machen mussten und Opfer davon wurden. Die zunehmende Aufklärung ist also dringend nötig, um dich und andere zu schützen.

Leider geht damit aber auch die inflationäre Verwendung des Begriffs „Gaslighting“ einher und die perfide Methode wird durch die oft falsche Benutzung verwässert und verharmlost. Wirkliche Opfer davon werden daher oftmals nicht mehr ernstgenommen.

Was ist Gaslighting nicht?

„Mein Mann hat gesagt, er bringt den Müll raus, und hat es nicht gemacht. Das ist Gaslighting!“ Nein, ist es nicht. Das ist eine Lüge von einem faulen und/oder vergesslichen Mann. Mehr nicht.

Gaslighting ist nicht:

  • der neue Begriff für eine Lüge
  • auf ein einmaliges Abstreiten reduziert
  • ein falscher Vorwurf

Es ist also nicht die Behauptung, dass jemand den Müll rausgebracht hat, obwohl der noch in der Küche steht. Oder, das Abstreiten einer Affäre. Gaslighting ist deutlich langwieriger, strategischer und perfider.

Was ist Gaslighting?

Der Begriff Gaslighting stammt von dem Theaterstück Gas Light, das 1938 uraufgeführt und später verfilmt wurde. (Empfehlenswerter Film, übrigens.)

Hier lügt ein Mann seine Frau kontinuierlich an, redet ihr ein, sie würde sich Geräusche und andere Vorgänge im Haus nur einbilden und manipuliert sogar Außenstehende, bis seine Frau als unglaubwürdig und verrückt dasteht.

Und genau das ist das Ziel des Gaslightings: Die Opfer sollen an sich selbst zweifeln, ihr Selbstbewusstsein und Selbstwert sollen so niedrig wie möglich sein. Dadurch sinkt ihre Glaubwürdigkeit und der Täter kann ungehindert mit seinen Machenschaften davonkommen.

Zum Gaslighting gehören:

  • Fakten leugnen

„Du bist so eine dumme Kuh!“ brüllt dir ein Mensch ins Gesicht. 5 Minuten später behauptet er: „Das habe ich nie gesagt.“ Nicht nur verdeckte Narzissten sind Meister darin, Fakten und ihre Handlungen abzustreiten. Du kannst sie noch so sehr mit Beweisen und Zeugen konfrontieren, sie behaupten einfach, das waren sie nicht, haben sie nie gemacht, ist nicht passiert.

In vielen Fällen nimmt es derartig absurde Ausmaße an, dass du am liebsten jedes Gespräch aufnehmen möchtest.  

  • Realität verdrehen und Täter-Opfer-Umkehr

Ein Mann wird beim Fremdgehen erwischt. Zuerst leugnet er alles, trotz der Beweise. Dann merkt er, dass er damit nicht durchkommt. Also ändert er die Taktik:

„Du hast also die ganze Zeit Beweise gesammelt?! Wie kann man nur so misstrauisch und durchtrieben sein?! Hast du mich etwa die ganze Zeit überwacht??? Du bist ja krank!!! Du hast mich dazu getrieben!!! Wie kannst du nur???“  

Diese Strategie kommt gerne in Verbindung mit Projektion und Wortsalat vor. Der Täter stellt sich als Opfer dar und versucht, das Opfer zu verwirren, während er keinerlei Verantwortung für sein Handeln übernimmt – sondern eine Entschuldigung erwartet.

  • Gefühle absprechen oder einreden

„Du bist viel zu empfindlich!“

„Du bist immer aggressiv!

„Du bist so eifersüchtig!

„Warum bist du denn so wütend?!“

Du hast gerade vollkommen ruhig, 33 Mal „Nein“ gesagt. „Nein, ich möchte das nicht.“ „Nein, bitte nicht.“ „Lass das, bitte.“

Beim 34. Mal platzt dir vollkommen verständlicherweise die Hutschnur. „Immer rastest du gleich aus!“ schallt es dir jetzt entgegen, weil du nach 34 Mal laut geworden bist. Beim nächsten Mal sagst du einmal ruhig „Nein“ und wieder wird behauptet: „Immer rastest du gleich aus!“, obwohl du gar nicht ausgerastet bist.

Das spielt sich beim Gaslighting immer wieder ab, bis du dich schließlich kaum noch oder gar nicht mehr traust, „Nein“ zu sagen und anfängst zu glauben, du würdest immer gleich ausrasten.

Ebenso kann dir eingeredet werden, dass du krankhaft eifersüchtig, vergesslich oder überempfindlich bist.

  • Umgebung manipulieren

Du hast gestern Abend deinen Schlüssel auf der Kommode im Flur abgelegt. Du bist dir absolut sicher, dass du dein Portemonnaie in der Tasche hattest. Und deine Jacke hing am Haken. Heute findest du nichts mehr davon.

Zum Gaslighting kann es gehören, dass der Täter Dinge aus deiner Umgebung versteckt oder sie an andere Stellen legt, um dich zu verwirren und dich an dir selbst zweifeln zu lassen.

  • Opfer isolieren

Menschen mit einem verlässlichen, starken sozialen Netzwerk werden zum einen unterstützt. Zum anderen fällt ihnen für gewöhnlich schneller auf, wenn sie außerhalb des Gaslightings vollkommen zuverlässig sind. Dem Täter wird also schneller auf die Schliche gekommen.

Um dem vorzubeugen, isolieren Gaslighter – also Narzissten und andere toxische Menschen – ihre Opfer. Gleichzeitig können sie andere Personen mit dazu einsetzen, Gaslighting zu betreiben.

Gaslighting wird unterschätzt – Opfer leiden extrem und jahrelang

Was ist Gaslighting und was ist es nicht? Ein Beispiel aus der Praxis

Ein Mann und eine Frau gehen abends ins Bett. Die Frau fragt: “Hast du daran gedacht, den Müll rauszubringen, die Tür abzuschließen und hast du die Überweisung erledigt?“

Der Mann sagt: „Ja.“, obwohl er nichts davon gemacht hat.

Er wartet, bis sie eingeschlafen ist, schleicht sich aus dem Bett, bringt den Müll raus, schließt die Tür ab und überweist das Geld.

Ja, er hat gelogen. Aber nicht, um ihr zu schaden. Stattdessen hat er seine Vergesslichkeit vertuscht und alles nachträglich erledigt, um einem Konflikt vorzubeugen. Das ist kein Gaslighting.

Ein Mann und eine Frau gehen abends ins Bett. Die Frau fragt: “Hast du daran gedacht, den Müll rauszubringen, die Tür abzuschließen und hast du die Überweisung erledigt?“

Der Mann sagt: „Du hast mich ja nicht daran erinnert!“, obwohl er sehr genau weiß, dass sie ihn mindestens dreimal daran erinnert hat.

„Doch, habe ich!“, sagt die Frau. Er streitet es wieder ab, stapft wütend davon und erledigt die Aufgaben. Als er zurückkehrt, sagt er zu ihr: „Du hast mich NICHT erinnert, du immer mit deiner Vergesslichkeit!“ Dann wartet er, bis sie eingeschlafen ist und schleicht wieder los. Er nimmt ihren Autoschüssel und parkt ihr Auto drei Straßen weiter. Er versteckt ihr Portemonnaie im Tiefkühlfach, die Autoschlüssel in der Couchritze und geht ins Bett.

Am nächsten Morgen sucht die Frau verzweifelt ihre Autoschlüssel. Er hilft ihr beim Suchen, obwohl er derjenige ist, der sie versteckt hat. „Hilfsbereit“ wie er tut, findet er sie in der Couchritze und dann auch noch „zufällig“ das Portemonnaie im Tiefkühlfach.

„Siehst du, du bist unglaublich vergesslich und hast mich gestern auch nicht daran erinnert, was ich machen soll!!!“

Die Frau zweifelt nun an sich. Als sie losfahren möchte, fehlt nun auch noch ihr Auto.

„Wer weiß, wo du wieder geparkt hast!“ zischt der Mann sie an. Er „hilft“ ihr wieder und findet das Auto drei Straßen weiter, wohin er es in der Nacht gefahren hat.

Hierbei handelt es sich um Gaslighting. Er lügt sie nicht nur an, um von seiner Vergesslichkeit abzulenken. Er inszeniert in der Folge auch perfide Situationen, um sie als vergesslich und unzurechnungsfähig darzustellen. Er will, dass sie an sich zweifelt und schafft Beispiele, in denen sie angeblich vergesslich war.

Gaslighting und Projektion

Narzissten und andere toxische Menschen können sich oftmals selbst nicht leiden und können nicht mit sich allein bleiben. Sie wissen sehr genau, dass einige ihrer Eigenschaften negativ bis hin zu verabscheuungswürdig sind. Deswegen zeigen sie ihr wahres Gesicht auch nicht in der Öffentlichkeit, sondern nur gegenüber ihren Opfern hinter verschlossenen Türen.

Gleichzeitig projizieren sie ihre negativen Eigenschaften gerne auf ihre Opfer.

Das Ziel der Kombination aus Gaslighting und Projektion ist wiederum: Ihre Opfer als unglaubwürdig und unzurechnungsfähig darzustellen. Das folgende Praxisbeispiel macht es deutlicher.

Gaslighting und Projektion im Praxisbeispiel

Ein Mann hat einen Wutanfall. Er brüllt so laut und aggressiv, dass ihm dabei Speichel aus dem Mund fliegt. Er trampelt durch die Wohnung, reißt in der Küche die Schränke auf und wirft mit Geschirr um sich. Er beleidigt, beschimpft und bedroht seine Partnerin, schlägt mit der Faust gegen die Wand und brüllt weiter.

Als er sich erschöpft geschrien hat, wird er schlagartig ruhig, drängt seine Partnerin gegen die Wand und sagt seelenruhig zu ihr: „Wir müssen dringend Mal über dein Aggressionsproblem reden und daran arbeiten.“ Danach setzt er sich seelenruhig auf die Couch, während alles in Scherben liegt und die Beweise SEINES Wutanfalls und SEINES Aggressionsproblems mehr als offensichtlich sind.

Er hat das Aggressionsproblem, das ist mehr als offensichtlich. Seine Partnerin hat hingegen gerade Angst, ist verwirrt und versteht die Welt nicht mehr und hat lediglich ein Problem mit seinen Aggressionen – nicht mit ihren.

Gaslighting und Triangulation

In der Beziehung zu einem (verdeckten) Narzissten und anderen toxischen Menschen setzt der Täter häufig die sogenannte Triangulation ein: Er holt andere Menschen in die Beziehung.

Das kann beispielsweise durch Vergleich erfolgen: „Alle anderen machen alles besser als du.“ – „Meine Ex konnte das besser.“ – „Meine Freunde finden auch, dass du schuld bist.“

Triangulation trägt zum einen dazu bei, dass du von anderen isoliert wirst. Als Opfer davon, fühlst du dich zum anderen minderwertig und so, als könntest du niemandem mehr vertrauen.

Gaslighting und Triangulation in Kombination hat aber noch einen dritten, perfiden Grund: Der Gaslighter verbreitet Lügen über dich, um andere gegen dich aufzubringen, deine Glaubwürdigkeit zu zerstören und sich selbst als Opfer zu präsentieren.

Gaslighting und Triangulation – ein Praxisbeispiel

Ein Mann geht mindestens dreimal pro Woche feiern oder mit Freunden trinken und kommt jedes Mal betrunken nach Hause. An den restlichen Abenden der Woche betrinkt er sich allein zu Hause. Er hat also ein offensichtliches Alkoholproblem.

Statt sich Hilfe zu suchen oder seinen Alkoholkonsum zu reduzieren, behauptet er zu seiner Frau: „DU hast ein Alkoholproblem!“, obwohl die Frau selten und wenig trinkt. Er projiziert also sein Problem auf sie.

Nun ist dieser Vorwurf und der Versuch des Gaslightings wenig glaubhaft. Schließlich weiß die Frau, dass sie weder täglich noch bis zum Exzess trinkt. Er hingegen schon.

Eines Abends trinkt er ein Bier nach dem anderen, dazu noch Whiskey und Rum. Als die Frau am Morgen ins Wohnzimmer kommt, trifft sie der Schlag. Überall stehen leere und halbleere Flaschen, es stinkt wie in einer Kneipe nach schalem Bier, auf der Couch sind Flecken und der Couchtisch klebt.

Sie hat nun die Nase voll und sagt zu dem Mann: „Dieses Mal räumst du das selbst auf, ich sehe es nicht mehr ein.“ Der Mann sagt ungewöhnlich reuig ja, aber er geht erstmal duschen und legt dann los. Nachdem er aus der Dusche kommt, zieht er sich an, behauptet, er müsse schnell etwas erledigen und verlässt die Wohnung. Das Chaos bleibt.

5 Minuten später klingelt es an der Tür. Der Mann hat Freunde eingeladen. Peinlich berührt steht die Frau umgeben von dem Chaos da, das aussieht wie ein Trinkgelage. Die Freunde beäugen sie kritisch, rümpfen die Nasen und verziehen die Gesichter. „Du solltest dich wirklich mal einschränken.“, sagen sie zu der Frau, die keinen Tropfen getrunken hat.

Sie rechtfertigt sich, sie stellt klar. Aber offensichtlich glauben sie ihr nicht.

Weitere 5 Minuten später ist der Mann wieder da und sie hört, wie er sich mit seinen Freunden unterhält und ihnen sagt: „Ja, ich hab euch doch gesagt, ich mache mir Sorgen um ihr Alkoholproblem.“

Narzissten und andere toxische Menschen schaffen es leider sehr häufig durch derlei inszenierte Situationen und Lügen, ihre offensichtlichen Probleme zu vertuschen und sie auf andere abzuwälzen. Stellt die Frau nun nämlich klar – oder versucht es zumindest – dass sie nicht diejenige mit dem Problem ist, entsteht eine „Nein, er – Nein, sie“-Situation, die unglaubwürdig wirkt.


Da der Mann bereits Vorarbeit geleistet und Gerüchte über sie verbreitet hat – und es sich außerdem um seine Freunde handelt – sind diese deutlich mehr dazu geneigt, ihm zu glauben als ihr. Selbst dann, wenn es zahlreiche Beweise für das Gegenteil gibt.

Schweige nicht über das Gaslighting

FAQ Gaslighting

Warum fallen Menschen auf Gaslighting herein?

Vor allem intelligente, reflektierte und empathische Menschen fallen auf Gaslighting herein. Denn sie neigen zum Rationalisieren, suchen die Verantwortung und Schuld eher bei sich als bei anderen und unterstellen anderen selten einen bösen Willen. Das gilt gerade dann, wenn es sich um Familienmitglieder, Freunde und Partner handelt.

Was sagt Gaslighting über einen Menschen aus?

Gaslighter sind Menschen, die Macht und Kontrolle über andere erlangen wollen. Sie wollen zudem ihre eigenen Fehler und ihr Verhalten vertuschen. Die Manipulationstechnik wird häufig von Narzissten, in jedem Fall aber von einem toxischen Menschen eingesetzt, der kein Interesse an einer gesunden Beziehung auf Augenhöhe hat.

Wie bemerkt man Gaslighting?

  • Lügen, obwohl du Beweise hast „Doch, ich war die ganze Nacht zu Hause.“
  • Unterstellungen wie „Hast du schon wieder getrunken?“, obwohl du nicht trinkst
  • Schlechtreden unter dem Deckmantel der Sorge „Sie ist so vergesslich / trinkt so oft und so viel / ist ständig wütend, ich mache mir Sorgen.“
  • erfundenen Vorwürfen „Du flirtest ständig mit jedem!“
  • Manipulation und Leugnen „Das ist nie passiert! Du verdrehst schon wieder alles!“
  • vorgeschobener Sorge „Du bist so vergesslich in letzter Zeit: Geht es dir nicht gut?“
  • verlogene Fürsorge mit Beleidigungen „Das willst du bestimmt nicht noch essen, weil du dir ja ohnehin Sorgen um deine Linie machst.“
  • das Einbinden anderer, sogenannter Flying Monkeys

Achte zudem auf Projektion. Daran kannst du Gaslighting häufig am einfachsten erkennen. Musst du deinen Partner beispielsweise immer zig Mal an etwas erinnern, aber er wirft dir Vergesslichkeit vor? Und plötzlich sind Sachen nicht mehr da, wo du sie hingelegt hast, und er unterstellt dir Vergesslichkeit?

Wird er sehr schnell laut und kann seine Emotionen nicht regulieren – aber du hast angeblich das Aggressionsproblem?

Er will dir Eifersucht einreden, kontrolliert aber jeden Kontakt, den du mit anderen Menschen hast?

Versuche, die Situation mit etwas Abstand und so objektiv wie möglich zu betrachten. Wie verhält sich der (potenzielle) Gaslighter und was redet er dir ein?

Bonus-Tipp: Führ ein Tagebuch, an das der (vermutete) Täter nicht gelangen kann. Dokumentiere hierin alles, was passiert, was du tust und was dir vorgeworfen oder eingeredet wird. Dieses dient als Beweis für dich selbst.

Du kannst hierin festhalten, dass du das Auto vorm Haus abgestellt hast, den Schlüssel auf die Kommode gelegt und dein Portemonnaie in der Tasche ist oder, dass ein Streit stattgefunden hat und worum es dabei ging.

Wie reagiere ich am besten auf Gaslighting?

Indem du daraus deine Konsequenzen ziehst. Jemand, der Gaslighting betreibt, manipuliert dich nicht nur. Er ruiniert deinen Ruf, zerstört dein Selbstvertrauen und dein Selbstwertgefühl, betreibt emotionalen und psychischen Missbrauch und tut dir Gewalt an.

Distanzier dich, beispielsweise durch die Grey-Rock-Methode. Such dir Hilfe. Und bereite eine sichere Trennung von dem Narzissten oder anderen toxischen Menschen vor.

Gaslighting dient dazu, dich zu zerstören und auszunutzen. Es sollte dich sofort dazu veranlassen, den Gaslighter zu verlassen.

Gibt es Gaslighting nur in Beziehungen?

Nein, Gaslighting findet nicht nur in Paarbeziehungen statt. Auch unter Freunden, in Familien, im beruflichen Bereich und sogar beim Arzt in Form von Medical Gaslighting kann es auftreten.

Gibt es einen anderen Begriff für Gaslighting?

Ja, Gaslighting wird auch als invalidierende Kommunikation bezeichnet, weil das Opfer dabei ständig abgewertet – also invalidiert – wird.

Ist Gaslighting gefährlich?

Ja, für das Opfer ist Gaslighting in vielerlei Hinsicht gefährlich, denn bei Gaslighting handelt es sich um Gewalt. Betroffene fangen an, an sich selbst zu zweifeln, werden stark verunsichert, glauben ihrer Wahrnehmung nicht mehr und können dadurch unter anderem stärker an den Täter beziehungsweise Gaslighter gebunden werden.

Weil der Gaslighter keine Zeugen für seine Taten will, isoliert er das Opfer immer weiter und betreibt zwar Triangulation und setzt Flying Monkeys ein, kann aber die Bindung zu Freunden und Familie zerstören oder nachhaltig belasten.

Opfer von Gaslighting kämpfen oft jahrelang mit den Folgen.

Wie gewinnen Gaslighter Macht?

Gaslighting findet häufig in Beziehungen statt, in denen das Opfer dem Täter vertraut. Die Gaslighter haben also bereits Macht über die Betroffenen. Sie nutzen diese Vertrauensbasis aus, und gehen dabei systematisch und strategisch vor, um ihr Opfer zu schwächen, zu verunsichern und zu zerstören.

Wie fliegt Gaslighting auf?

Bereits eine außenstehende Person mit objektivem Blick reicht aus, um das Gaslighting auffliegen zu lassen, wie dieses Praxisbeispiel zeigt:

Ein Mann behauptet immer wieder, seine Frau hätte ein Alkoholproblem. Er würde sich Sorgen machen, sie würde durch den Alkohol lügen, aggressiv reagieren und wäre dadurch ständig krank.

Einer Person aus seinem Publikum fällt auf: Die Frau war noch nicht ein einziges Mal betrunken. Er ist es hingegen bei jeder einzelnen Feier. Er vertraut ihr offensichtlich genug, damit sie ihn nach jeder Feier nach Hause fährt. Sie ist weder aggressiv noch redet sie schlecht über ihn. Er beschwert sich in einer Tour über sie und behauptet, er würde ihr helfen wollen, ist aber mehr mit Party und Betrinken beschäftigt als bei ihr und selbst auf Feiern lässt er sie allein stehen.

All das passt nicht zusammen. Es widerspricht sich offensichtlich. Statt also seinen Worten zu glauben, glaubt sie seinen Handlungen und spricht das Problem in öffentlicher Runde an. Sie unterstützt damit zum einen die Frau, die gerade durch Gaslighting gequält wird. Zum anderen zeigt sie dem Rest des narzisstischen Publikums die extremen Widersprüche auf.

Das kann wiederum dazu führen, dass die sogenannten Flying Monkeys das Gaslighting nicht verschlimmern, sondern sich von dem Gaslighter abwenden und im Idealfall dem Opfer helfen.

2 Antworten zu „Was ist Gaslighting und was ist es nicht? Praktische Beispiele“

  1. Avatar von Prinz Prospero

    Ich kenne einen Narzissten, der eigentlich nur alles an anderen bekrittelt, aber niemals direkt, sondern immer zwischen den Zeilen oder mit nonverbalen Signalen wie etwa das Gesicht verziehen oder die Stirn in Runzeln legen. Wenn man ihm dann irgendwann vorhält, was er gesagt hat, streitet er das ab. Nein, er hat es nicht direkt ausgesprochen, sondern anders rüber gebracht. Solche aalglatten Menschen kann man nur meiden, so meine Erfahrung, denn du kommst nicht an sie ran und sie lassen dich immer irgendwie auflaufen, weil sie auch immer Recht haben. Kämpfen oder fliehen? Ich bin für (ver-)meiden .. Oder?

    Gefällt 1 Person

    1. Avatar von Jessika Mueller

      Hallo Prinz Prospero,

      Danke fürs Lesen und deinen Kommentar.

      Passiv-aggressive Pantomime, indirekt abwertende Kommentare und Vergleiche – dann alles Abstreiten: Das klingt zwar vergleichsweise harmlos, ist es aber nicht. Auch das kann auf Dauer aufreiben und lässt Selbstzweifel aufkommen.

      Falls irgendwie möglich, würde ich die Person aus meinem Leben streichen oder jedwede narzisstische Zufuhr entziehen. Falls nicht möglich: Das Verhalten zu spiegeln wirkt manchmal Wunder. Aber Vorsicht: Das führt nicht selten zu Wutausbrüchen, weil es Narzissten so gar nicht mögen, wenn man ihnen den Spiegel vorhält.

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