MALE Loneliness Epidemic? Die überraschende Wahrheit  

Die Male Loneliness Epidemic wird gerade weithin diskutiert und ruft vor allem auf Social Media Debatten hervor. Männer vereinsamen – heißt es. Und der Feminismus ist schuld – heißt es. Umso überraschter war ich, als ich mir die statistischen Daten zur Einsamkeit anschaute. Denn die zeigen ein vollkommen anderes Bild.

Gibt es die Male Loneliness Epidemic überhaupt?

Nein. Weder in den USA noch Großbritannien noch Deutschland gibt es eine Epidemie der männlichen Einsamkeit. Nochmal ganz deutlich: ES GIBT KEINE MALE LONELINESS EPIDEMIC!!!

Nicht einmal im Ansatz. Egal, welche Studie und Statistik herangezogen wird: Es gibt aktuell mehr einsame Menschen aller Geschlechter in vielen Ländern. Also eine Einsamkeits-Epidemie. Aber Männer sind mitnichten einsamer als Frauen.

In manchen Altersgruppen sind Frauen sogar deutlich einsamer als Männer. Und in anderen mehr Männer einsamer als Frauen.

Aber die Einsamkeit zieht sich durch die Geschlechter, die Altersgruppen und die Länder und ist kein männliches Monopol. Warum wird also so getan, als ob nur Männer betroffen wären oder als ob Männer stärker betroffen sind als Frauen?

Männer sind lauter

Offen gesagt: Ich kann es nicht mehr hören. Das ständige Gelaber darüber, dass die Male Loneliness Epidemic ein enormes Problem ist.

Von Männern, die Bremsspuren in der Unterwäsche nicht nur für normal halten, sondern das Entfernen davon auch komplett selbstbewusst und selbstverständlich Frauen überlassen. Und sich dann darüber wundern, dass die Erotik in der Beziehung flöten geht.

Von Männern, die stundenlange Monologe halten, Manterrupting betreiben und diese bei der geringsten Kritik abschließen mit „Man(n) darf ja gar nichts mehr sagen!“ – obwohl sie gerade mal wieder alles gesagt haben, was sie sagen wollten. Und selbst diejenigen sind, die andere davon abhalten.

Von Männern, die bei Themen wie Vergewaltigungen, Femizid und Sexismus immer wieder dazwischenrufen, dass es „Nicht alle Männer sind“, und zum Täterschutz beitragen anstatt zum Schutz der Opfer.

Warum reden also so viele ausschließlich über die männliche Einsamkeit – obwohl Einsamkeit alle Geschlechter betrifft? Weil sie lauter und aggressiver sind. Häufiger ungestört reden dürfen und ernster genommen werden.

Frauen kümmern sich mehr

Frauen fühlen sich sogar in Ehen und anderen Partnerschaften häufiger emotional einsam als Männer. Weil? Weil sie sich häufiger um mehr kümmern müssen. Allein.

Ein Familienmitglied wird krank oder länger pflegebedürftig? Die Frau kümmert sich.

Einkaufen, kochen, putzen, Kinder versorgen, Termine vereinbaren, alle an alles erinnern? Die Frau kümmert sich.

Emotionalen Kummerkasten für alle spielen? Das machen vorwiegend Frauen.

Das Ungleichgewicht bedeutet logischerweise, dass Frauen sich häufiger einsam fühlen. Denn „funktionieren“ sie, erledigen sie den Großteil und haben weniger Zeit für Freundschaften und Austausch. „Funktionieren“ sie nicht wie gewünscht, dann stehen sie allein da. Erkrankt eine Frau beispielsweise an Krebs, dann muss sie statistisch betrachtet auch noch damit rechnen, dass sich ihr Mann von ihr trennt.

Alte Rollenbilder

Viele Menschen sprechen über die Male Loneliness Epidemic. Kaum einer redet über die Einsamkeit der Frauen, die schon so lange besteht. Über die Frauen, die nicht einmal von ihren Partnern ein offenes Ohr und wirkliche Gesellschaft bekommen.

Über Frauen, die „er ist ein guter Zuhörer“ als herausragendes Kompliment verwenden, als sei das Hörverständnis eines Neuntklässlers beim erwachsenen Mann eine Superkraft, die sonst kaum einer hat. Weil es traurigerweise oft so ist.

Ein Grund dafür sind die alten Rollenbilder. Frauen machen Haushalt, Kinder und alles, was in irgendeiner Form mit Emotionen, Menschen und Sozialem zu tun hat. Männer machen… Früher war das mal als Einziger in der Familie Geld verdienen. Heute gilt das bei den meisten eben nicht mehr. Den Großteil der restlichen Arbeit überlassen sie aber nach wie vor Frauen.   

Während Frauen immer mehr Aufgaben übernehmen mussten und müssen, hängen Männer hinterher. Also entscheiden sich immer mehr Frauen gegen diese Form der Ausnutzung.

Schuldzuweisung als falsch verstandener Selbstschutz

Ist der Feminismus schuld an männlicher Einsamkeit? Nein. Männer sind zum einen nicht einsamer als Frauen. Zum anderen kam die „männliche Einsamkeit“, die es gar nicht gibt, nicht erst mit dem oder durch den Feminismus auf.

Männer, die Frauen die Schuld an ihrer Einsamkeit geben und beispielsweise behaupten, Frauen hätten zu hohe Standards, die machen etwas ebenso Simples wie Sinnloses: Sie entziehen sich der eigenen Verantwortung für ihr Leben.

Solange sie anderen die Schuld an der eigenen Situation zuschieben, entkommen sie immer noch der Selbstreflektion. Genau diese wäre aber bei einigen dringend nötig, um die wirklichen Ursachen für die eigene Einsamkeit zu erkennen, zu benennen und sie in der Folge abzustellen.

Partnerschaft oder Einsamkeit? Es gibt mehr als diese zwei Optionen

Einige Männer glauben, der einzige Weg aus der Einsamkeit sei über Sex und gegebenenfalls Partnerschaft. Es gibt jedoch weit mehr als diese zwei Optionen. Zum Beispiel:

Auch eine Therapie und Sorgentelefone sind Möglichkeiten. Frauen mit zu hohen Standards die Schuld zu geben, darf hingegen keine mehr sein.

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