15 Tipps, um schlagfertiger zu werden

Schlagfertiger werden erscheint schwierig. Aber du kennst es: Jemand knallt dir einen Kommentar vor die Füße oder behandelt dich von oben herab, und 5 Minuten später oder auch einen Tag später fällt dir die perfekte Antwort darauf ein. Leider nie direkt in der Situation. Wichtig ist jedoch, dass dir die perfekte Antwort eingefallen ist. Damit hast du bereits den ersten Schritt in die richtige Richtung gemacht. Wie es danach weitergeht, verrate ich dir hier.

Tipp 1: Schlagfertigkeit ist Übungssache

Ich bin klein, dünn, blond und sehe jünger aus, als ich bin. Dazu habe ich kleine, verdammt niedliche Hunde. Mit anderen Worten: Ich wirke nicht nur absolut harmlos, ich bin für viele Menschen auch regelrecht Beute. Beute für Übergriffigkeiten, Manterrupting und sonstige Respektlosigkeiten.

Was ich aber auch bin: schlagfertig.

Und lass dir gesagt sein, das war harte Arbeit und fällt mir noch heute manchmal schwer. Denn: Schlagfertigkeit ist Übungssache und lässt sich trainieren. Es ist kein in die Wiege gelegtes Talent, das manche haben und andere nicht.

Tipp 1 für mehr Schlagfertigkeit lautet daher: Übe. Wenn dir die perfekte Antwort auf einen dummen Spruch immer zu spät einfällt, fällt sie dir schon mal ein.

  • Schreib sie auf.
  • Sprich sie laut aus.
  • Spiel die Situation nochmal mit einem Freund durch.

Denk ruhig wiederholt darüber nach und leg dir Antworten zurecht, die du beim nächsten Mal verwenden kannst.

Tipp 2: Schlagfertigkeit-Datenbank anlegen

Es gibt so einige Angriffe, blöde Kommentare und Situationen im Leben, die sich wiederholen. Leg dir die perfekten Antworten und Reaktionen darauf in einer mentalen Datenbank zurecht. Die richtige Antwort, von der du dir wünschst, du hättest sie in dem Moment gehabt? Merk sie dir. Und sprich sie beim nächsten Mal aus.

Um deine eigene Datenbank anzulegen, kannst du ruhig auch bei anderen abschauen.

Tipp 3: Schau dir Comedians an, um schlagfertiger zu werden

Comedians, Schauspieler, politische Debatten, Dialoge in Büchern – wann immer du dir denkst: „Boah, ich wünschte, ich wäre so schlagfertig!“ schreib es auf. Schreib auf, was genau du an der Szene bewunderst.

Hat der schlagfertige Part die Ruhe bewahrt? Hat er die Perspektive in einer überraschenden Weise gewechselt? Hat er das Verhalten gespiegelt?

Von anderen abzuschauen ist nicht nur einfach und unterhaltsam. Es ist auch lehrreich.

Tipp 4: Hör auf, dich zu blockieren (oder blockieren zu lassen)

Willst du schlagfertiger werden, musst du dich überwinden. Denn es geht bei Schlagfertigkeit nicht (nur) darum, sofort die perfekte Antwort parat zu haben. Es geht darum, dem anderen die Stirn zu bieten.

Gerade das fällt vielen Menschen schwer.

Wir wollen nicht anecken, frech oder unhöflich sein. Und genau da liegt die Blockade. Wir zielen nicht auf die Schwachstellen anderer, selbst dann, wenn sie damit angefangen haben.

Verabschiede dich – für den Moment – von dieser Prägung. Der andere hat angefangen und du darfst zur Abwechslung verbal zurückhauen. Du darfst es beenden.  Du musst nicht brav sein und alles schlucken.

Tipp 5: Atme für mehr Schlagfertigkeit

Schlagfertigkeit heißt nicht, dass du sofort wie aus der Pistole geschossen reagieren musst. Dieser Glaube ist ein Anfängerfehler.

Atme bewusst, lächle, lehn dich zurück oder tritt einen Schritt zurück. Bleib ruhig. Du kannst in dich rein oder breit nach außen grinsen, bis 10 zählen oder kurz von A nach B gehen und wieder zurück.

Da sind wir wieder beim Tipp 3 für mehr Schlagfertigkeit: Schau dir schlagfertige Personen an, die du bewunderst. Auch diese hauen nicht immer sofort verbal zurück. Sie tigern durch die Gegend, atmen ein paar Mal tief durch, schmunzeln oder kichern oder sagen „hmhm“. Und verschaffen sich damit Zeit zum Nachdenken und um sich zu beruhigen – bevor sie reagieren.

Tipp 6: Rückfragen stellen, um schlagfertiger zu werden

Wenn dich jemand angreift oder einen aggressiven Spruch in deine Richtung reißt, gehst du automatisch in den Rechtfertigungs- und Verteidigungsmodus.

Schlagfertige Menschen machen das auch. Sie stellen dann aber Fragen an den Angreifer und tauschen damit die Rollen.

„Warum?“

„Was frustriert dich so in deinem Leben?“

„Wieso machst du das?“

„Aaaaw, macht das Ego aua?“

Fragen wie diese befördern den Angreifer in den Rechtfertigungsmodus. Und bringen ihn damit sehr oft zum Schweigen.

Vor Jahren war ich mit meiner Oma-Hündin in einem Geschäft. Ich hatte meinen Hund auf dem Arm und wir gingen unserer Wege. Eine andere Kundin griff nach uns, betatschte meinen Hund und mich. Ich entzog mich ihrer Reichweite. Ich verzog auch mein Gesicht. Immerhin hatte mich eine vollkommen Fremde gerade an der Brust betatscht.

„Wohl zu fein, was?“ knallte sie mir entgegen.

„Warum betatschen sie wildfremde Menschen?“ fragte ich. „Möchten Sie denn von komplett fremden Menschen angefasst werden? Dafür gibt es diverse Jobs, bei denen Sie dafür bezahlt werden!“

Aus der arroganten Frau mit dem übergriffigen Verhalten wurde ein Häufchen, das bei dem Wort „nein“ stottert.

Tipp 7 für mehr Schlagfertigkeit: Spiegle das Verhalten

Kleine Hunde haben viele Vorteile. Ein bedeutender Nachteil ist, dass viele Menschen sie ungefragt anfassen. Ob auf dem Boden an der Leine oder auf dem Arm: Sie sind im Kopf mancher ein wandelnder, kostenloser Streichelzoo.

So gab es mal wieder die Situation, dass ich mit Hund auf dem Arm an der Haustür stand und eine erwachsene Frau quietschend auf uns zurannte, mein „Bitte nicht anfassen“ geflissentlich ignorierte und außer meinem Hund auch meine Brust streichelte.

Ich streichelte zurück. Nicht ihre Brust, denn ich selbst bin nicht so übergriffig. Aber dennoch schnappte die Frau durch das Streicheln irritiert in meine Richtung: „Was fällt Ihnen denn ein?“

„Och, ich dachte, wir streicheln uns alle ungefragt. Machen sie doch auch.“

„Das ist etwas ganz anderes!!!!“

„Stimmt, ich hab extra gesagt: „Bitte nicht anfassen“ und Sie haben es trotzdem gemacht.“, sagte ich ruhig, lächelte grenzdebil und streichelte ihren Arm weiter.

Danach hatte ich in circa 0,03 Sekunden Ruhe vor ihr, weil sie im Turbogang das Weite suchte.

Viele Menschen begreifen erst dann, wie unangebracht ihr Verhalten ist, wenn es gespiegelt wird. Auch das fällt unter Schlagfertigkeit.

Tipp 8: Sei du

Bist du witzig, sei witzig. Bist du eher ruhig, sei eher ruhig. Um schlagfertiger zu werden, musst du dich nicht verbiegen. Nutz deine Eigenschaften und Stärken – und bau sie aus.

Ich werde ungern laut. Andere ignorieren oft mein Nein. Aber ich bin jemand, der Leute zurückstreichelt und dabei grenzdebil lächelt, damit sie mich in Ruhe lassen. Funktioniert ebenfalls wunderbar, ohne, dass ich dafür dem Selbstoptimierungswahn verfallen muss.  

Tipp 9: Mach dir klar, warum der andere so ist – Call them out

Mit Sicherheit willst du nicht schlagfertiger werden, weil du nur nette Gespräche mit unglaublich freundlichen Menschen führst. Sondern aufgrund von verbalen Angriffen, abwertenden Kommentaren und übergriffigem Verhalten.

Hinterfrag für dich und mach dir klar, warum andere so etwas tun. Oftmals steht dahinter Unsicherheit. Der andere versucht, sich durch das Abwerten von dir zu erhöhen. Oder er will dich mundtot machen – weil er Angst vor deinen Argumenten hat. So manch einer ist bisher einfach immer mit Unverschämtheit durchgekommen.

Benennst du den Grund für das Verhalten, wachsen deine Schlagfertigkeit und dein Mut. „Ich weiß, Sie kommen mit diesem Verhalten immer wieder durch. Aber ich kenne die Masche schon, und jetzt hören wir mit den Spielchen auf.“

Tipp 10 für mehr Schlagfertigkeit: Bedanke dich

Mir hat mal jemand wiederholt vorgeworfen: „Immer erschlägst du mich mit deinen Argumenten!“

In Wirklichkeit hab ich mir nur sein Gaslighting nicht bieten lassen und es durch Logik und Argumente ausgehebelt. Es dauerte eine halbe Ewigkeit, bis mir endlich die passende, schlagfertige Antwort einfiel: „Danke! Meine Argumente sind ja auch schlagend! Schön, dass es dir auffällt. 😊“

Danach herrschte Stille. Und meine schlagenden Argumente wurden nie wieder thematisiert.

Klar, sein Ziel war ein Vorwurf an mich. Kein Lob. Aber ist doch schön, wenn jemand so aufmerksam ist, dass ihm schlagende bis erschlagende Argumente auffallen. Da kann man oder frau schon mal danke sagen… Oder?

Tipp 11: Brust raus, Bauch rein – oder so

Wenn andere uns angreifen, ist uns nach vielen, aber für gewöhnlich nicht danach, ruhig und selbstbewusst dazustehen und die Schultern zu straffen. Körperhaltung und Körpersprache sind aber gleich aus mehreren Gründen wichtig.

Erstens: Du vermittelst dir selbst Ruhe und Selbstbewusstsein. Das erleichtert es, eine schlagfertige Antwort zu formulieren.

Zweitens: Du signalisierst damit auch deinem Gegenüber, dass er sich gerade mit der falschen Person angelegt hat.

Tipp 12 für mehr Schlagfertigkeit: Stimm zu

Bei (unangebrachter) Kritik wünschen wir uns besonders oft, die passende, schlagfertige Antwort parat zu haben. Anstatt dir das Hirn zu zermartern: Probier es mal mit Zustimmung.

„Sie brauchen aber lange für die Aufgabe.“

„Ja, wenn man die Arbeit wirklich richtig erledigt und gründlich ist, dann dauert das seine Zeit. (Wussten Sie das nicht?)“

Stell dir vor, du musst eine Rede halten. Du hast sie geübt, vorher nochmal in den Spiegel geschaut, die Frisur gerichtet und sogar jemanden gefragt, ob du so ans Rednerpult treten kannst. Du bist nervös und versuchst dich durch bewusstes Atmen zu beruhigen, trittst vor die versammelte Mannschaft und begrüßt alle – als plötzlich dein/e Konkurrent/in ruft:

 „Sie haben da was zwischen den Zähnen!“

Super… Jetzt hast du verschiedene Optionen:

  1. Du versinkst vor Scham und Peinlichkeit im Boden.
  2. Du versuchst die Wut unter Kontrolle zu halten, die du gerade auf die Person hast.
  3. Du sagst: „Ja. Ich wollte, dass mir alle an den Lippen hängen! Danke, dass Sie dabei geholfen haben.“

Du entwaffnest dein/e Konkurrent/in und nimmst der Person den Wind aus den Segeln. Du verhinderst außerdem, dass sie ihr Ziel erreicht: dich zu verunsichern.  

Durch Zustimmung statt Rechtfertigung verwirrst du andere für einen Moment und entziehst ihnen eine weitere Angriffs- und Diskussionsgrundlage. Gibt schließlich nichts zu diskutieren, wenn du ihnen zustimmst.

Tipp 13: Lern Rhetorik, um schlagfertiger zu werden

Möchtest du schlagfertiger werden, beschäftige dich mit Rhetorik. Je mehr rhetorische Maschen und Methoden du kennst, desto besser kannst du dich verbal behaupten. Nicht (nur) dadurch, dass du sie selbst verwendest. Sondern auch, indem du dich bewusst dagegen wehren kannst.

Rhetorische Taktiken und Techniken zu durchschauen, macht dich außerdem selbstsicherer.

Tipp 14 für mehr Schlagfertigkeit: Vergiss Perfektion

Viele lassen sich von schlagfertigen Antworten und Reaktionen abhalten, weil sie zwar eine Antwort parat hätten, diese aber nicht perfekt ist. Also formulieren sie sie mehrfach im Kopf um, dann ist der Moment verstrichen, und im Anschluss ärgern sie sich darüber, gar nichts gesagt zu haben.

Verabschiede dich von dem Perfektionsanspruch.

Trau dich, eine unperfekte Antwort zu geben. Fällt dir später eine noch bessere ein, speichere sie in deiner Konter-Datenbank.

Tipp 15, um schlagfertiger zu werden: Reframing und Respekt einfordern

Jemand unterbricht jeden deiner Sätze oder betreibt sogar gezieltes Manterrupting. Das ist nicht nur unhöflich und nervig, es ist schlichtweg respektlos und Machtgehabe. Es soll dich mundtot machen. Also wehrst du dich dagegen und sagst: „Jetzt lassen Sie mich doch endlich mal aussprechen!“

„Das brauche ich nicht, ich weiß schon, was Sie sagen wollen.“

Klare Absicht: Du sollst wieder mundtot gemacht werden, deine Gedanken werden abgewertet, bevor du sie überhaupt ausgesprochen hast. Das ist eine miese Masche. Oder eine wunderbare Vorlage, je nachdem, wie du es betrachtest.

„Oooooh, Sie denken, Sie können Gedanken lesen? Ewww, dann sollten wir das Gespräch wirklich beenden.“

„Ach, Sie können Gedanken lesen?! Was denke ich denn jetzt?“

„Wenn Sie Gedanken lesen können, warum führen wir überhaupt das Gespräch?“

„Offensichtlich können Sie Gedanken lesen und sind von meiner Intelligenz eingeschüchtert. Mein nächster Gedanke wird Sie dann wohl schockieren.“

„Okay, Sie glauben also, Sie könnten Gedanken lesen. Lassen Sie mich dennoch aussprechen, damit der Rest ohne dieses erfundene Talent meine Gedanken hören kann.“

„Sie können also Gedanken lesen und dennoch verhalten Sie sich so / reden Sie so?! Uff.“ 

„Was können Sie denn noch, außer Gedankenlesen als lächerliche Ausrede für Ihr Fehlverhalten anzuführen?“

Durch Reframing von „Ich weiß schon, was Sie denken.“, zu: „Gedankenleser sind Hokuspokus.“ entziehst du der Person die Macht über dich. Du ziehst die Aussage dahin, wo sie hingehört: ins Lächerliche.

Gleichzeitig forderst du sehr deutlich Respekt ein.

Schlagfertiger zu werden dauert einen Moment

Schlagfertigkeit ist erlernt. Natürlich gibt es Menschen, die sich schneller mehr trauen und andere, die sich stärker überwinden müssen. Du wirst während des Lernprozesses Erfolgserlebnisse haben und ab und an einen Rückschlag. Du wirst dir hin und wieder doch nochmal denken: „Hätte ich doch nur dieses und jenes gesagt! Wäre mir das doch mal früher eingefallen.“

Mit diesen 15 Tipps für mehr Schlagfertigkeit wirst du aber schneller verbal wehrhafter – und dich schon bald mehr trauen. Denk zusätzlich daran, dass du bei dem Bedarf für Schlagfertigkeit nicht versuchst, Freundschaften zu schließen. Deswegen musst du nicht beleidigend oder aggressiv werden, du musst dich aber auch nicht brav und höflich zurückhalten.

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