Frauenfeindliche Frauen zu googlen, bringt ein überraschendes Ergebnis hervor: Keiner will darüber reden. Von systembedingter lateraler Gewalt ist hier die Rede und von internalisierter Misogynie als Ausrede. Einen alten Artikel finde ich zu frauenfeindlichen Frauen, in dem steht, dass die Autorin nicht darüber schreiben will. Nachher hieße es noch, nicht einmal die Frauen wären sich einig. Sind sie auch nicht – und darüber müssen wir endlich reden.
Gewalt gegen Frauen durch Frauen
Ja, Männer führen ganz eindeutig und unzweifelhaft in puncto körperlicher Gewalt, sexueller Belästigung, sexuellem Missbrauch und Mord. Gar keine Frage. Selbst mit den enorm hohen Dunkelziffern an Opfern, die ihren Missbrauch, ihre Vergewaltigung nicht zur Anzeige bringen, kam es allein in Deutschland im Jahr 2024 zu 128.000 sexuellen Straftaten.[1]
Es wird davon ausgegangen, dass gerade einmal 10 bis 15 Prozent aller Vergewaltigungen angezeigt werden. Aus Scham. Aus Angst vor Verurteilung. Aus Angst, als Lügnerin bezeichnet zu werden. Aus Angst, dass es keiner glaubt. Aus Angst, dass der Täter – wie bei so vielen anderen – sowieso ungeschoren davonkommt.
2 von 3 Frauen erleben sexuelle Belästigung.
Jede 3. Frau ist von körperlicher und/oder sexueller Gewalt betroffen.
Jede 4. Frau erlebt körperliche und/oder sexuelle Gewalt in der Partnerschaft.[2]
Und doch werden Frauen nicht nur durch Männer zu Opfern gemacht. Frauenfeindliche Frauen üben ebenfalls Gewalt gegen Frauen aus.
Es war eine LehrerIN, die mir sagte, dumme Blondchen wie ich haben nichts in der Birne und Mädchen sind zu doof für Mathe. Jeden Tag. Katja P.
Es war meine FreundIN, die meinem Stalker half, mich wieder zu finden. Madeleine S.
Es war eine PolizistIN, die über meine Vergewaltigung lachte. Kerstin O.
Es war eine NachbarIN, die mir sagte, ich solle mich über sexuelle Belästigung freuen. Ich war 11 Jahre alt. Andrea L.
Es war eine AnwältIN, die meinen Vergewaltiger als Opfer darstellte und mich als Nutte bezeichnete, die es herausgefordert hat. Sara T.
Es war eine ÄrztIN, die mir sagte, ich solle mich nicht so anstellen. Nachdem ich vergewaltigt wurde. Ines K.
Es war eine FRAU, die sagte: Hätte ich mich nicht so angezogen, wäre mir das nicht passiert. Solveig W.
Es war meine OMA, die sagte, hätte ich die Beine breitgemacht, hätte er mich nicht verprügeln müssen. Tag für Tag. Vicky M.
Es waren FRAUEN, die meine Tochter in ein anderes Land entführten und sie beschnitten. Fürs Leben verstümmelten. Samira E.
Es waren KollegINNEN, die durch Bodyshaming, Slutshaming, Lügen und Lästern jeden Tag auf der Arbeit zur Hölle machten. Margarete S.
Es war seine FRAU, die mir in den Bauch trat, um mein Kind zu töten. Ich wusste nicht, dass er verheiratet war. Sie wusste, dass ich es nicht wusste. Sabine B.
Es war eine RichterIN, die sagte: „Sie hat Nein gesagt, aber vielleicht hat sie Ja gemeint“ – über das 12-jährige Opfer einer Gruppenvergewaltigung mit teils volljährigen Tätern.
Es war eine FRAU, die mich festhielt, damit er mich vergewaltigen konnte. Maria F.
Gewalt gegen Frauen durch Frauen ist nicht körperlich, aber sie geht an die Substanz
Ich unterhalte mich mit meinen Freundinnen und stelle einmal mehr fest: Wir alle könnten nicht nur ein Buch, sondern ganze Bände mit der Gewalt an Frauen durch Frauen füllen. Und nahezu täglich kommt ein neuer Vorfall hinzu.
Da terrorisieren die NachbarINNEN eine alleinstehende Frau, rund um die Uhr. Dort kommen Sprüche à la „Also MIR wäre das nicht passiert!“ von FRAUEN, um das Opfer runterzumachen und sich selbst erhaben zu fühlen. Nur ein paar Meter weiter ignorieren FRAUEN die häusliche Gewalt, verhöhnen das Opfer und geben ihr die Schuld daran.
- Bodyshaming
- Slutshaming
- Victimshaming
- üble Nachrede
- Verleumdung
sind bei TäterINNEN ebenso an der Tagesordnung wie viele andere Formen des psychischen Missbrauchs. Sie hinterlassen nicht sofort körperliche, sichtbare Spuren. Aber sie gehen an die Substanz. Oft genug von Kinderbeinen an.
Internalisierte Misogynie ist echt – und eine Ausrede
Internalisierte Misogynie ist echt und eine Ausrede, keine Entschuldigung. Mir ist scheißegal, ob jemand einen Penis hat, eine Vagina, beides, nicht binär ist oder sich heute als gestreifte Aubergine identifiziert und nächste Woche als glitzerpupsenden Uhu.
Ein Arsch ist ein Arsch ist ein Arsch. Ein Täter ist ein Täter ist ein Täter. Unabhängig von Geschlecht und Gender.
Punkt.
Wir müssen endlich aufhören, so zu tun, als könnten die armen, unterdrückten frauenfeindlichen Frauen nichts dafür, dass sie Mädchen und Frauen bewusst schaden. Dass sie Opfer noch runtermachen und nachtreten, wenn diese bereits am Boden liegen. Dass sie andere Frauen überhaupt erst zu Opfern machen. Solche Frauen sind Täter. Punkt.
Und nein, es interessiert mich nicht, dass auch sie Opfer des Patriarchats sind. Genauso wenig interessiert es mich bei anderen Tätern.
Frauen schaden sich nicht „gegenseitig“
„Frauen sind die schlimmsten Feinde von Frauen“, heißt es. Nö. Sind sie nicht.
Also sind Männer die schlimmsten Feinde von Frauen! Nö. Auch das nicht.
Die schlimmsten Feinde von Frauen sind frauenfeindliche Arschlöcher!
Und das meine ich vollkommen geschlechtsneutral. Denn es ist scheißegal, welche primären und sekundären Geschlechtsmerkmale jemand hat: Es sind das Verhalten und die Taten, die zählen. Es sind die frauenfeindlichen Äußerungen und Aktionen, die alle Täter*innen eint. Nicht die Eier oder Eierstöcke.
Aus diesem Grund schaden sich Frauen auch nicht „gegenseitig“. Stattdessen schaden Täterinnen anderen Frauen.
Genau aus diesem Grund sollten wir das auch nicht mehr unter den Teppich kehren oder mit „Na, das ist eben internalisierte Frauenfeindlichkeit.“ abtun, als würde es das wegerklären und wegentschuldigen. Männern lassen wir das schließlich auch nicht mehr durchgehen. Und das ist gut so!
[1] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/550357/umfrage/anzahl-der-straftaten-gegen-die-sexuelle-selbstbestimmung-in-deutschland/
[2] https://www.hilfetelefon.de/das-hilfetelefon/zahlen-und-fakten/







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