Obdachlosen helfen – das kann so einfach sein. Dennoch machen viele nichts. Oft liegt das an dem falschen Glauben, dass in Deutschland niemand obdachlos sein muss. Dieser Mythos ist ebenso weit verbreitet wie falsch.
Hilfe für Obdachlose Tipp 1: Geh gegen den Mythos vor!
„In Deutschland muss kein Mensch obdachlos sein! Ich verstehe nicht, warum die bei Minusgraden freiwillig draußen schlafen.“, sagte eine Bekannte letztens zu mir, und mir fehlen die Worte. Mal wieder.
Denn:
Müsste in Deutschland niemand obdachlos sein, warum sind in Deutschland mindestens 50.000 Menschen obdachlos?!
Wenn es doch vermeintlich so viele Angebote und Hilfen gibt, warum schlafen manche Menschen bei minus 10 Grad und barbarischem Wind, Schneefall und Regen auf der Straße?! Ohne Toilette, ohne Heizung, ohne Strom und fließend Wasser. Darauf angewiesen, dass sie hier und da etwas erbetteln können.
Mein erster Tipp an dich: Glaub den Mythos nicht.
Und klär andere auf. Obdachlose sind nicht obdachlos, weil sie keinen Bock auf vier Wände, ein Dach überm Kopf und Netflix hatten oder zu faul waren, die angeblich ach so umfangreichen Angebote an Hilfen anzunehmen:
Sie sind obdachlos, weil ihnen keiner geholfen hat, als sie dringend Hilfe benötigten.
Dieser Fall tritt schneller ein, als viele glauben wollen, und liegt in vielen Fällen nicht an denen, die auf der Straße landen. Häufig sind das die Opfer von Tätern – und keiner hat ihnen eine helfende Hand gereicht. Manche bringen sich um, wie die statistisch erfassten circa 10.000 Selbstmorde pro Jahr in Deutschland beweisen. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen, denn nicht jeder Selbstmord wirkt wie ein Suizid. Viele sehen aus wie Unfälle.
Andere leben im Zelt unter der Brücke, in verlassenen Bruchbuden oder schlafen direkt auf der Straße.
Räum mit den Vorurteilen auf. In deinem Kopf und bei anderen. Keiner ist freiwillig obdachlos.
Hilfe für Obdachlose Tipp 2: Informier dich & andere
„Warum schläft man denn freiwillig bei dem Wetter auf der Straße?!“, fragt meine Bekannte pikiert, als sie mit mir telefoniert.
Und ich frage zurück: „Wo soll der Mensch denn sonst schlafen?“
„Dafür gibt es doch Einrichtungen!“ sagt sie.
„Was denn für welche und wo?“
Und da ist sie, die Stille der Ratlosigkeit, weil sie keine Ahnung hat, ob und was es überhaupt in der Umgebung gibt. Obwohl sie ansonsten kein Problem damit hat, absolut alles zu googeln oder ChatGPT zu befragen.
Mach es besser! Informier dich selbst darüber, welche Möglichkeiten es in Umgebung gibt, ob diese kostenlos sind und wann sie geöffnet haben. Das Angebot ist in vielen Städten sehr gering.
Tipp 3 der Hilfe für Obdachlose: Leben kostet – auch auf der Straße
Wusstest du, dass Obdachlosenunterkünfte etwas kosten? Bis zu 15 Euro pro Nacht werden verlangt und das kann sich längst nicht jeder Obdachlose leisten.
Zur Tafel gehen und mal eben Essen für wenig Geld bekommen? Funktioniert nur mit Berechtigungsschein oder dem sogenannten Tafelpass. Um diesen zu erhalten, sind wiederum Nachweise und Gänge auf Ämter nötig. Wer das nicht schafft, nicht weiß oder wenn die Tafel keine neuen Kunden aufnimmt – tja, der hat eben Pech gehabt.
Lange Zeit hieß es: „Gib Obdachlosen kein Geld.“
Aber genau das kann den Unterschied machen, ob die Person heute mal in einem Bett schlafen und Wäsche waschen oder etwas essen kann.
Tipp 4, um Obdachlosen zu helfen: Frag nach
Hast du schon mal einen Obdachlosen gefragt: „Was brauchen Sie? Wie kann ich Ihnen helfen?“
Falls nicht: Fang damit an.
Geld, Hygiene-Artikel, Essen, Trinken, neue Kleidung, Kopfschmerztabletten – es gibt eine Menge, die sich Obdachlose nicht mal eben leisten können oder zu dem sie keinen einfachen Zugang haben.
Tipp 5 für das Helfen von Obdachlosen: Rede mit ihnen
Stell dir vor, du wachst eines Tages auf und alles ist weg. Du hast kein Dach mehr über dem Kopf. Freunde und Familie haben dir nicht geholfen. Kein Job, kein Geld, kein Handy. Was würdest du machen? Wohin würdest du dich wenden? Und wie kommst du da hin – ohne Geld, Fahrrad oder Auto?
Rede respektvoll mit Obdachlosen und frag nach, denn sie haben diesen Alptraum hinter sich.
Vielleicht wissen sie nicht, welche Angebote und Hilfen es in der Umgebung gibt. Vielleicht brauchen sie einfach mal jemanden zum Reden, und zwar respektvoll und auf Augenhöhe, oder du kannst eine Anlaufstelle für sie kontaktieren.
Obdachlosen helfen Tipp 6: Engagier dich – lokal oder digital
Manche Tafeln können Unmengen Essen pro Person ausgeben. Andere können keine neuen Kunden aufnehmen, weil sie nicht genug Lebensmittel-Spenden bekommen. Manche Einrichtungen nehmen keine Sachspenden mehr an, andere würden sich über alles von Bettwäsche, Handtüchern und Kleidung bis hin zu Büchern und Gesellschaftsspielen freuen. Wieder andere brauchen Hilfe direkt auf der Straße oder beim Ausbau der Website oder beim Fahren und bei Beratung.
Frag bei Projekten, Einrichtungen und Ämtern nach, wo und wie du helfen kannst – entweder direkt vor Ort oder online. Du musst nicht gleich ein Ehrenamt annehmen, auch, wenn das glücklich macht.
Obdachlosen helfen Tipp 7: Bitte um Hilfe für Obdachlose
Die Geschäfte in deiner Umgebung, dein Arbeitgeber, ein Aufruf online auf deinen Social Media Plattformen: Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Aufmerksamkeit und Bewusstsein für Wohnungslose zu schaffen.
In ihrem Namen um Hilfe zu bitten, kann andere inspirieren.
Obdachlosen helfen Tipp 8: Rede mit anderen
Hand aufs Herz: Wie oft bist du schon an Obdachlosen vorbeigegangen? Obwohl du einen Euro oder 50 Cent hättest geben können, obwohl du sie hättest grüßen oder fragen können, wie du helfen kannst? Wie lange hast du geglaubt, dass es in Deutschland keine wohnungslosen Menschen geben muss?
Unterhalte dich mit anderen über das bestehende Problem, über Möglichkeiten zu helfen und darüber, dass Obdachlosigkeit jeden treffen kann. Du stärkst damit das Bewusstsein.
Obdachlosen helfen Tipp 9: Akute Hilfe leisten
Ob Hochsommer, Winter, strömender Regen oder ein medizinischer Notfall: Du kannst Obdachlosen dadurch helfen, dass du Hilfe holst oder akute Hilfe anbietest. Biete im Sommer Wasser oder andere kühle Getränke oder Eis an, ruf im Winter den Wärmebus an und bei medizinischen Notfällen den Notarzt.
Tipp 10, um Obdachlosen zu helfen: Geh mit gutem Beispiel voran
Viele haben eine schlechte Meinung von Obdachlosen und glauben immer noch, in Deutschland wäre Wohnungslosigkeit eine freie Entscheidung. Aber keiner ist freiwillig obdachlos. Hinter jedem Obdachlosen steckt eine Geschichte, die oft erschreckend traurig oder erschütternd ist.
Denk daran, dass es jeden treffen kann und Wohnungslose Hilfe brauchen, keine weitere Verurteilung und Menschen, die wegschauen.
Geh mit gutem Beispiel voran. Sprich sie an, spende, hilf.
Klär andere auf und sei die Person, die es besser macht. Dadurch senkst du die Hemmschwelle bei anderen und sie sind eher geneigt, ebenfalls Obdachlosen zu helfen.







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