Der Frühling ist für viele Tiere die wichtigste – und gleichzeitig verletzlichste – Zeit des Jahres. Vögel brüten, Wildtiere ziehen ihren Nachwuchs groß, Insekten werden aktiv. In dieser Phase entscheiden oft Kleinigkeiten darüber, ob Tiere überleben oder krank werden, sich gestört fühlen oder sogar sterben. Die gute Nachricht: Du kannst mit einfachen Verhaltensänderungen viel bewirken – egal, ob du in der Stadt lebst oder auf dem Land unterwegs bist.
Warum Tierschutz im Frühjahr besonders zählt
Zwischen März und Juli herrscht sogenannte Brut- und Setzzeit. Viele Tiere sind in dieser Phase auf Ruhe, Schutz und ausreichend Nahrung angewiesen. Störungen führen schnell dazu, dass Nester aufgegeben werden oder Jungtiere nicht überleben. Gleichzeitig fehlt es gerade in Städten oft an geeigneten Lebensräumen – umso wichtiger ist dein Beitrag.
Auf dem Weg bleiben
Feldweg, Waldweg oder der Weg im Naherholungsgebiet: Bleib drauf. Bodenbrüter und Insekten werden häufig unbeabsichtigt aufgeschreckt, gestört oder zerstört, wenn Menschen die Wege verlassen.
Bienenfreundlichen Balkon einrichten
Bienen und Hummeln haben es schwer – vor allem in Städten finden sie zu wenig Nahrung, sauberes Wasser und Verstecke. Einen bienenfreundlichen Balkon einzurichten, sollte daher dringend zum Trend werden.
Wildblumen, Kräuter, Blühpflanzen mit ungefüllten Blüten, eine Bienentränke und ein Insektenhotel gehören dazu.
Brutkästen anbringen
Die Brut- und Setzzeit bringt viele Herausforderungen für Vögel mit sich und diese beginnen bereits bei dem Finden geeigneter Nistplätze. Das Aufhängen von Brutkästen auf dem Balkon und im Garten verbessert die Chancen der Vögel, passende Plätze zu finden.
Gartenarbeit reduzieren
Hecken, Bäume und Sträucher verschneiden, Rasen mähen, Laub harken: Im Frühjahr bringen viele den Garten auf Vordermann. Leider greifen sie dabei stark in die Lebensräume der Tiere ein.
Willst du Tierschutz und Naturschutz im Frühling betreiben, sind die folgenden Dinge wichtig:
- lieber naturnah als perfekt
Naturnahe Ecken im Garten sind wichtig für eine große Anzahl an Tieren. Laubhaufen, Reisig und hohes Gras dienen als Schutz, Lebensraum und Nahrung. Also verabschiede dich von Perfektion und Schottergarten.
- Kontrollieren und in Etappen mähen
Bevor du den Rasenmäher anwirfst, kontrollier den Rasen auf Tiere. Mäh zusätzlich in Etappen, denn ein plötzlicher Kahlschlag ist ein enormer Eingriff in die Tierwelt.
- Hecken-Schneideverbot beachten
Vom 1. März bis zum 30. September herrscht in Deutschland ein Verbot für das Schneiden und Roden von Hecken, Büschen und Sträuchern. Du darfst lediglich kleine Korrekturen vornehmen.
Hunde an der Leine lassen
Wenn es wieder wärmer wird und die Tage länger werden, finden sich überall Jungtiere. Jungtiere und Jagdtrieb von Hunden sind eine denkbar schlechte Kombination. Also lass deinen Vierbeiner an der Leine und beschränke den Freilauf auf gesicherte Bereiche wie Hundeplatz und Hundewiese.
Hygiene an Futterstellen und Tränken
An vielen Orten sind Vögel, Igel und Insekten unter anderem im Frühjahr auf Zufütterung und Wasserstellen angewiesen. An diesen Plätzen herrscht also zum einen ein reges Treiben. Zum anderen können sich genau dadurch wie bei der winterlichen Wildfütterung im Wald Krankheiten ausbreiten.
Wichtig ist daher:
- verwende Futtersilos anstelle von Futterhäuschen
- entferne Kot, Federn und Futterreste regelmäßig
- reinige Tränken und Futterbehälter bevor du sie neu befüllst
Insektenhotels aufstellen
Viele Menschen haben eine schlechte Meinung von Insekten, dabei gäbe es ohne Insekten kaum noch eine Lebensgrundlage. Denn sie bestäuben 87 % der Pflanzen und dienen vielen anderen Tierarten direkt oder indirekt als Nahrung.
Dennoch haben viele Menschen Angst davor, dass sie mit einem Insektenhotel die „falschen“ Insekten anziehen. Die typischen Bewohner sind jedoch Wildbienen, Schmetterlinge und nützliche Wespen. Und sie stellen nicht einmal auf dem Balkon oder neben dem Küchenfenster ein Problem dar.
Katzen drinnen lassen
Ebenso wie der Jagdtrieb von Hunden und Jungtiere keine gute Kombination sind, sind Freigänger-Katzen eine enorme Gefahr für brütende Vögel und Co. Lass sie daher lieber drinnen, vor allem in der Dämmerung.
Lichtverschmutzung reduzieren
Straßenbeleuchtung und Lampen auf Wegen sollen uns im Dunkeln Sicherheit geben, führen aber an immer mehr Orten zu Lichtverschmutzung. Das kannst du zwar nicht im großen Stil ändern, in deinem Umfeld aber schon.
- Verzichte auf Gartenbeleuchtung oder schalte diese zumindest aus, wenn du sie nicht benötigst.
- Nutze Verdunklungsvorhänge oder Rollos, damit nachts kein Licht aus Haus oder Wohnung dringt.
- Vermeide nächtliche Fahrten.
Tränken aufstellen
Vogeltränken und Bienentränken sind nicht erst im Sommer wichtig. Sie aufzustellen und zu pflegen, erfordert außerdem nicht viel Aufwand, hat aber einen großen, positiven Effekt für die Tierwelt – vor allem in der Stadt.
Vögel füttern
Die ganzjährige Wildvogelfütterung wird in Deutschland seit langem diskutiert, in anderen Ländern – wie zum Beispiel Großbritannien – ist sie hingegen längst Gang und Gäbe. Und das mit Erfolg.
Vögel verlernen durch die Fütterung nicht, selbst an anderen Stellen Nahrung zu suchen. Sie werden weder faul noch verwöhnt. Mit dem richtigen Futter steigen ihre Überlebenschancen jedoch erheblich.
Zuchtsets als Tierschutz im Frühjahr
Regenwürmer, Wildbienen, Marienkäfer, Schmetterlinge: Es gibt reichlich Zuchtsets für Nützlinge, mit denen du die Artenvielfalt in deiner Umgebung bereichern kannst. Diese eignen sich sogar schon für Kinder und du kannst sie selbst dann verwenden, wenn du keinen Garten hast.
Tierschutz im Frühling: Dein Einfluss ist größer, als du denkst
Tierschutz im Frühling beginnt nicht mit großen Projekten, sondern mit Aufmerksamkeit und kleinen Änderungen. Wenn du bewusster handelst, Lebensräume respektierst und kleine Anpassungen vornimmst, hilfst du unzähligen Tieren durch die sensibelste Zeit des Jahres.
Am Ende gilt: Nicht Perfektion ist entscheidend – sondern Rücksicht.







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