Die Tage werden länger, Blumen sprießen, Vögel singen jeden Morgen früher, und schon schlägt sie zu: die Frühjahrsmüdigkeit. Zumindest wurde das lange Zeit behauptet – allerdings nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz. In anderen Ländern ist das Phänomen zumindest nicht weithin bekannt. Und auch im D-A-CH-Raum nicht existent. Das sagt zumindest eine aktuelle Schlafstudie von schweizerischen Forschern.
Schweizer widerlegen Frühjahrsmüdigkeit
In der von April 2024 bis September 2025 laufenden Studie gaben anfangs 47 Prozent der Probanden an, sie würden regelmäßig unter Frühjahrsmüdigkeit leiden. In der Studie selbst wurden sie über ein Jahr lang alle sechs Wochen befragt.
Dabei stellte sich heraus, dass die Müdigkeit im Frühjahr nicht schlimmer war als in den anderen Jahreszeiten. Zusätzlich war auch die Schlafqualität nicht schlechter.
Was ebenfalls festgestellt wurde: In Phasen mit mehr und längerem natürlichen Licht, ermüden Menschen nicht ganz so schnell.
Wie entstand das Phänomen der Frühjahrsmüdigkeit?
Frühjahrsmüdigkeit hatte viele Erklärungen oder zumindest Erklärungsversuche. Ein noch vom Winter vorhandener Melatonin-Überschuss, hormonelle Umstellungen, Vitaminmangel, Wetterwechsel. Wahrscheinlich eine Mischung aus allem.
Die Studie der Schweizer zeigt nun aber, dass Frühjahrsmüdigkeit gar nicht existiert. Zumindest in der eher kleinen Gruppe der Teilnehmer. Und das, obwohl fast die Hälfte der Meinung waren, darunter zu leiden.
Nun wird davon ausgegangen, dass das Phänomen auf den Labeling-Effect zurückzuführen ist und es sich quasi um eine Art Placebo-Wirkung handelt.
Nachdem der Begriff „Frühjahrsmüdigkeit“ erfunden und verbreitet wurde, begannen Leute also daran zu glauben, dass sie im Frühling müder sind. Obwohl das gar nicht stimmt. Es gab ein Label, ein Etikett dafür, und wer im Frühjahr hin und wieder etwas müde ist, der ist eben nicht einfach nur müde, der leidet unter Frühjahrsmüdigkeit.
Dabei gibt es tatsächlich gute Gründe dafür, im Frühling müder zu sein.
Müde im Frühling? Das hat viele Gründe
Grund 1: Vitamin-D-Mangel am Hochpunkt
Schätzungsweise 30 Prozent der Menschen allein in Deutschland leiden unter einem erheblichen Mangel an Vitamin D. Lediglich 17 Prozent der Deutschen sind ausreichend mit dem essenziellen Mikronährstoff versorgt. Der Zustand ist also bereits im Herbst gelinde gesagt nicht das Gelbe vom Ei (das übrigens eine gute Quelle für Vitamin D ist).
Im Winter verschlimmert sich dieser Zustand noch, weil:
Wir uns erstens noch weniger unter freiem Himmel aufhalten und dabei mit Mütze, Schal und Handschuhen eingemümmelt sind.
Und zweitens die zur Vitamin-D-Bildung nötige Sonneneinstrahlung schwächer ausfällt.
Bei so manchem kann der Mandel dadurch im Frühjahr am Hochpunkt angelangt sein, was Abgeschlagenheit und Erschöpfung verschlimmert.
Grund 2: Wetterfühligkeit setzt uns zu
Der April, der April, der macht, was er will. Regen, Sonnenschein, Wind, gefolgt von dicker Wolkendecke, 20 Grad plus, 10 Grad minus – und das alles an einem Tag. Derartige Wetterumschwünge treten nicht erst im April auf, belasten den Kreislauf aber ordentlich. Das raubt wiederum Kraft und senkt das Wohlbefinden.

Grund 3: Wir werden aktiver
Frühjahrsputz erledigen, Balkon begrünen, Garten vorbereiten, Winterspeck abtrainieren und für einen flacheren Bauch sorgen – im Frühling werden viele Menschen aktiver und sind im Anschluss verständlicher Weise erschöpfter.
Grund 4: Arbeitsbelastung steigt
In vielen Unternehmen laufen im ersten Quartal des Jahres neue Projekte an, es gibt Änderungen oder besonders viele Aufträge. Wer während der Arbeitszeit mehr schaffen muss, ist im Anschluss logischerweise erschöpfter.
Grund 5: Die Erkältungs- und Grippewelle rollt
Die Hauptzeit für Erkältungen und Grippe liegt zwar im Herbst und Winter, auch im Frühjahr bestehen aber reichlich Risikofaktoren. Schnelle Wetterwechsel, zu dünne Kleidung, kalte Luft draußen und Heizungsluft drinnen sowie leere Vitaminspeicher schwächen das Immunsystem, die Schleimhäute und den Rest des Körpers.
Müssen die Abwehrkräfte auf Hochtouren laufen, fühlen wir uns schneller müde und haben weniger Antrieb.
Frühjahrsmüdigkeit gibt es nicht – aber Gründe für Müdigkeit im Frühjahr!
Im Winter haben die meisten Menschen die Erwartungshaltung, etwas müder zu sein und ruhiger zu machen. Wir kuscheln uns eher auf die Couch, als lange draußen unterwegs zu sein. Und (fast) alle machen dabei mit.
Im Frühling gehen hingegen viele davon aus, dass wir schlagartig mehr Energie haben müssten. Wer aber immer noch so viel Energie und Wachheit in sich hat wie im Winter, der leidet wohl unter der Frühjahrsmüdigkeit. Dabei hat sich außer dem Wetter und der Erwartungshaltung nichts verändert.
Du kannst allerdings durchaus etwas verändern, wenn du zwar weißt, dass die Frühjahrsmüdigkeit laut einer Studie nicht existiert – du aber dennoch im Frühjahr müde und abgeschlagen bist.
Lies hier weiter: Frühjahrsmüdigkeit bekämpfen – diese 10 Tipps helfen wirklich







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