Pick me Frauen werden als „Social Media Trend“ bezeichnet, dabei hat Social Media rein gar nichts mit ihrer Existenz und weiten Verbreitung zu tun. Und ein Trend sind sie ebenfalls nicht – sondern ein Problem, über das wir reden müssen.
Was sind Pick me Frauen?
Pick me oder „Wähl MICH!“ Mädchen und Frauen:
- betrachten andere Mädchen und Frauen als Konkurrenz im Kampf um (männliche) Aufmerksamkeit und Anerkennung.
- werten typisch weibliche Eigenschaften und Interessen ab und agieren oft (subtil) frauenfeindlich.
- stellen sich selbst als ganz anders dar als alle anderen Frauen, um bei Männern einen besseren Stand zu haben.
- gaukeln Gemeinsamkeiten mit Männern vor oder präsentieren sich als perfekte, dienende Frau.
- führen keine echten Freundschaften.
- haben oft keine wirklichen, eigenen Interessen.
- haben als höchste Ziele (männliche) Aufmerksamkeit, Partnerschaft oder Ehe und betrachten den Ehering als Statussymbol.
Wie kommt es zu Pick me Frauen?
Prägung und Patriarchat. Pick me Frauen erleben schon als Kinder, dass Frauen abgewertet werden. Ihnen wird vorgelebt, dass verheiratete Frauen einen besseren Stand haben als andere. Ein Blick auf die Familie zeigt häufig, dass ihre Mütter keine echten Freundschaften pflegen und sich selbst stark (oder komplett) über Ehemann und Kinder definieren. Sie werden darauf geprägt, andere Frauen als Konkurrenz zu betrachten. Sogar die eigenen Töchter.
Obwohl diese patriarchische Prägung nahezu alle Mädchen betrifft, werden längst nicht alle Mädchen zu Pick me Frauen.
Denn die Prägung und Erfahrung in der Familie und Gesellschaft sind es nicht allein, die darüber entscheiden. Andere Faktoren spielen ebenfalls große Rollen, wie:
- positive Erlebnisse mit Frauen
Wenn Mädchen die Frauen in ihrem Leben als Konkurrenz begreifen, häufen sich die schlechten Erfahrungen mit ihnen. Sind Mädchen umgeben von frauenfeindlichen Frauen und haben keine positiven Vorbilder, steigt also das Risiko, dass sie selbst zu Pick me Frauen werden.
- (Selbst-)Reflexion und Selbstwert
Selbstreflektierte Frauen mit einem hohen Selbstwertgefühl sind nicht auf die Aufmerksamkeit und Anerkennung anderer angewiesen. Sie definieren sich nicht über Partner, Kinder oder Likes von Nachbarn und Männern.
- (mangelnde) Interessen
Pick me Frauen haben oftmals keine wirklichen eigenen Interessen. Sie spielen Männern gemeinsame Interessen vor und pflegen ansonsten nur Hobbys, die ihnen Aufmerksamkeit und Anerkennung einbringen sollen.
Wie erkennt man eine Pick me Frau?
Stella liebt Comics und kann stundenlang über Marvel versus DC diskutieren. Sie geht lieber klettern als sich die Nägel zu lackieren und verbringt mehr Zeit mit Männern als mit anderen Frauen.
Nach der leider weit verbreiteten Definition von Pick me Frauen erfüllt sie viele der Anzeichen für eine „Wähl MICH!“ UND sie ist dennoch keine.
Warum nicht? Weil sie all dies nicht tut, um Männern zu gefallen. Sie macht es, weil es ihr wirklich Spaß macht.
Pick me Frauen fallen dadurch auf, dass sie ihr Verhalten und ihre „Interessen“ an den Reaktionen der Männer in ihrer Umgebung ausrichten. Sie wechseln ihren Kleidungsstil ebenso einfach und häufig wie ihre vermeintlichen Hobbys und Werte – solange sie auf Partnersuche sind.
Zudem werten sie andere Frauen ab, um selbst besser dazustehen, und sind daher oftmals frauenfeindliche Frauen. Sie nehmen Männer in Schutz, selbst wenn deren Verhalten gelinde gesagt verwerflich ist, und heben sie auf ein Podest. Sie pflegen keine wirklichen Freundschaften, schon gar nicht zu anderen Frauen. Dennoch treten sie häufig in Gruppen auf.
Zum einen, weil eine Frau als Einzelgängerin einen geringeren Wert für viele Männer hat. Zum anderen, weil sie die Aufmerksamkeit und den Neid anderer wollen.
Sind Pick me Frauen ein Social Media Trend?
Nein! Pick me oder „Wähl MICH!“ Mädchen und Frauen gibt es schon deutlich länger als Social Media wie Facebook und Insta. Sie sind kein Trend. Social Media Plattformen haben die Bezeichnung und Definition allerdings öffentlich gemacht und dienen der Aufklärung darüber.
Warum sind Pick me Frauen ein Warnzeichen und gefährlich?
Da Pick me Frauen andere Frauen als Konkurrenz begreifen, arbeiten sie oftmals aktiv gegen sie. Das erfolgt privat ebenso wie beruflich – und steht der Gleichberechtigung im Wege. Sie sind damit gleichzeitig Nebenprodukt und Verstärker für Misogynie.
Werden aus Pick me Frauen Mütter, geben sie die frauenfeindliche Prägung zudem weiter. Werden aus ihnen Boy Moms, entstehen häufig ungesunde Bindungen, die sich nicht nur auf die Beziehung zwischen Müttern und Söhnen beziehen.
Ein Warnzeichen sind sie auch deshalb, weil Frauen es immer noch nötig haben, sich über Ring am Finger und Aufmerksamkeit von Männern zu definieren.
Gibt es auch Pick me Männer?
Ja, es gibt auch Pick me Männer. Anders als bei Frauen beschreibt die Bezeichnung aber keine Männer, die aktiv andere Männer abwerten – sondern sich selbst. Sie appellieren damit an das Mitleid der Frauen und hoffen, auf diese Weise gewählt zu werden.
Außerdem betreiben sie damit „Compliment-Fishing“.
Sie können sich allerdings auch als Nice Guys präsentieren oder sich als Frauenversteher geben.







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