Warum hassen Frauen andere Frauen?

Frauenhass – bei diesem Wort denken die meisten an Männer. An Incels und Manosphere. An den Gender Pay Gap und Sexismus. Die Wenigsten denken dabei an ein anderes Problem: frauenhassende Frauen. Klingt ja auch unlogisch, Frauen, die andere Frauen hassen. Dennoch gibt es sie, und das nicht zu knapp. Warum frauenhassende Frauen existieren und warum sie ein ungeahnt großes Problem sind, erfährst du hier.

Warum gibt es frauenhassende Frauen?

Sofia wohnt in einem Mehrfamilienhaus. Sie ist jung, gutaussehend und Single. Wenn Sofia am Samstagabend nach Hause kommt, schließen ihre Nachbarinnen demonstrativ die Haustür vor ihrer Nase ab. Duscht sie um 21:30 Uhr klingelt es bei ihr um 21:31 Uhr und hagelt Beschwerden über die „nächtliche Ruhestörung“. Liegt ein Krümel im Hausflur, wird ihr vorgeworfen die Hausordnung nicht gründlich genug durchzuführen.

Bekommt sie männlichen Besuch, macht im Anschluss das Gerücht die Runde, sie wäre eine Prostituierte. Kein Wunder, anders kann sich ein junges Mädchen ja unmöglich allein die Wohnung leisten. Hört sie Musik, klopft es gegen Wände und Wohnungstür. Bringt sie Müll raus, wird kontrolliert, ob sie auch alles ordentlich getrennt hat und was sie wegwirft.

Sebastian wohnt im gleichen Haus, ist jung und Single. Und laut. Er knallt Türen, lässt die Bässe wummern, wirft um Mitternacht die Waschmaschine an. Er hat ständig Besuch und noch etwas: keinerlei Probleme mit den Nachbarinnen.

Gleiches Haus, gleiche Nachbarinnen, und objektiv betrachtet gibt er allen Anlass dazu, sich über ihn aufzuregen. Dennoch lebt er in Frieden, während Sofia gemobbt wird.  

Derlei Fälle sind weit verbreitet. Ob auf der Arbeit, im Freundeskreis oder am Wohnort: Frauen lassen ihren Frust eher an Frauen aus. Sie urteilen innerhalb des eigenen Geschlechts nicht nur härter und häufiger. Sie können sogar getarnt als „Freundinnen“ anderen Frauen das Leben schwer machen. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe.  

Prägung und Umgebung

„Wie ein Mädchen“ ist eine Beleidigung. Es ist eine Abwertung, eine Kritik und steht für Schwäche. Es ist außerdem verdammt weit verbreitet und sitzt unglaublich fest in vielen Köpfen. Nicht nur Jungs und Männer wachsen mit diesem Glaubenssatz auf und verinnerlichen ihn. Mädchen und Frauen ebenfalls.

Wer diese Prägung in der eigenen Umgebung nicht reflektiert, übernimmt sie und setzt sie fort Nicht nur, indem dieser Satz weiterhin abwertend verwendet wird.

Wer in einer Umgebung aufwächst, in der Mädchen und Frauen ständig kritisiert und abgewertet werden, der macht oftmals mit und weiter. Gelten für Jungs und Männer deutlich laxere Regeln, werden auch die übernommen. Das Resultat: Frauen müssen alles und dürfen nichts. Männer dürfen alles und müssen nichts.

Doch Prägung und fehlende Reflexion sind nicht die einzigen Gründe für frauenhassende Frauen.

Vom Opfer zur Täterin

Erika hat vieles erlebt. Sie hat erlebt, wie ihre Sportlehrerin Mädchen härter beurteilt und trainiert als Jungs. Sie hat erlebt, wie Freundinnen sich gegen sie wenden, wenn sie „anders ist als andere“. Sie hat erlebt, wie ausgerechnet ihre Kolleginnen hinter ihrem Rücken über sie lästern.

Sie war Opfer frauenhassender Frauen.

Dann entdeckt sie etwas, das viele Opfer entdecken: Wenn ich mit dem Finger auf andere zeige und andere angreife, habe ich meine Ruhe. Also wird sie zur (Mit-)Täterin.

Also ist sie härter zu anderen Frauen als zu Männern. Also kritisiert sie, was das Zeug hält, lästert und mobbt. Indem sie andere Frauen runtermacht, „verdient“ sie sich ihre Ruhe, ihren Frieden und ihren Platz im Kreis der Täter.

Wenn ich mich schon gegen Männer nicht wehren kann… – die Untertanen-Mentalität

Wird ein Mann auf offener Straße angegriffen, dann wird er nach Ort, Zeit, Tathergang und Beschreibung des Täters gefragt.

Wird eine Frau auf offener Straße angegriffen, dann wird danach gefragt, warum sie um diese Uhrzeit an dieser Stelle in diesem Outfit allein unterwegs war.

Redet ein Mann laut und aggressiv, gilt er als dominant, stark, durchsetzungsfähig.

Redet eine Frau laut und aggressiv, gilt sie als zickig, hysterisch und hat vermutlich ihre Tage.

Wir haben mittlerweile Wörter für typisch männliche, toxisch maskuline Verhaltensweisen, wie Mansplaining, Manterrupting und Manspreading.

Gleichzeitig haben wir einen verurteilten Vergewaltiger als Präsidenten der USA, sehen in den Nachrichten ständig Freisprüche oder lächerliche Strafen für andere Vergewaltiger und wir sehen dabei zu, wie Frauenrechte wieder weniger werden. Dabei waren sie noch nicht einmal im Jahr 2026 gleichauf mit den Rechten von und für Männer.

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass wir in der Welt der Männer leben. Sich als Frau gegen einen männlichen Täter zu wehren, ist nicht einfach und selten von Erfolg gekrönt.

Getreu dem Motto: „Nach unten treten, nach oben buckeln.“ – leiten frauenhassende Frauen ihren Frust dann auf die um, die nichts dafür können. Die sich aber auch nicht wehren können: auf andere Frauen. Sie machen andere runter, um sich selbst zu erhöhen.

Pick me-Frauen und Boy-Moms: Konkurrenzdenken und der Kampf um männliche Anerkennung

Daniela ist nicht wie andere Frauen. Zumindest sagt sie das immer wieder. Daniela mag andere Frauen nicht einmal. Sie findet sie zu anstrengend und zu laut. Kann mit Nagellack und Make-up nichts anfangen. Behauptet sie, obwohl sie selbst Nagellack und Make-up trägt.

Über andere Frauen lästert sie nur. Daniela ist im Vergleich zu anderen Frauen auch fürchterlich pflegeleicht. Sie erwartet nichts von Männern, lacht über sexistische, frauenverachtende Witze, entschuldigt Fehlverhalten von Männern, schiebt anderen Frauen grundsätzlich die Schuld zu.

Daniela ist eine Pick me-Frau. Pick me! – auf Deutsch „Wähl MICH!“ – Frauen setzen sich demonstrativ von anderen Frauen ab, um ihre Chancen bei Männern zu verbessern. Sie betrachten andere Frauen als Konkurrenz im Buhlen um männliche Anerkennung.

Ihre einzigen Freundinnen sind Lästerschwestern und auch die würden sie sofort vor einen Zug schubsen, wenn sie dafür im Ansehen eines Mannes aufsteigen würden. Für sie ist der Ehering am Finger ein Statussymbol, das sie besser macht als Single-Frauen. Das gilt selbst dann, wenn sie zutiefst unzufrieden mit ihrer Ehe sind.

Bekommen sie Söhne, werden aus Pick me-Frauen häufig die sogenannten Boy Moms, die sich nicht nur zu Schwiegermonstern weiterentwickeln.

Ihr einziges Ziel: die Anerkennung von Männern.

Ihr Grund für Frauenhass: In ihrer Welt sind Frauen die nervige Dauerkonkurrenz um die sehr begrenzte Anerkennung durch Männer.

Warum sind frauenhassende Frauen gefährlich?

Wenn von Frauenhass, Misogynie und Sexismus die Rede ist, dann sind Augenrollen, Ausreden und Relativierung nicht weit entfernt. Selbst Extreme sind normalisiert.

Jeden dritten Tag wird allein IN DEUTSCHLAND eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner ermordet. Jeden. Dritten. Tag. Liest du jeden dritten Tag – also zweimal pro Woche – von einer ermordeten Frau in Deutschland? Ich nicht. Irgendwie schaffen es die Opfer nicht in die Schlagzeilen. Von ihrem (Ex-)Partner ermordete Frauen fallen unter „Same shit – different day“. Gleicher Scheiß, anderer Tag.

Tjaja.

Und das im ach so gleichberechtigten Deutschland, wo Frauen doch schon lange nichts mehr zu meckern haben dürften. Immerhin darf frau hier seit 1994 auf dem Bau arbeiten und seit 1997 ist Vergewaltigung in der Ehe – aber auch da nur in der Theorie – strafbar.

Wenn schon Mord, Vergewaltigung und Berufsverbote nicht so richtig wirklich zählen, wie sieht es dann mit den Auswirkungen frauenhassender Frauen aus?

  • Frauenhass durch Frauen wird verharmlost:

Ob es sich um die mobbenden Nachbarinnen handelt, die Polizistinnen, die Körperverletzung begehen, Lehrerinnen, die ihren Schülerinnen schaden, oder Kolleginnen, die die Karrieren anderer Frauen vereiteln – vom Schwiegermonster bis zur Ärztin, die die Beschwerden ihrer Patientinnen ignoriert, wird Frauenhass unter Frauen oft belächelt. Besser oder harmloser wird er dadurch nicht.

  • Erziehung durch frauenhassende Frauen perpetuiert Misogynie:

(Frauenhassende) Frauen leisten weiterhin den Großteil der Erziehungsarbeit. Zu Hause bei den eigenen Kindern, als Tagesmütter, Babysitter, Erzieherinnen und Lehrerinnen. Sie erziehen Kinder weiterhin zum Frauenhass und stellen damit sicher, dass er so schnell nicht ausstirbt.

  • Frauenhassende Frauen verharmlosen Frauenhass:

Ein 12-jähriges Mädchen wirkt vergewaltigt. Von einer ganzen Gruppe von Jungs und Männern. Eine Richterin meint dazu: „Vielleicht hat sie nein gesagt, aber ja gemeint.“ Man könne von den Tätern nicht erwarten, dass sie das unterscheiden konnten. Frauen würden ja so manches Mal „kokettieren“.

Äh.

Frauen finden den Mut, für „Nein heißt nein“ einzutreten. Eine Pick Me-Frau haut raus, das Nein einer Frau sei schon manchmal ne Einladung….

Äh.

Hast du bis hierhin gelesen, hoffe ich inständig, dass ich dir nicht erklären muss, warum das gelinde gesagt problematisch ist.

Ob eine Frau einen männlichen Täter in Schutz nimmt oder einem weiblichen Opfer die Schuld zuweist: Frauenhassende Frauen verharmlosen in beiden Fällen Misogynie.

  • Frauenhassende Frauen zerstören den Zusammenhalt:

Wo kommen wir hin, wenn frau weder Nachbarinnen, noch Polizistinnen, noch Ärztinnen, noch Anwältinnen, noch Lehrerinnen, noch vermeintlichen Freundinnen vertrauen kann und frauenhassende Frauen ihnen das Leben schwer machen?

Wir landen im Jahr 2026.

In einem Jahr, in dem sich weiterhin 90 Prozent der Vergewaltigungsopfer nicht trauen, ihre Vergewaltigung anzuzeigen.

In einem Jahr, in dem allein in Deutschland weiterhin jeden dritten Tag eine Frau von ihrem (Ex-)Partner umgebracht wird. Und nicht darüber berichtet wird.

In einem Jahr, in dem alle Welt von der „Male Loneliness Epidemic“ spricht, obwohl es die gar nicht gibt.

In einem Jahr, in dem Cindy Adrina Speich ihr eigenes Haus nicht renovieren kann, ohne dabei frauenfeindliche Kommentare am laufenden Band zu kassieren.

In einem Jahr, in dem ein angekündigter Frauenstreik in Deutschland Gewaltdrohungen und Vergewaltigungsdrohungen anzieht – und die Polizei mal wieder nichts unternimmt.

Wir hätten schon so viel weiter sein können in Richtung Gleichberechtigung, schon so viel mehr erreichen können – zusammen. Wären da nicht die Frauen, die mit ihrer Zeit und ihrer Energie anderen Frauen das Leben zusätzlich schwer machen und die nächste Generation an Frauenhass erziehen.

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