Ist mein Partner ein Narzisst?

Ist mein Partner ein Narzisst? Diese Frage stellen sich immer mehr Menschen. Ein Grund dafür ist die zunehmende Aufklärung in der Gesellschaft über Narzissmus oder, genauer gesagt, die narzisstische Persönlichkeitsstörung. Hast du den Verdacht, dass dein Partner, ein Freund oder ein Familienmitglied dazu gehören? Hier findest du es heraus.

Ist mein Partner ein Narzisst? Der Grund für die Frage

Wenn du diesen Artikel liest, hast du zumindest den Verdacht, dass dein Partner oder ein anderer Mensch in deinem Leben ein Narzisst ist. Allerdings wird der Begriff mittlerweile so häufig und falsch verwendet, dass er immer weiter verwässert. Das bedeutet allerdings nicht, dass du nicht einen oder auch mehrere Narzissten in deinem Leben ertragen musst.

Frag dich aber zuerst: Warum stellst du die Frage „Ist mein Partner ein Narzisst?“

Geht es dir in einer Beziehung nicht gut? Fühlst du dich in einer Partnerschaft nicht sicher? Wirst du von jemandem kontinuierlich runtergemacht und kleingehalten? Oder wirst du ständig belogen? Hast du Angst in der Beziehung?

Oder hat dein Partner nur eine Sache gemacht, die du nicht gut findest?   

Die Unterscheidung ist wichtig, denn in der Beziehung mit einem Narzissten musst du dich in Sicherheit bringen. Bei einem „einfachen“ Beziehungsproblem kann es hingegen helfen, das Gespräch zu suchen.

Wie erkenne ich, ob mein Partner ein Narzisst ist?

Menschen mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung stellen sich leider nicht als solche vor. Sie reichen ihren Opfern nicht die Hand und sagen „Hi, ich werde dir das Leben zur Hölle machen, wenn du dich auf mich einlässt.“ Stattdessen nutzen sie oftmals Lovebombing, Fast Forwarding, spielen Gemeinsamkeiten vor, betreiben später Gaslighting und Breadcrumbing.

Die Narzissten-Checkliste verschafft dir einen ersten Überblick über typische Anzeichen.

Zwei Gesichter oder eine Maske

Es ist vollkommen normal, dass wir mit unterschiedlichen Menschen auch unterschiedlich umgehen. Mit Sicherheit redest du mit deiner Schwester oder deiner Mutter anders als mit einem Nachbarn, Kollegen oder deinem Chef.

Narzissten unterscheiden hingegen in Publikum und Opfer. Sie sind der netteste Mensch der Welt – nach außen. Sie können nahezu Fremden Hilfe beim Umzug anbieten, sich ehrenamtlich betätigen und dabei Bewunderung einheimsen, dem Nachbarn den Einkauf nach Hause tragen – und dann schließt sich eine Tür und sie werden zu einem Tyrannen, der seine geballte schlechte Laune an seinen Opfern (für gewöhnlich Partner und Familie) auslässt.

Erst himmelhochjauchzend, dann nichts mehr wert

Vor allem verdeckte Narzissten werden nicht als Narzissten erkannt. Sie sind nicht sonderlich eitel, prahlen nicht und machen (in der Öffentlichkeit) keine abfälligen Kommentare über andere. Sie behandeln auch Kellner und Co. nicht, als wären sie ihnen überlegen.

Ihre Opfer umgarnen sie zunächst und stellen sie auf ein Podest. Du bist das Beste, was ihm je passiert ist, Retter, Engel, Traumfrau oder Traummann, Prinz oder Prinzessin. Nach ein paar Wochen oder Monaten (seltener erst nach Jahren) wirst du ständig kritisiert und entwertet. Du kannst nichts mehr richtig machen – obwohl du dich nicht verändert hast. Du kannst exakt das machen, was der Narzisst von dir will, und doch machst du es falsch.

Kommt dann noch der Pups-Test dazu, für den kein wirklicher entfleuchter Pups nötig ist, wirst du endgültig behandelt wie ein Mensch der untersten Klasse. Was übrigens nicht das Ende der Beziehung bedeutet. Es bedeutet lediglich, dass die Maske des Narzissten noch weiter rutscht und er dich noch mehr entwertet.

Nein? Jetzt erst recht! – von Grenzen und Kontrolle

Kannst du zu deinem Partner problemlos „Nein“ sagen? Kannst du sagen „Nein, das möchte ich nicht.“ und er respektiert dein Nein? Dann stehen die Chancen gut, dass er kein Narzisst ist. Sagst du zu etwas nein, ziehst also eine Grenze und bei ihm scheint anzukommen „Jetzt mache ich das erst recht!“? Manipulation, Wutanfälle, Kritik und Schuldzuweisungen sind die typischen Folgen auf ein Nein von dir? Hast du Angst, Nein zu sagen? Dann such das Weite.  

Spiegel das Verhalten und die Hölle beginnt so richtig

Nahezu kein Mensch ist jederzeit selbstreflektiert. Wir benehmen uns manchmal wie die Axt im Walde, können das Falsche sagen oder uns danebenbenehmen. Selbst dann, wenn wir das nicht wollen. Weist uns jemand darauf hin, kritisiert uns dafür oder spiegelt unser Verhalten, ist das zwar nicht angenehm, aber spätestens dann verstehen wir den Wink mit dem Zaunpfahl und entschuldigen uns dafür. Wir überdenken unser Verhalten.

Nicht so Narzissten. Spiegel das Verhalten – mit anderen Worten: Benimm dich ihm gegenüber so wie er sich dir gegenüber benimmt oder behandle ihn so wie er dich – und mach dich schon mal auf einen Wutanfall der Sonderklasse gefasst. Denn Narzissten wollen kein Miteinander und kein auf Augenhöhe. Sie sind der Meinung, dass sie alles dürfen und nichts müssen und ihre Opfer alles müssen und nichts dürfen.

Austeilen, aber nicht einstecken können

Ist mein Partner ein Narzisst? Diese Frage kannst du zumindest zum Teil beantworten, wenn du dir das Ausmaß und die Verteilung der Kritik in deiner Partnerschaft anschaust. Ebenso wie bei den Regeln gilt: Narzissten teilen aus – zumindest bei ihren Opfern. Sie kritisieren nach und nach alles an dir.

Du arbeitest zu viel oder zu wenig. Verdienst nie die richtige Summe. Du kannst das liebste Essen servieren und hast doch das Falsche gekocht. Du bist zu streng oder nicht streng genug. Lachst zu wenig oder zu viel, ziehst dich falsch an und warum sitzt du eigentlich, nachdem du 16 Stunden auf den Beinen warst, schon wieder? Kann ja wohl nicht wahr sein, dass du nie irgendwas machst.

Das hast du zu schlucken. Ohne Wenn und Aber.

Übst du hingegen vorsichtig und behutsam konstruktive Kritik, weil der Narzisst zum 37. Mal in Folge absichtlich etwas falsch macht oder dich provoziert, explodiert er. Er nimmt sich die Kritik nicht an, reflektiert nicht und wird auch nichts ändern.

Ist mein Partner ein Narzisst? Warum die Antwort schwerfallen kann

Würde dir eine andere Person erzählen, dass ihr Partner sie zuerst auf ein Podest gestellt und sich selbst als Traumpartner präsentiert hat, sie nun aber kontrolliert, belügt, in einer Tour zu Unrecht kritisiert, droht und sie mit Brotkrumen abspeist, wäre die Lage ziemlich klar.

Steckst du aber selbst in einer solchen Beziehung, fällt es oftmals sehr schwer, klar zu sehen. Aber er war doch am Anfang so nett und lieb zu dir. Aber er hat doch letztens noch versprochen, dass…. Aber er ist doch zu allen anderen super, also liegt es vielleicht an dir.

Beschäftigst du dich eingehend mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung und Beziehungen zu Narzissten, kann das Licht ins Dunkle bringen. Aber selbst dann sind da immer noch deine Hoffnung darauf, dass es wieder wird wie am Anfang und nicht zuletzt deine Gefühle für die Person. Auch dann, wenn dir die Person in keiner Weise guttut und dich sogar aktiv schädigt.

Narzisst oder nicht? Wichtig ist das Etikett nicht (aber hilfreich für dich)

Stellst du dir die Frage „Ist mein Partner ein Narzisst?“ liegt das vermutlich nicht daran, dass es dir in deiner Beziehung blendend geht und du vor lauter Zufriedenheit und Glück nicht weißt wohin mit dir.

Als ich mich nach dem schlimmsten Narzissten in meinem Leben an einen Therapeuten wendete, sagte er mir „Alles, was Sie mir erzählt haben, klingt wie die Lehrbuch-Definition eines Narzissten.“ Meine erste Reaktion war nicht Erleichterung, sie war kein Aha-Effekt, sie bestand aus „So eitel ist er gar nicht.“ Denn meine Vorstellung von einem Narzissten bestand aus Eitelkeit, Selbstverliebtheit und jeder Menge arrogantem Prahlen.

Doch dann las ich einen Artikel über Narzisstische Persönlichkeitsstörung und dann noch einen über den Ablauf einer Beziehung mit einem Narzissten und plötzlich waren sie da, die Erkenntnis und die Erleichterung. Denn:

  1. Es lag nicht an mir.
  2. Ich war damit nicht allein.
  3. Das Problem hatte einen Namen.

Im ersten Moment ist es aber egal, ob du auf einen Narzissten hereingefallen bist, dein Partner „nur“ narzisstische Züge hat oder du aus anderen Gründen unzufrieden in der Beziehung bist. Die erste wichtige Frage ist nicht, „Ist mein Partner ein Narzisst?“ Sie lautet stattdessen:

„Wie geht es mir in der Beziehung?“

Fühlst du dich ständig kritisiert und entwertet? War dein Partner anfangs ein guter Zuhörer und ihr habt stundenlang miteinander geredet, jetzt fragt er nicht einmal mehr, wie dein Tag war? Hast du Angst vor ihm oder Angst davor, überhaupt etwas zu sagen? Hat dein Partner zwei Gesichter?

Drehen sich eure Gespräche und Konflikte ständig im Kreis? Lügt dein Partner selbst dann weiter, wenn du ihm 85 Beweise dafür vorlegen kannst, dass er lügt und beschuldigt dich dann? Überträgt er seine Fehler auf dich? Macht er dich für alles verantwortlich, egal, wie absurd es ist?

Jeder einzelne dieser Punkte ist bereits für sich genommen schlimm genug. Kommen zwei oder mehr zusammen, hat eins Priorität: Befrei dich aus der Situation. Unabhängig davon, ob dein Partner eine Narzisstische Persönlichkeitsstörung hat oder nicht.  

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