Ich habe keine Interessen (mehr) – Ursachen und Auswege

Ich habe keine Interessen (mehr) – hast du das schon mal gesagt oder dir gedacht? Findest du alles öde, gaukelst aber Hobbys und Interessen vor? Hier erfährst du, was die Ursachen dafür sind und wie du Abhilfe schaffen kannst.

Keine Interessen oder keine Interessen mehr?

Es ist ein bedeutender Unterschied, ob du noch nie wirkliche Interessen hattest oder ob dir nichts mehr Spaß macht. Hast du keine Interessen und keine Freude mehr, deutet das auf ein Problem hin. Der Zustand ist auch als Anhedonie bekannt und hat mögliche Ursachen wie:

  • (Erschöpfungs-)Depression
  • Trauer
  • Schlafmangel
  • Nährstoffmangel
  • Posttraumatisches Stresssyndrom
  • Schizophrenie

Denkst du dir „Ich hab keine Interessen mehr“ handelt es sich um Freudverlust und damit um ein Anzeichen dafür, dass du (medizinische) Hilfe benötigst.

Anders verhält es sich, wenn du noch nie wirkliche Interessen hattest oder das zumindest glaubst.

Keine tiefe Leidenschaft auf den ersten Blick

Liebe auf den ersten Blick kennen wir alle, zumindest dem Namen nach. Aber ebenso wie es sich dabei nicht um Liebe handelt, sondern um Attraktivität, gibt es kein tiefes Interesse auf den ersten Blick.

Mit Sicherheit kennst du jemanden, der starke Interessen hat. Kann sich deine Nachbarin zum Beispiel stundenlang mit Pflanzenpflege beschäftigen? Brennt ein Freund für Fußball? Hat sich deine Schwester in ihrer Freizeit zur Sterneköchin entwickelt und ist dein Bekannter ein Experte für Film Noir?

Frag bei anderen nach, wie sich ihre Interessen und ihre Hobbys entwickelt haben. Die Antwort wird in den seltensten Fällen lauten, dass sie einfach sofort davon fasziniert waren und alles immer einen Heidenspaß gemacht hat. Meistens haben sie es irgendwann mal ausprobiert, irgendwann mal etwas nachgelesen, und je mehr sie sich damit beschäftigten, umso mehr Freude bereitete es ihnen und umso mehr beschäftigten sie sich damit. Ihre Interessen sind also allmählich gewachsen.

Tipp #1: Mehr ausprobieren, mehr Interessen

Lass dich von den Interessen anderer inspirieren und probier so viel wie möglich aus. Auch, wenn es dich anfangs nicht oder nur wenig interessiert. Stell eine Liste mit möglichen Interessen und Hobbys auf und sei dabei ruhig kreativ.

Lass dich von anderen anstecken und dir erklären, was sie an ihren Hobbys und Interessen spannend finden. Das hilft oftmals dabei, ein besseres Verständnis zu entwickeln.

Wie kam der Experte für Fische zum Beispiel zu seinem allerersten Aquarium? Warum lernt deine Bekannte die fünfte Fremdsprache? Wie kam die Frosch-Sammlung deiner Mutter zustande und warum macht sie sich immer wieder auf die Suche nach der nächsten Figur?

Tipp #2: Denk zurück an deine Kindheit

Die Kindheit hat einen starken Einfluss auf das ganze Leben. Das wissen wir alle. Kinder sportlicher Eltern werden oft selbst sportlich. Haben sie doch viel Freizeit in einer prägenden Phase mit Wanderungen, Radtouren, Skifahren oder Federball verbracht. Kinder tierreicher Familien können sich ein Leben ohne Vierbeiner oftmals nicht vorstellen. Hatte ein Verwandter ein Faible für Fotografie, ist schon in jungen Jahren mehr Verständnis für alles vor der Linse vorhanden.

Es geht aber nicht nur darum, was für Hobbys und Interessen deine Eltern, Geschwister, Onkel, Tanten und Großeltern hatten. Es spielt auch eine entscheidende Rolle, wie damit in deiner Familie umgegangen wurde. Wurde deine Neugier gefördert? Durftest du viel ausprobieren? Oder wurden deine Interessen als Zeitverschwendung abgetan und belächelt?

Haben Eltern selbst keine Interessen und keine Leidenschaften, prägt dich auch das.

Tipp #3: Denk an die Interessen deiner Kindheit zurück

Was hat dir in deiner Kindheit Spaß gemacht? War es (Aus-)Malen, mit Bausteinen konstruieren, Geschichten erfinden, die Natur erkunden, basteln? Wolltest du gerne wissen, wie Motoren funktionieren oder hast du Steine gesammelt?


Was dir einst Spaß gemacht oder dich fasziniert hat, ist ein guter Anhaltspunkt dafür, jetzt Interessen zu entwickeln.

Aber das ist doch alles so kindisch!

Ist es das? Modellbau, Puzzles, Ausmalbücher für Erwachsene, Videospiele, ja sogar Vogelbeobachtungen zeigen deutlich, dass vieles aus der Kindheit durchaus erwachsenentauglich ist und nicht umsonst großen Anklang findet. Denn es macht Spaß, entspannt und kann sogar Fähigkeiten und Fertigkeiten trainieren.

Also lass das aus deiner Kindheit wieder aufleben, was dir Spaß gemacht oder was dich interessiert hat. Was ist das Schlimmste, was dabei passieren kann? Dass es dir keinen Spaß mehr macht. Oder, dass es dir Spaß macht und du den Spott anderer fürchtest? Dann verrat es einfach nicht. Oder steh dazu und verweis auf all die anderen Trends, die sich längst etabliert haben und die zunächst belächelt wurden.

Tipp #4: Vergiss den Coolness-Faktor

Trends sind eine Möglichkeit, neue Interessen zu finden. Ist etwas zum Trend geworden, bringt es gleichzeitig einen gewissen Coolness-Faktor mit sich und du hast schlagartig zahlreiche andere Menschen, mit denen du darüber reden kannst. Mach also ruhig bei dem einen oder anderen Trend mit.

Bei wahren Interessen solltest du Trends und den Coolness-Faktor hingegen vergessen. Denn sie sind nichts, bei dem es ums Angeben oder um Bewunderung geht. Sie müssen einzig und allein dir Spaß machen und deine Neugier wecken.

Also probier Enkaustik aus, Sticken oder Klöppeln, beschäftige dich mit Film Noir oder der Geschichte der Socken.

Tipp #5: Überprüf dein Umfeld und besinn dich auf dich

Kennst du das: Du hast gerade eine Trennung hinter dir und plötzlich fällt dir auf, wie lange du keine Musik gehört hast. Oder Zwiebeln gegessen. Oder die Filme angeschaut, die dir gefallen. Vielleicht hast du auch gerade Urlaub und plötzlich realisierst du, wie lange du schon kein neues Gericht mehr ausprobiert hast oder einfach mal einen Abend damit verbracht, Dokumentationen anzuschauen – obwohl du genau das magst. Vielleicht belächeln dich deine Freunde oder deine Familie auch für deine Interessen und halten dich damit von ihnen ab.

Dein Umfeld hat einen entscheidenden Einfluss darauf, ob du Interessen hast und welche Interessen du hast. Ein respektvoller Freundeskreis und Partner werden dich dabei ermutigen, deine Neugier und deine Leidenschaft zu verfolgen. Ungesunde Einflüsse machen sich hingegen lustig oder vermitteln dir, dass du in der Zeit besser etwas „Richtiges“ machst. Hier geht es um ihre Macht über dich. Nicht um wahre Interessen.

Stellst du genau das fest? Dann wird es Zeit für einen Frühjahrsputz im Freundeskreis.

Ich habe keine Interessen – dann finde welche

Interessen und Hobbys zu finden, braucht etwas Zeit und Geduld. Und deinen Willen, Altes aufleben zu lassen und Neuem eine Chance zu geben. Vielleicht hast du auch längst ein Interesse, hast dich aber bisher nicht getraut, es zu verfolgen und zu vertiefen.

Dabei ist ganz egal, ob du Kerzen ziehen möchtest, YouTube-Videos drehen oder Skateboards designen. Fang am Anfang an und probier es aus. Selbst, wenn daraus nicht deine große Leidenschaft wird, lernst du etwas dabei und machst dein Leben interessanter.

Hinterlasse einen Kommentar

Mein Leben Eben

Finde Ratgeber, Rezepte, Tipps und spannende Themen, die uns alle angehen. Mach dir dein Leben leichter, gestalte es aufregender oder entspannter – MeinLebenEben hilft dir dabei!

Let’s connect