Die Zahl ausgebrannter Eltern ist in den letzten Jahren deutlich angestiegen und liegt laut einer Umfrage der KKH aktuell bei 70 Prozent. Mit 55 Prozent war sie allerdings auch davor alles andere als niedrig. Hast du Angst vor einem Burnout oder befindest dich bereits darin? Dann bist du alles andere als allein. Hier erfährst du, woran du den Eltern-Burnout erkennst, welche Hilfen dir zur Verfügung stehen und wie du dem Ausbrennen als Elternteil vorbeugen kannst.
- Eltern-Burnout erkennen – Symptome der intensiven Erschöpfung
- Ursachen für den Eltern-Burnout: zwischen Wettbewerb und Tabu
- Dem Eltern-Burnout vorbeugen
- Tipp #1: Freiraum und Freizeit schaffen
- Tipp #2: Klare und faire Aufgabenverteilung
- Tipp #3: Nein sagen lernen
- Tipp #4: Partnerschaft und Freundschaften ernst nehmen
- Tipp #5: Hilfe in Anspruch nehmen und Möglichkeiten schaffen
- Tipp #6: Andere Themen kennen
- Tipp #7: Rechtzeitig die Reißleine ziehen
- Tipp #8: Wirklich schöne Momente sammeln
- Tipp #9: Journaling und darüber reden
- Hilfe bei Eltern-Burnout
- Hilfe #1 bei Eltern-Burnout: Hausarzt
- Hilfe #2 bei Eltern-Burnout: Therapeut
- Hilfe #3 bei Eltern-Burnout: Familienberatung
- Hilfe #4 bei Eltern-Burnout: Krankenkasse
- Hilfe #5 bei Eltern-Burnout: Jugendamt
- Hilfe #6 bei Eltern-Burnout: (online) Selbsthilfegruppen
- Hilfe #7 bei Eltern-Burnout: Mutter-ohne-Kind-Kur
- Eltern-Burnout – ein Tabu, über das wir reden müssen
Eltern-Burnout erkennen – Symptome der intensiven Erschöpfung
Der Eltern-Burnout tritt schleichend ein und fällt daher oftmals erst spät auf. Eltern können sich zudem einreden, dass der Zustand der intensiven Erschöpfung in wenigen Tagen vorbeigeht. Das erschwert es, das Ausgebranntsein rechtzeitig zu erkennen und gegenzusteuern.
Typische Symptome sind:
- Abgeschlagenheit und anhaltende Müdigkeit
- Freudlosigkeit
- gefühlsmäßige Distanz zu den Kindern
- innere Leere
- kreisende Gedanken, Sorgen, Selbstzweifel oder Schuldgefühle
- Pausen erzeugen keine Erholung
- Schlafstörungen
- sinkende Leistungsfähigkeit
- tiefe Erschöpfung
- Gereiztheit bis hin zu Wutanfällen
Der Zustand hält über mehrere Wochen oder Monate an und kann durch die blank liegenden Nerven, die emotionale Distanz zu Kindern und Partner und die Gereiztheit zu Nervenzusammenbrüchen, psychischer oder physischer Gewalt führen. Bereits die Gereiztheit allein ist es, die wiederum Schuldgefühle hervorruft, den Schlaf stört und damit die Energie immer weiter senkt.
Doch wie kommt es dazu, dass immer mehr Eltern ausbrennen?
Ursachen für den Eltern-Burnout: zwischen Wettbewerb und Tabu
Klimawandel, Teuerungen und eine schwierige Lage bei der Kinderbetreuung haben die Anzahl der Eltern-Burnouts von 55 auf 70 Prozent erhöht. Mit anderen Worten: Der Großteil ausgebrannter Mütter und Väter ist aus anderen Gründen chronisch erschöpft.
Einige der Ursachen werden dich überraschen:
Burnout Ursache #1: Veränderte Erziehungsmethoden
Die bedürfnisorientierte Erziehung hat sich bei vielen jungen Familien und hier insbesondere bei Müttern weit verbreitet. Zwischen Dauertragen, Langzeitstillen und Familienbett stehen die Kinder hierbei durchgängig im Mittelpunkt.
Das Wohnzimmer verwandelt sich ins Familienzimmer, ist in der Realität aber ein Spielzimmer.
Die Freizeit der Eltern wird bei Playdates oder auf dem Spielplatz verbracht.
Eltern haben durch das Familienbett weder Raum noch Zeit für sich. Und das teilweise über viele Jahre hinweg.
Das gilt zumindest dann, wenn bei der bedürfnisorientierten Erziehung ausschließlich die Bedürfnisse und Wünsche der Kinder berücksichtigt werden, sie ins Extreme getrieben oder falsch verstanden wird. Leider kommt genau das sehr häufig vor. Sie kann bis zur Selbstaufgabe der Eltern reichen, führt zur Vernachlässigung der eigenen Person, der Hobbys, der Partnerschaft und der Freundschaften. Und damit früher oder später unweigerlich in den Eltern-Burnout.
Burnout bei Eltern Ursache #2: Hohe Ansprüche und Perfektionismus
Bereits bei Säuglingen wird der Wochenplan oftmals reichlich gefüllt. Stillkreis, Krabbelgruppe, Babyschwimmen, Baby-Massage, Baby-Yoga und PEKiP gehören zum absoluten Minimum, das absolviert werden muss. Bei Kleinkindern kommen Playdates und andere Kurse dazu und spätestens Schulkinder müssen von einem Verein zum Nächsten, zu zusätzlichem Unterricht und zu den Freunden gefahren werden. Hinzu kommt noch das perfekte Zuhause, die perfekten Wochenenden, der perfekte Urlaub.
Wer alles perfekt machen will, stößt dabei unweigerlich an die Grenzen der Belastung und kann sich regelrecht in den Burnout katapultieren.
Eltern-Burnout Ursache #3: Soziale Medien und Vergleiche
Social Media trägt direkt und indirekt zum Perfektionismus und zum folgenden Punkt bei. Schließlich geistern hier reichlich vermeintlich perfekte Familien herum, bei denen Nachwuchs und Wohnung wie aus dem Ei gepellt wirken, während jederzeit die perfekte Laune herrscht.
Wer sich damit vergleicht, kann sich schnell unzulänglich vorkommen und den eigenen Perfektionismus noch zusätzlich anheizen.
Burnout Ursache bei Eltern #4: Fassade statt Freude
Traurigerweise ist die folgende Begebenheit weder erfunden noch selten: Am Strand taucht eine Familie auf. Mutter, Vater, zwei Söhne. Der eine vielleicht drei Jahre alt, der andere geschätzte 6 Jahre alt.
Bewaffnet mit Strandspielzeug, Tüchern und Sonnencreme scheinen sie sich auf ein paar spaßige Stunden einzustellen. Doch dann kommt das Stativ zum Vorschein, der Sonneneinfall wird geschätzt, Probeaufnahmen gemacht, das Fotoshooting beginnt. Statt zu spielen, zu schwimmen, sich zu sonnen und dabei Energie zu tanken und wirkliche Erinnerungen zu schaffen, instruiert die Mutter den Vater und die Kinder, sich in Posen zu werfen.
Nachdem Spielen imitiert, Sonnencreme als lustiges Make-up auf den Gesichtern verteilt und sich alle übereinandergestapelt haben, um hundert Aufnahmen zu schießen, werden die Fotos kontrolliert, einige für gut befunden und wieder von dannen gezogen. 20 Minuten hat die Inszenierung gedauert und hat nur einen Zweck: Die perfekte Fassade schaffen. Die gestellten Bilder werden gerahmt an den Wänden landen und den Eindruck des perfekten Familienurlaubs erwecken und sie werden Likes auf Social Media sammeln.
Gemeinsam oder auch allein Spaß gehabt hat hier allerdings niemand. Der Eindruck für andere ist damit wichtiger als das Erleben, was auf Dauer deutlich zu wenige schöne Erfahrungen und Erinnerungen bedeutet, Energie raubt und krank macht.
Ursache für den Eltern-Burnout #5: keine Hilfen nutzen
Oma, Opa, Onkel, Tante, Freunde, Babysitter, Haushaltshelfer, die Nachbarn – natürlich hat nicht jeder alle Möglichkeiten der Unterstützung. Oft werden aber auch die vorhandenen Möglichkeiten schlichtweg nicht genutzt.
Von der Hilfe beim Einkauf bis zum Bilden von abwechselnden Fahrgemeinschaften, abwechselnder Kinderbetreuung oder einer klaren Aufgabenverteilung haben die meisten Eltern sehr viel Potenzial, der Überlastung und damit auch dem Eltern-Burnout vorzubeugen.
Vor allem Mütter wollen aber häufig alles rund um das Kind selbst erledigen oder übernehmen alle Aufgaben, weil der Partner sie vermeintlich falsch ausführt oder sie glauben, sie hätten keine andere Wahl. Wer alles selbst macht, wird unweigerlich ausbrennen.
Dem Eltern-Burnout vorbeugen
Bevor du dich ausgebrannt fühlst, stehen dir eine ganze Reihe von Möglichkeiten zur Verfügung, dem Burnout vorzubeugen. Hier erfährst du, wie es funktioniert.
Tipp #1: Freiraum und Freizeit schaffen
Du solltest wöchentlich wenigstens zwei Zeiträume haben, in denen du etwas nur für dich machen kannst. Heuer für ein oder zwei Stunden einen Babysitter an, vereinbare mit deinem Partner, dass er zu diesen Zeiten dran ist oder wechsle dich mit anderen Eltern bei der Betreuung ab. Ein wöchentliches Playdate bei Freunden oder mit den Nachbarskindern funktioniert ebenso gut wie ein Nachmittag bei den Großeltern.
Mach in dieser Zeit etwas für dich. Nimm ein Bad, triff dich mit Freunden, geh zum Yoga oder hol Schlaf nach. Die regelmäßigen Freizeiten und Freiräume sind entscheidend dafür, nicht auszubrennen. Und sie sind realisierbar, sogar für Alleinerziehende. Wie es funktionieren kann, erfährst du im Tipp #5.
Tipp #2: Klare und faire Aufgabenverteilung
Dein Partner und du gehen beide arbeiten und doch bleiben Haushalt und Kinder zu 99 Prozent an dir hängen? Bei dieser Schieflage sind Burnout und Beziehungsprobleme vorprogrammiert.
Stellt eine klare und faire(!) Aufgabenverteilung auf. In diese können auch bereits Kinder mit einbezogen werden. Den Tisch decken, das eigene Spielzeug wegräumen, beim Abwasch helfen, damit er schneller geht, beim Einkauf einfache Sachen holen oder die Schmutzwäsche tatsächlich bis in den Wäschesammler bewegen: Auch wenn es dabei anfangs Schwierigkeiten gibt, kannst du durch die Aufgabenverteilung gleich mehrere Vorteile erreichen.
Deine Kinder lernen dabei Pflicht- und Verantwortungsbewusstsein, den Wert von Arbeit und können zumindest im Ansatz erahnen, wie viel du täglich leistest. Du erhältst dafür auf Dauer eine entlastende Aufgabenverteilung, bei der jeder im Haushalt auch zum Haushalt beiträgt. Das stärkt wiederum die Bindung.
Tipp #3: Nein sagen lernen
„Ich kann nicht einmal mehr allein auf Toilette!“
Wann immer ich mit einer Freundin telefoniere, reden Ihre Kinder munter dazwischen. Sie wollen dies und jenes, und zwar jetzt sofort. Sie haben tausend Fragen und stören vehement das Gespräch. Genau das gleiche Spiel zeigt sich, wenn ihre Mutter auf Toilette geht. Diese Mutter ist davon genervt und beschwert sich auch darüber, dass sie weder in Ruhe telefonieren noch das WC nutzen kann.
Was sie allerdings nicht macht, ist das Wort NEIN finden. Dabei wäre genau das die Lösung. NEIN, JETZT NICHT.
Dabei können das Warten für einige Minuten selbst kleine Kinder lernen. Und genau das sollten sie.
Freiräume und ungestörte Freizeit inklusive Respekt schaffst du, indem deine Kinder deine Grenzen kennen und sie respektieren. Etabliere feste Regeln.
Zum Beispiel:
Wenn die Badezimmertür hinter dir zugeht, wirst du nicht angesprochen.
Wenn du telefonierst, wird nicht dazwischen geredet.
Du kannst deinen Kindern natürlich erklären, dass du danach wieder für sie da bist. Du solltest ihnen auch erklären, dass du sie ebenso wenig auf der Toilette oder beim Spielen oder Sprechen mit ihren Freunden störst. Aber dein Nein muss konsequent sein.
Das gilt auch für andere Bereiche. In den wenigsten Fällen muss etwas jetzt sofort sein. Fordere daher ruhig ein, dass du eine ungestörte(!) Stunde für dich hast.
Denk dabei an die Regel: Kinder testen nicht ihre Grenzen. Sie testen DEINE Grenzen. Ein konsequentes Nein und feste Regeln machen dich zum verlässlichen Elternteil und geben einen zuverlässigen, sicheren Rahmen vor.
Tipp #4: Partnerschaft und Freundschaften ernst nehmen
Endlich ein Abend unter Freunden und ohne Kinder. Endlich ein Abend, an dem es mal um erwachsene Themen gehen kann.
Am Ende des Abends wissen alle die Kinderbetreuung der anderen Bescheid und sind auf den aktuellen Stand von Paw Patrol gebracht. Was ansonsten im Leben vor sich geht weiß allerdings niemand.
Zum Geburtstag des Kindes wird eine große Party gefeiert. Von Hand gebastelte Dekorationen, selbstgebackener und aufwendig dekorierter Kuchen, ein kompletter Plan für zahlreiche Spiele und ein großer Haufen Geschenke liegen parat.
Zum Jahrestag mit dem Partner gibt es ein Date, bei dem über die Kinder gesprochen wird – sofern überhaupt an den Jahrestag gedacht wird.
Nimm deine Freundschaften und deine Partnerschaften ernst. Dazu gehört es, ungestörte Zeit mit Freunden und Partner zu verbringen – und sie nicht immer ganz weit hinter den Kindern anzusiedeln. Dazu gehört es auch, weiterhin Interesse am Leben anderer zu haben.
Freunde, Familie und Partner ernst zu nehmen, sich mit ihnen auszutauschen und sich um sie zu bemühen, gibt Kraft. Es bringt Balance in dein Leben und ist ein wunderbares Vorbild für deine Kinder. Gleichzeitig stärkst du damit dein soziales Netzwerk, was in mehrfacher Hinsicht dem Eltern-Burnout vorbeugt.
Tipp #5: Hilfe in Anspruch nehmen und Möglichkeiten schaffen
Es gibt zahlreiche Mittel und Maßnahmen, dir das Leben zu erleichtern und damit dem Eltern-Burnout vorzubeugen. Vielen sind diese Möglichkeiten nur nicht bewusst oder sie haben Hemmungen davor, sie zu nutzen.
- (Leih-)Großeltern:
Wohnen die Großeltern der Kinder zu weit weg, sind sie immer noch eine gute Möglichkeit der familiären Betreuung während der Ferien oder für kinderfreie Wochenenden.
Zusätzlich gibt es reichlich Menschen, deren Enkel zu weit weg wohnen oder die keine leiblichen Enkel haben. Sie können deinen Alltag als Leihgroßeltern erleichtern.
- Fahrgemeinschaften
Deine Kinder und die Nachbarskinder oder die Freunde deiner Kinder müssen zur gleichen Schule, zur gleichen KiTa oder zum gleichen Verein? Führt Fahrgemeinschaften ein. Der Anfang davon gestaltet sich oftmals holprig, aber das Durchhalten lohnt sich. Denn alle Beteiligten sparen dadurch Zeit, Geld und Aufwand, schonen ihre Autos und die Umwelt.
Als Alternative lohnt sich ein Blick auf öffentliche Verkehrsmittel oder darauf, welche Strecken dein Kind bereits mit dem Fahrrad absolvieren kann.
- Freunde einspannen
Du hast kinderlose Freunde oder Freunde mit Kindern? Beides hat Vorteile. Verbindet Treffen mit der Bespaßung der Kinder oder ohne Fokus auf den Nachwuchs. Lass Sie Babysitten oder veranstaltet Grillabende, Essen, Spaziergänge – bei denen die Kinder zur Abwechslung nicht im Vordergrund stehen.
- Gartenhilfe
Ihr habt einen Garten, aber das Rasenmähen und Verschneiden der Hecke nervt dich ebenso wie das Unkrautjäten und ohnehin hast du dafür keine Zeit? Such dir einen Helfer, der zumindest gelegentlich die groben Arbeiten übernimmt.
Möchtest oder kannst du dafür kein Geld ausgeben, kannst du ein Tauschgeschäft veranschlagen. Möglich ist es beispielsweise, den Ertrag deiner Obstbäume zu teilen, dem Helfer ein Beet zur eigenen Verwendung zu schenken oder deinen Garten für die Hilfe als Location für ein bis drei Gartenpartys anzubieten.
- Haushaltshilfe
Deine Wohnung braucht dringend einen Grundputz? Bevor du einen kompletten Tag darauf verschwendest und dir nochmal Arbeit auflädst, engagier eine Haushaltshilfe. Während sie tätig ist, kannst du etwas mit deiner Familie unternehmen, oder die Kinder zu Freunden bringen und anschließend deine kinderfreie Freizeit genießen.
Alternativ kannst du eine Haushaltshilfe zum wöchentlichen oder monatlichen Luxus werden lassen.
- Lieferung statt Einkauf
Im Supermarkt einzukaufen ist ein Zeitfresser, das gilt vor allem mit Kindern. Die Fahrt hin und zurück, Parkplatzsuche, Diskussionen darüber, was gekauft wird und was nicht, an der Kasse anstehen – spar dir all das und bestell den Wocheneinkauf stattdessen online.
Aber nicht, bevor du nicht den folgenden Tipp gelesen hast.
- Meal Prep
Tägliche gesunde, ausgewogene Mahlzeiten auf den Tisch zu bringen, ist zeitintensiv. Immerhin geht es hierbei nicht nur um Einkauf, Schnippeln und Kochen, sondern auch noch um den Abwasch und die ewig gültige Frage: Was essen wir heute?
Besser, da einfacher, schneller und günstiger: Meal Prep.
Koch ein- oder zweimal pro Woche vor, und zwar gleich für mehrere Tage. Auf diese Weise verbringst du deutlich weniger Zeit mit dem Kochen und allem, was dazu gehört. Wählst du die richtigen Rezepte aus, sparst du die Ausgaben beim Einkauf und entlastest dabei dein Budget. Gerade in Hinblick auf die Teuerungen, ist das auch eine nervliche Entlastung und damit vorbeugend gegen Eltern-Burnout.
Ein weiterer und unterschätzter Vorteil von Meal Prep ist die Zeit für dich, die du dabei haben kannst. Geht es um Hilfe in der Küche, finden zumindest ältere Kinder ganz schnell andere Beschäftigungen. Also telefonier in der Zeit mit Freunden, hör deine liebste Musik, lass deine liebste Serie oder einen Podcast nebenbei laufen.
Alternativ kannst du dich beim Kochen und Vorbereiten der Mahlzeiten auch mit anderen Personen abwechseln und dir eine Sammlung an besonders einfachen und schnellen Rezepten zulegen.
- Onkel und Tante
Geschwister, Schwager und Schwägerin einzuspannen ist eine unterschätzte Hilfe. Habt ihr alle Kinder? Dann verwandle den nächsten Besuch am Wochenende in aufgeteiltes Babysitting. Einen Tag kümmern sich Onkel und Tante um deinen Nachwuchs. Einen Tag kümmerst du dich um Nichten und Neffen. Schon haben alle Eltern einen freien Tag gewonnen.
Zudem müssen Onkel und Tante nicht unbedingt verwandt oder angeheiratet sein. Freunde und liebe Nachbarn können ebenfalls dazugehören.
- Playdates und Babysitting
Playdates sehen häufig so aus: Deine Kinder wollen mit den Kindern von XY spielen. Also fährst du sie hin und verbringst dann erzwungenermaßen Zeit mit den Eltern der anderen Kinder. Das kann nett sein, wenn du dich mit den Eltern verstehst oder ihr sogar Freunde seid. Anderenfalls ist es einfach nur Zeit, die dir noch mehr Energie raubt.
Also gestalte Playdates im Wechsel und anders. Es reicht vollkommen, wenn ein Erwachsener aufpasst. Die anderen Eltern können so lange etwas Freizeit genießen, ihre Batterien aufladen oder Aufgaben ohne gleichzeitige Kinderbespaßung erledigen.
- Zeitfresser und vermeintliche Perfektion abschaffen
Kennst du Eltern, die ständig etwas mit ihren Kindern unternehmen? Jedes Wochenende gibt es mindestens einen Ausflug. Jedes Jahr zwei oder drei Urlaube, aus denen die Eltern verausgabter zurückkommen. Jede Woche gibt es Spieleabende und besondere Erlebnisse. Bei jedem Treffen mit Freunden gibt es ein spezielles Kinderbuffet und 93 Spiele, die natürlich von den Eltern organisiert und geleitet werden.
Sei dir selbst eine Hilfe, indem du das Verhalten abschaffst. Nerven dich die Ausflüge zum 165. Spielplatz, bei denen ihr erst einmal im Stau steht und dann von Menschenmassen umgeben seid? Dann schaff sie ab oder reduzier sie zumindest.
Setz deine Wünsche im Wechsel mit denen deiner Kinder an die erste Stelle. Ja, es darf auch mal der faule Tag zu Hause sein, das Grillen im Garten, der Ausflug zu einem Ziel, das dich interessiert. Es dürfen mal die fertigen Snacks zum Playdate sein und nein, du musst deine Kinder nicht durchgängig bespaßen.
Tipp #6: Andere Themen kennen
Denk an das Treffen mit Freunden zurück, bei dem dann doch wieder nur Kinderthemen besprochen werden. Hast du ein Date mit deinem Partner und anstatt euch auf euch zu konzentrieren, geht es um Geld und Rechnungen, die Kinder, den Haushalt und die Kinder?
Einigen Eltern fällt es sehr schwer, sich auf andere Themen einzulassen. Aber gerade das ist wichtig bei der Vorbeugung des Eltern-Burnouts. Denn du bist eben nicht nur Mama oder Papa. Du bist auch immer noch eine erwachsene Person mit Vorlieben, Abneigungen und Interessen. Ebenso wie dein Partner und deine Freunde.
Also trainier dir wieder an, über andere Themen nachzudenken und zu sprechen. Konzentrier dich auf ein Hobby und tausch dich darüber aus. Frag nach, wie es anderen geht und hör wirklich zu. Du verhinderst dadurch, dass deine Welt nur noch aus Kindern und Arbeit besteht.
Tipp #7: Rechtzeitig die Reißleine ziehen
Du musst nur noch bis Freitag durchhalten, dann heißt es endlich Kraft tanken. Wäre da nicht die Kinderfeier am Samstag. Aber am Sonntag, da nimmst du dir endlich Zeit für dich! Solange, bis dein Kind Langeweile hat oder dich das schlechte Gewissen einholt, weil im Haushalt reichlich zu erledigen ist.
Ja, es gibt zahlreiche Gründe, Zeit für dich aufzuschieben. Allerdings erhöhst du damit das Risiko, auszubrennen und somit auch auszufallen. Zieh daher rechtzeitig die Reißleine, bevor nichts mehr geht. Gönn dir das kinderfreie Wochenende. Lass dir von Freunden helfen und frag ab und an die Eltern der Freunde deiner Kinder, ob sie einen Fahrdienst übernehmen können. Später kannst du dich ebenso revanchieren.
Tipp #8: Wirklich schöne Momente sammeln
Hör auf mit den Vergleichen und der Darstellung auf Social Media. Sammle stattdessen wirklich schöne Momente, die dir Kraft geben und Spaß machen. Gib deinen Kindern beispielsweise Einblicke in deine Hobbys und deine Interessen. Mach Ausflüge, die dir gefallen.
Spiel wirklich ausgelassen mit deinem Nachwuchs oder veranstalte einfach mal einen Filmnachmittag, wenn dir nach mehr Ruhe ist und verwandle dabei das Wohnzimmer in eine Kissenburg oder in ein Kino.
Konzentrier dich auf das, was dir und euch Spaß macht – anstatt Vergleiche zu anderen zu ziehen oder Foto-Möglichkeiten zu schaffen.
Tipp #9: Journaling und darüber reden
Dich quälen immer wieder Sorgen, Schuldgefühle oder du hast das Gefühl, nicht voranzukommen? Schreib es dir von der Seele. Tagebuch zu führen, hat einen erleichternden und therapeutischen Effekt.
Das gilt auch für das Sprechen mit jemandem, der dich versteht. Dein Partner, Freunde, andere Eltern, (online) Selbsthilfegruppen und Therapeuten kommen infrage. Wird dir alles zu viel und du sprichst darüber, nimmt das bereits etwas von der Belastung. Gleichzeitig kannst du Rat einholen oder Hilfe annehmen.
Hilfe bei Eltern-Burnout
Bisher hast du alles gegeben, warst 24/7 sofort für deine Kinder da, hast eigene Bedürfnisse nicht nur hinten angestellt, sondern vergessen.
Doch jetzt fühlst du dich emotional distanziert von deinen Kindern, kannst dich tagsüber kaum noch aufraffen und schläfst in der Nacht schlecht oder gar nicht. Freude ist eine ferne Erinnerung. Deine Konzentration lässt nach, dafür bist du ständig gereizt und könntest wegen Kleinigkeiten aus der Haut fahren – oder tust das bereits. Hier liegt klar ein Eltern-Burnout vor. Leider handelt es sich dabei noch nicht um eine medizinische Diagnose. Dementsprechend ist dafür auch keine Krankschreibung vorgesehen.
So richtig helfen würde dir die ohnehin nicht, schließlich kannst du dich bei deiner Familie nicht krankmelden. Oder?
Aber:
- Burnout ist Burnout
Bist du ausgebrannt, kannst du auch im Job nicht mehr die gewohnte Leistung bringen. Und die allgemeine Bezeichnung „Burnout“ ist ebenfalls keine allgemeine Erkrankung, aber eine Rechtfertigung für eine Krankschreibung.
2. Kannst du dich sehr wohl bei deiner Familie krankmelden, schließlich ist auch krank gleich krank.
Unterstützung bei oder Zuschüsse für die Kinderbetreuung sind möglich. Gleichzeitig solltest du die Zeit nutzen, um dich wirklich zu erholen und in therapeutischer Begleitung dem nächsten Burnout vorzubeugen.
Darüber hinaus gibt es mehrere Anlaufstellen und Möglichkeiten bei einem Eltern-Burnout.
Hilfe #1 bei Eltern-Burnout: Hausarzt
Dein erster Ansprechpartner bei schwerer, psychischer Erschöpfung ist dein Hausarzt. Eine Krankschreibung ist möglich und sollte von dir wahrgenommen werden. Denn sie bedeutet zumindest das zeitweise Aussetzen der beruflichen Belastung.
Sind deine Kinder in KiTa oder Schule, hast du in diesen Stunden Zeit, um Schlaf nachzuholen, einen Therapeuten zu finden und dich zu erholen. Plan in dieser Zeit Aktivitäten ein, die dir guttun. Spaziergänge, Freundschaften pflegen, nicht jugendfreie Filme ansehen, zur Abwechslung Bücher für Erwachsene lesen, Wellnessanwendungen – wichtig ist, dass du in dieser Zeit etwas für dich machst, nicht für andere.
Hilfe #2 bei Eltern-Burnout: Therapeut
Ein Psychotherapeut ist bei Burnout immer sinnvoll, denn hinter der Erschöpfung stecken nicht nur die vorhandenen, praktischen Belastungen. Dahinter stehen auch oftmals:
- Perfektionismus
- ungesunde Vergleiche
- fehlendes Wissen zu Hilfsoptionen
- mangelnder Ausgleich
- falsche Prioritäten
- (innere) Konflikte
Ein Therapeut kann dir zum einen dabei helfen, deine Resilienz aufzubauen, gesündere Verhaltensweisen und Prioritäten aufzubauen. Zum anderen kann er im Therapieverlauf herausfinden, ob es sich „bloß“ um einen Burnout handelt oder eine Depression vorliegt und eventuell eine medikamentöse Behandlung erforderlich ist.
Hilfe #3 bei Eltern-Burnout: Familienberatung
(Unabhängige) Familienberatungsstellen können dir dabei helfen, bessere Unterstützung im Alltag mit Kindern zu finden und deine Einstellung in Bezug zur Erziehung zu verändern. Dafür werden unter anderem Elterncoachings angeboten.
Sie sind insbesondere dann sinnvoll, wenn du dich in der Erziehung einer besonderen Herausforderung gegenübersiehst – wie beispielsweise einem Kind mit ADHS oder alleinerziehend bist.
Hilfe #4 bei Eltern-Burnout: Krankenkasse
Leidest du unter einem (Eltern-)Burnout, solltest du die Angebote deiner Krankenkasse nicht außen vor lassen. Zu ihnen gehören beispielsweise:
- Beratungen
- Hilfsangebote für Kinderbetreuung
- Kuren
- Online-Kurse
- Therapien
Hilfe #5 bei Eltern-Burnout: Jugendamt
Das Jugendamt kann besonders dann eine gute Anlaufstelle sein, wenn du alleinerziehend bist, spezielle Ansprüche bei der Erziehung oder finanzielle Notsituationen bestehen. Schließlich tragen auch Geldsorgen zur Entstehung eines Eltern-Burnouts bei. Möglich sind:
- Beratung
- finanzielle Unterstützung und Vorschüsse
- rechtliche Unterstützung
- sozialpädagogische Betreuung
- Zuschüsse zur Betreuung
Hilfe #6 bei Eltern-Burnout: (online) Selbsthilfegruppen
Der Austausch mit anderen Betroffenen kann helfen, weil du dich dadurch gehört und nicht allein fühlst. Zusätzlich kannst du bei Online-Selbsthilfegruppen anonym bleiben und von den Erfahrungen anderer profitieren.
Hilfe #7 bei Eltern-Burnout: Mutter-ohne-Kind-Kur
Mutter-Kind-Kuren kennt wohl jeder. Bei einem Eltern-Burnout geht es jedoch darum, dass du dich zur Abwechslung nicht um deinen Nachwuchs – sondern um dich kümmerst. Daher sind hier Mutter-ohne-Kind-Kuren angeraten. Bei ihnen kannst du Abstand gewinnen, Schlaf nachholen und wichtige Methoden zur Steigerung deiner Resilienz lernen.
Eltern-Burnout – ein Tabu, über das wir reden müssen
Der Eltern-Burnout ist für viele ein Tabu-Thema, da er noch mit Versagen gleichgesetzt wird. Dazu kommt die emotionale Distanz zu den Kindern, die beim Ausgebranntsein besteht. Dabei ist er eine vollkommen logische Folge davon, sich andauernd selbst zu vergessen und zu übernehmen.
Ob das im Beruf oder zu Hause mit den Kindern passiert, ist unerheblich. Denn die Kräfte sind endlich. Scheu dich also nicht davor, über den Eltern-Burnout zu sprechen und Verständnis dafür zu schaffen.








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