Hört endlich auf, Schwiegermonster zu sein! Warum jeden Tag böse Schwiegermütter entstehen

Viele Schwiegertöchter und Schwiegersöhne können ein Lied davon singen: Wenn die Schwiegermutter sie einfach nicht mag, ihre Nase in alles steckt und fortlaufend kritisiert, ist das mehr als nur ein bisschen anstrengend. Aber wie kommt es, dass diesem Wissen zum Trotz immer wieder neu furchtbare Schwiegermonster auftauchen? Hier gibt es die ungeschönten Antworten darauf.

  1. Schwiegermütter: die Geschichte wiederholt sich
  2. DAS ist etwas ganz anderes!  
  3. Die Selbstreflektion fehlt
  4. Selbstüberschätzung herrscht vor
  5. Eifersucht und Verlustängste
  6. Schwiegermonster könnten schon lange der Vergangenheit angehören…

Schwiegermütter: die Geschichte wiederholt sich

Es war einmal ein erstes Treffen der Eltern. Mein Partner konnte es gar nicht abwarten, mich seinen Eltern vorzustellen. Ich war hingegen ein Nervenbündel. Nach einer langen Fahrt stand sie vor mir, die Schwiegermutter in Spe, und legte direkt los:

Ich sollte nicht aufgeregt sein, meinte sie. Sie selbst hätte eine schreckliche Schwiegermutter gehabt. Fürchterlich eitel war die, erzählte ständig viel zu intime Dinge – vorrangig bei Mahlzeiten – und schwärmte ständig von der Ex-Freundin ihres Sohnes.

Diese Schwiegermutter in Spe zog mich mit ins Wohnzimmer, wo sie die nächsten zwei Stunden damit verbrachte, mir Fotos zu zeigen. Fotos, von sich selbst. Nach 361 Porträt-Fotos „auf denen sie besonders gut aussah“, berichtete mir die Schwiegermutter in Spe von den drei Heiratsanträgen, die sie ausgeschlagen hatte. Ja, sie war unfassbar beliebt bei den Männern. Kein Wunder, war sie doch unheimlich schön und hochintelligent.

Gut, dachte ich mir, ihre eigene Eitelkeit bemerkt sie schon einmal nicht.

Wir setzten uns zum Essen nieder und da begannen sie, die Geschichten von ihrem verstopften Uterus. Vollkommen zugesetzt war der gewesen. Mit Schleim und Gewebefetzen und noch mehr Schleim. Hier war also die zweite Gemeinsamkeit zu ihrer furchtbaren Schwiegermutter. Und Nummer 3 ließ nicht lange auf sich warten. Bereits beim Kaffee begann sie damit, über die Ex-Freundin meines Partners zu reden und so von ihr zu schwärmen, dass ich mich schließlich fragte: „Was mache ich eigentlich hier?!“

Was ich mich allerdings ebenso fragte: Warum kritisierte meine Schwiegermutter in Spe die Eitelkeit, die zu persönlichen Geschichten bei den Mahlzeiten und das Schwärmen von der Ex – und hatte  dann in weniger als 5 Stunden jede einzelne dieser Verhaltensweisen an den Tag gelegt?


Fiel ihr das wirklich nicht selbst auf?

Damit sind wir angekommen, an der Stelle, an der wir erfahren, warum jeden Tag ein Schwiegermonster entsteht.

DAS ist etwas ganz anderes!  

Die wahre Geschichte meiner Schwiegermutter in Spe ist kein Einzelfall und weit entfernt von selten. Selbst bei Freunden und Bekannten lässt sich beobachten: Eigene schlechte Erfahrungen mit den Schwiegereltern halten viele nicht davon ab, selbst zum Schwiegermonster zu werden.

Das liegt zum einen daran, dass die Perspektive fehlt. Wer selbst ständig kritisiert, fühlt sich dabei im Recht und empfindet es als „nicht so schlimm“. Oder aber als vollkommen angebracht. Wer selbst ständig kritisiert wird, leidet hingegen.

Lass mich dir noch eine Geschichte erzählen. Bei der Recherche für ein Buch interviewte ich Hunderte von Frauen. Eine der Interviewfragen dreht sich um die Dauer im Familienbett. „Wie lange würden Sie Ihr Kind im Familienbett schlafen lassen? Gibt es für Sie ein Maximalalter wie 10, 12 oder 14 Jahre, bei dem Sie darauf bestehen würden, dass Ihr Kind im eigenen Bett schlafen geht?“

Die überwiegende Mehrheit der Mütter gab an, dass sie ihr Kind entscheiden lassen und kein Maximalalter haben. Wer mit 14, 15 oder 16 noch bei Mama im Bett schlafen will, der braucht das einfach noch.

Ein paar Fragen später wollte ich wissen: „Wenn Ihr Partner bis zum 14. Lebensjahr im Bett seiner Mutter geschlafen hätte, wie würden Sie das finden?“

Viele platzten als Antwort heraus: „So etwas käme mir gar nicht erst ins Haus!“

Interessant, oder? Beim eigenen Partner oder bei einem potenziellen Partner empfanden viele das lange Schlafen im Familienbett als abstoßend, bedenklich und als Grund dafür, von vornherein keine Beziehung mit der Person einzugehen. Viele befürchteten, das Schlafen im Familienbett bis in die Pubertät hinein, deutete auf eine ungesunde Beziehung zu den Eltern und insbesondere der Mutter hin.

Bei den eigenen Kindern war es für sie hingegen vollkommen in Ordnung. Denn: DAS ist etwas ganz anderes!

Oder?

Die Selbstreflektion fehlt

Kennst du Frauen, die sich über die Unfähigkeit und Unselbstständigkeit mancher Männer aufregen? Sie können nicht nach Einkaufszettel einkaufen, nicht kochen, die Waschmaschine nicht bedienen, ziehen eine Spur aus Chaos hinter sich her und alles muss ihnen mindestens dreimal gesagt werden.

Und dann werden sie selbst Mütter, schneiden dem 12-jährigen Sohn noch immer das Fleisch in mundgerechte Stücke, waschen dem 20-Jährigen noch immer die Wäsche und verstehen gar nicht, warum die Schwiegertochter die Bemutterung eines Erwachsenen eventuell nicht ganz so großartig findet. Dabei kritisieren sie die häusliche Unselbstständigkeit ihrer Männer fröhlich weiter. DAS ist ja wieder was anderes. Aus unerfindlichen Gründen.

Vielen fehlt die Selbstreflektion und die Übertragungsleistung und so wiederholen sie einfach das, was sie kennen. Obwohl sie sich darüber aufregen, wenn es sie selbst betrifft.

Wären Schwiegermonster selbstreflektierter, gäbe es keine Schwiegermonster mehr. Es liegt an jeder Frau selbst, das eigene Verhalten zu reflektieren und es besser zu machen als die Schwiegermonster, über die sie sich aufregen.

Selbstüberschätzung herrscht vor

Ein weiterer Grund für die Entstehung der Schwiegermonster: Die eigenen Kinder und die eigene Person werden überschätzt, andere hingegen abgewertet. Ganz egal, wie die Wertung objektiv aussieht. Das führt zu haushohen Anforderungen an jeden potenziellen Partner, während die Fehler und Unzulänglichkeiten des eigenen Nachwuchses heruntergespielt werden.

Hier ist genaueres Hinsehen gefragt. Schwiegermütter werden nicht zu Schwiegermonstern, wenn sie so objektiv und fair wie möglich sind. Wenn sie die Schwächen und Fehler ihrer Kinder anerkennen und ihre Schwiegerkinder wirklich kennenlernen.

Eifersucht und Verlustängste

Für viele Eltern ist es nicht leicht, wenn ihre Kinder erwachsen und flügge werden. Betritt dann noch ein Partner das Bild, ist dieser schnell an allem schuld. Am Umzug in weitere Entfernung, an weniger Besuchen im Elternhaus und an der vollkommen normalen Abnabelung.

Eifersucht und Verlustängste tragen oft zur Entstehung der Schwiegermonster bei. Allerdings ist das nichts, was Mitleid verdient. Zumindest dann nicht, wenn es zur Abwertung des Partners oder zur ständigen Einmischung in die Beziehung führt.

Dafür gibt es deutlich gesündere Umgangsweisen und selbst bei Angst um das eigene Kind muss niemand zum Schwiegermonster werden. Tatsächlich kann genau dieses Verhalten dazu führen, dass der Nachwuchs auf Abstand geht.

Schwiegermonster könnten schon lange der Vergangenheit angehören…

…wäre da nicht die fehlende Selbstreflektion und die Überzeugung, dass das eigene Verhalten etwas ganz anderes ist, obwohl sich die Geschichte einfach nur wiederholt.

Wer nicht zum Schwiegermonster werden will, muss genau da ansetzen: bei der Selbstreflektion. Und kann vielleicht sogar von den eigenen Erfahrungen profitieren.

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