Sittervising und Selbstregulation bei Kindern: Warum das Spielen allein so wichtig ist

Schon von Sittervising gehört? Der vermeintliche Trend sollte vor ein paar Jahren aus den USA rüberschwappen und als Gegensatz zu der Helikopter-Elternschaft dienen, ist bis heute aber eher eine übersehene Fußnote. Leider, denn der vermeintliche Trend erinnert an etwas, das durch moderne Erziehungsstile immer mehr in Vergessenheit gerät.

  1. Was ist Sittervising?
  2. Selbst beschäftigen – Selbstregulation trainieren
  3. Sittervising: wichtiger Vorteil für die Eltern
  4. Was Sittervising nicht ist
  5. Ab wann solltest du Sittervising einführen?

Was ist Sittervising?

Kurz gesagt: Beim Sittervising lehnen sich Eltern zurück und lassen ihre Kinder zur Abwechslung allein spielen. Mama und Papa beobachten lediglich aus der Ferne, ohne sich aktiv am Spiel zu beteiligen. Das schließt auch Anleitungen, Korrekturen und Kommentare ein, auf die beim Sittervising verzichtet wird.

Auf die Gefahr hin, alt zu klingen, zu meiner Zeit hieß das Ganze schlicht und einfach spielen oder spielen lassen. Dass sich Kinder selbst beschäftigen, war vollkommen normal. Ob sie dabei Burgen aus Bausteinen konstruierten, malten oder eine Tee-Party veranstalteten – einen gesonderten Begriff hat dafür niemand erfunden und es musste auch niemand daran erinnert werden, den Nachwuchs einfach mal machen zu lassen.

Im heutigen Wust aus Attachment-Parenting, Familienbett, Dauertragen und Helikoptern sollte der vermeintliche „Trend“ und all seine Vorteile aber durchaus betont werden. Nicht zuletzt, weil das Spielen allein ausschlaggebend für die Selbstregulation von Kindern ist.

Selbst beschäftigen – Selbstregulation trainieren

Damit Kinder sich zunehmend besser selbst regulieren können, benötigen sie Anleitung und Unterstützung, aber auch Freiraum für eigene Entscheidungen, eigene Ideen und eigene Versuche der Problemlösung.

Herrscht gerade Langeweile? Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, der kindgerechten und kostengünstigen Beschäftigung. Als Elternteil solltest du dennoch nicht jedes Mal spontan eine lange Liste der Aktivitäten runterrattern und in Aktion springen, um Kissenburgen zu bauen, gemeinsam zu basteln, Brettspiele bereitzulegen oder zusammen den größten Lego-Bausatz zusammenzusetzen. Lass dein Kind selbst auf Ideen kommen, um die Langeweile zu beseitigen.

Es lernt dabei, eine Lösung für ein unangenehmes Gefühl zu finden, selbst eine Entscheidung zu treffen und Zeit allein zu gestalten. Halt dich zusätzlich mit Kommentaren, Korrekturen und Anleitungen zurück. Ständiges Feedback – egal, wie gut es gemeint ist – verhindert, dass dein Nachwuchs selbstbestimmt vorgeht und experimentiert.

Gerade das ist es jedoch, was zur Selbstregulation beiträgt und dabei hilft, sie zu trainieren. Denn beim eigenständigen Ausprobieren entsteht zumindest gelegentlich Frust. Misserfolge lassen sich nicht vermeiden und auch sie sind wichtige Schritte auf dem Weg der Entwicklung.

Sittervising: wichtiger Vorteil für die Eltern

In vielen Familien stehen die Kinder 24/7 an oberster Stelle und im Mittelpunkt. Gerade bei der bindungsorientierten Erziehung werden darüber sehr oft andere Beziehungen und Dinge vernachlässigt. Freundschaften liegen brach oder sind schon längst gestorben, weil vor allem Mütter sich keine Zeit dafür nehmen. Woher auch, wenn die Kinder jede Minute des Tages einnehmen?

Beziehungen zerbrechen, weil sich der Partner nicht mehr gehört und gesehen oder wichtig genommen fühlt. Und nicht zuletzt vernachlässigen allzu behütende und bespaßende Eltern sich selbst.

Betrachtest du Sittervising als festen Bestandteil des Alltags und als Wohltat für die Entwicklung deines Kindes, gewinnst du endlich wieder Zeit für dich selbst. Häng Tagträumen nach, pflege Freundschaften und deine Beziehung, atme einfach mal durch oder geh einem Hobby nach, bei dem du dein Kind, falls nötig, noch im Auge hast.

Betrachte die Zeit als das, was sie ist: ein Gewinn für euch beide.

Was Sittervising nicht ist

Beim Sittervising geht es darum, dass dein Kind spielt und du weder eingreifst noch mitmachst oder korrigierst. Du bist einfach nur passiver Zuschauer und beschäftigst dich im Idealfall mit dir selbst, mit Freunden oder deinem Partner.

Was Sittervising nicht ist:

  • Fernsehen oder Computerspiele spielen
  • Gesellschaftsspiele mit den Eltern spielen
  • ein von dir vorgeschlagenes Spiel spielen

Lass dein Kind selbst auf eine Idee kommen und fordere die Zeit für dich ein. Sei zur Abwechslung nicht der Entertainer. Das kann eine erhebliche Umstellung sein, wenn dein Nachwuchs bisher gewohnt war, dass du die Zeit verplanst, Playdates organisierst, Spielpartner bist und Feedback gibst.

Ab wann solltest du Sittervising einführen?

Bereits Säuglinge können und sollten sich selbst beschäftigen. Bis zum Alter von drei Jahren sollten Kinder wenigstens 30 Minuten am Stück allein spielen, malen oder basteln können. Ab drei Jahren sogar mindestens 60 Minuten durchgängig und ohne Spielpartner.

Eltern haben einen großen Einfluss darauf, ob ihre Kinder diese Zeiten schaffen und genießen. Bespaßt du dein Kind ständig, weil du pädagogisch wertvolle Aktivitäten aneinanderreihen möchtest? Oder weil du es nicht aushältst, wenn sich dein Kind kurz langweilt und mault? Damit tust du weder ihm noch dir einen Gefallen.

Führ das Alleinspielen oder Sittervising also von Anfang an oder ab sofort ein und erinnere dich bei Bedarf ruhig öfter daran, dass du damit die gesunde Entwicklung deines Kindes förderst.

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