Hilfe, mein Kind will ein Haustier! Was tun?

Die meisten Kinder wollen früher oder später ein Haustier. Bei manchen verschwindet der Wunsch innerhalb kürzester Zeit wieder. Bei anderen bleibt er jahrelang bestehen. Was also tun, wenn du dir unsicher bist, ob ein Haustier für dein Kind eine gute Idee ist? Hier bekommst du Antworten aus der Praxis.

  1. Kinder und Haustiere: die Vorteile und Nachteile
    1. Schritt 1: Will dein Kind wirklich ein Tier?
    2. Schritt 2: Warum will dein Kind ein Haustier?
    3. Schritt 3: Welches Tier passt zu euch und zum Wunsch deines Kindes?
    4. Schritt 4: Recherchieren und Kennenlernen
    5. Schritt 5: Probelauf und praktische Erfahrungen
  2. Alternativen zum eigenen Haustier

Kinder und Haustiere: die Vorteile und Nachteile

Kinder, die richtig mit Haustieren aufwachsen, lernen von Anfang Rücksichtnahme, Verantwortungsbewusstsein und können sich umfassendes Wissen über andere Spezies aneignen. Sie lernen die Körpersprache anderer besser zu lesen und können sogar einfühlsamer sein. Viele gute Gründe also, um den Tierwunsch deines Kindes zu erfüllen.

Aber, natürlich gibt es auch potenzielle Nachteile, wie:

  • Tiere kosten:

Grundausstattung, Anschaffung des Tieres, Tierarzt, Futter, Pflege und bei Hunden zusätzlich Steuern und Versicherungen – Tierhaltung kann schnell zu einem großen Kostenfaktor werden, der nicht in jedes Familienbudget passt. Dabei sind Stabheuschrecken oder Guppys selbstverständlich eine ganze Ecke günstiger als Hunde und Katzen.

  • Tiere machen Arbeit:

Ob das Gehege der Kaninchen oder der Meerschweinchen, das Katzenklo, die Erziehung und das tägliche Gassi mit dem Hund, um die Arbeit kommt ihr mit einem Haustier nicht herum. Du solltest dir darüber bewusst sein, dass zumindest ein Teil davon auf dich zukommt. Hier spielen das Alter deines Kindes und die Art des Haustieres eine Rolle. Aber auch eure Vorbereitung ist entscheidend.

  • Gefahr für Kinder und Tiere:

In einem Ratgeber las ich einmal, dass Eltern sich vertraglich zusichern lassen sollten, dass das gekaufte Tier kinderlieb ist. Wie gehirnamputiert ist das denn?

Du kannst dir im Leben eine ganze Menge vertraglich zusichern lassen. Zum Beispiel, dass deine Waschmaschine garantiert über einen Schnellwaschgang verfügt, der Gebrauchtwagen garantiert einen gültigen TÜV hat und dein Joghurt garantiert 5 Prozent natürliche Aromen erhält. Aber, dass ein Tier unter allen möglichen und unmöglichen Bedingungen „kinderlieb“ oder besser gesagt „kindersicher“ ist – diese Garantie gibt es nicht.

Hier bist du als Mutter oder Vater gefragt. Und zwar in beide Richtungen.

Denn tatsächlich ist es bedeutend häufiger, dass Haustiere von Kindern (schwer) verletzt oder sogar getötet werden als andersherum. Hinzu kommt, dass Mäuse, Hamster, Meerschweinchen ebenso kratzen, zwicken und beißen können wie Vögel, Katzen und Hunde. Böse Absicht oder Aggressionen stecken in den meisten Fällen keineswegs dahinter. Stattdessen Angst, Schreck und Schmerzen. Denn: Kinder sind im Umgang mit Tieren leider oftmals grob, provozieren oder betrachten die Haustiere generell als Spielzeuge oder animierte Plüschtiere.

Sei dir also der Gefahr für Kinder und Haustiere bewusst, wenn du nicht ausreichend aufpasst, absicherst und zum richtigen Umgang mit Tieren erziehst.

Schritt 1: Will dein Kind wirklich ein Tier?

Manchmal will ein Kind Ballerina werden. Oder zur Feuerwehr. Vielleicht als Astronaut in den Weltraum oder als Schauspieler nach Hollywood. Wechselnde Wünsche und Ziele sind in der Kindheit und Jugend vollkommen normal und sogar wichtig für die Entwicklung.

Bei einem wirklich ernsthaften Wunsch wird dein Kind allerdings heute, nächste Woche, in zwei Wochen und nächsten Monat noch eben den Wunsch nach einem Haustier haben.

Bau also erstmal eine Wartezeit ein und fülle diese mit allen nötigen Fragen und Vorbereitungen. Schließlich übernehmt ihr die Verantwortung für ein Lebewesen, und das sollte nie überstürzt werden.

Schritt 2: Warum will dein Kind ein Haustier?

Weil der beste Freund auch eins hat? Weil ein Tier in einem Film vorkam? Weil Haustiere niedlich sind?

Diese Gründe sind denkbar ungünstig. ABER: Du kannst sie durch die richtigen Fragen und eine gesunde Dosis Realität spielen einfach entkräften. Dabei helfen dir die folgenden Schritte weiter.

Was aber, wenn dein Kind wirklich gute Gründe anführt? Weil es Tiere spannend findet, weil es genauso schön mit Katzen oder Hunden spielen will, wie ein Freund, oder sich gerne um ein anderes Haustier kümmern möchte? Auch dann solltest du die folgenden Schritte nicht überspringen.

Schritt 3: Welches Tier passt zu euch und zum Wunsch deines Kindes?

Dein Kind will immer noch ein Haustier und hat (gute) Gründe oder zumindest einen sehr intensiven Wunsch? Dann heißt es jetzt, aktiv zu werden. Liste erst einmal alle Gründe auf, die dagegensprechen (könnten).

  • Allergien:

Bestehen innerhalb der Familie Allergien gegen Tiere? Klärt das ab, bevor ich euch für die Anschaffung entscheidet. Beispielweise durch Allergietests beim Arzt oder durch wiederholten Kontakt zu den Tieren.

  • Kosten:

Wie viel kostet ein Tier dieser Art und könnt ihr euch Haustiere finanziell leisten?

  • Zeit und Arbeit:

Wer wird (realistisch) die Arbeit rund um das Tier übernehmen? Reinigung des Geheges, der Toilette oder Gassirunden, Pflege von Krallen, Fell und Zähnen, Erziehung, Fütterung, Tierarztbesuche fallen sehr unterschiedlich aus und sind unerlässlich.

Einige Aufgaben können selbst kleine Kinder in der Regel problemlos übernehmen. Futter und Wasser geben, Beschäftigung durch Spielen oder Gestaltung des Geheges gehören dazu. Dennoch liegt der Hauptteil der Arbeit zumindest anfangs bei dir.

Durch das Aufführen der (potenziellen) Nachteile fallen bereits einige Haustiere weg.

Schritt 4: Recherchieren und Kennenlernen

In diesem Schritt werdet ihr aktiv. Recherchiert gemeinsam, was die Tierarten brauchen, die für euch als Haustiere infrage kommen. Lest im Internet nach und besorgt euch Ratgeber in der Bibliothek oder bei Bekannten. Unterhaltet euch mit anderen Haltern oder Züchtern. Besucht Zoofachgeschäfte, das Tierheim und Ausstellungen. Informiert euch in Foren.

Seid dabei gründlich und ausführlich. Je mehr ihr lest, durch Halter und Experten in Erfahrung bringt, desto besser. Vielleicht fällt euch dabei auf, dass ihr euch die Haltung doch ganz anders vorgestellt habt. Mittlerweile ist es zum Glück beispielsweise überholt, Kaninchen, Meerschweinchen und Vögel allein und in viel zu kleinen Käfigen zu halten. Es hat sich auch herumgesprochen, dass Hamster nicht gerne kuscheln und als nachtaktive Tiere auch ansonsten nicht die beste Wahl für Kinder sind.

Aber wusstest du, dass Ratten als hochsoziale und intelligente Haustiere ebenso eine gute Wahl sein können wie Mäuse? Oder, dass du mit Kaninchen Tricks trainieren und Kaninchensport betreiben kannst? Und dann gibt es auch noch Chinchillas, Streifenhörnchen, Weißbauchigel, (Zwerg-)Hühner, Wachteln und viele mehr.

Lasst euch für die Recherche Zeit und schaut dabei ruhig über den Tellerrand hinaus. Ihr werdet dabei eine Menge lernen und vielleicht wird es sich dein Kind auch einige Male anders überlegen, wenn es die Vielfalt der Haustierwelt kennenlernt. Macht ein Projekt daraus, so viel Wissen wie möglich zu sammeln. Abhängig vom Alter deines Kindes kannst du aus der Vorbereitung auch eine sinnvolle Übung und Beschäftigung gestalten. Lass es zu jedem Tier einen umfassenden Steckbrief anfertigen, dessen Details über die Steckbriefe im Internet hinausgehen.

Größe, Gewicht und Lebenserwartung sind gut und schön, aber wie genau müssen die Tiere gehalten werden? Einzeln, als Paar oder in Gruppen? Welches Futter benötigen sie? Welche Krankheiten und Probleme treten häufig auf? Welche Pflege ist erforderlich?

Du förderst damit die Selbstständigkeit und kannst bewirken, dass dein Kind von allein ein realistisch passendes Haustier wählt. Ganz nebenbei dauert die Auswahl auf diese Weise eine Weile und die vorübergehenden Wünsche werden aussortiert. Denn so manches Kind verliert an dieser Stelle das Interesse. Andere überraschen hingegen damit, wie gründlich sie recherchieren und wie konzentriert sie bei der Sache bleiben.

Schritt 5: Probelauf und praktische Erfahrungen

Eure Entscheidung ist schon fast gefallen. Dennoch fehlt euch die praktische Erfahrung. Sinnvoll ist es daher, falls möglich, einen Probelauf zu veranstalten. Helft anderen Tierhaltern aus, indem ihr Haustiere am Wochenende oder während des Urlaubs betreut. Besucht Züchter und lasst euch dort nochmal ausführlich beraten, erlebt die Tiere live und holt euch Tipps.

Bei Hunden und Katzen ist auch das Aushelfen in Tierheimen denkbar, um euch mit den Anforderungen der Haustierhaltung vertrauter zu machen.

Alternativen zum eigenen Haustier

Ihr habt nicht ausreichend Platz, Geld oder Zeit für eigene Haustiere? Oder leidet ein Familienmitglied unter Allergien? Dann schaut euch die Alternativen zur eigenen Tierhaltung oder aber andere Haustiere an. Denn die Tierliebe deines Kindes solltest du fördern und auch für Erwachsene ist die Nähe zu Fischen, Vögeln, Reptilien und Vierbeiner oftmals eine Wohltat.  

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