Streit mit Nachbarn – so schützt du dich vor Mobbing und Stalking!

Konflikte, Mobbing und Stalking in der Nachbarschaft treten nicht nur häufig auf, sie sind auch eine extreme psychische Belastung für Betroffene. Wie du dich dagegen wirksam wehrst und künftig davor schützt, erfährst du in den folgenden Tipps.

  1. Wenn Nachbarn mobben und stalken – so wehrst du dich
  2. Tipps gegen Mobbing und Stalking durch Nachbarn
    1. Tipp 1: Schließ eine Rechtschutzversicherung ab
    2. Tipp 2: Tritt dem Mieterschutzbund bei
    3. Tipp 3: Nimm in deiner Wohnung auf
    4. Tipp 4: Dokumentiere Beweise
    5. Tipp 5: Informier dich über deine Rechte
    6. Tipp 6: Lade Zeugen ein
    7. Tipp 7: Lass alles über deinen Anwalt laufen
    8. Tipp 8: Such einen Arzt auf, wenn du leidest
  3. Nachbarn stalken und mobben mich: Falsche Tipps, die du vergessen solltest!
    1. Falscher Tipp 1: Such das Gespräch mit dem Täter
    2. Falscher Tipp 2: Frag bei der Hausverwaltung nach deinen Rechten und Möglichkeiten
    3. Falscher Tipp 3: Mach sofort eine Rechtsberatung
  4. Vorsicht: Mobbing-Mentalität
  5. Nachbarn mobben und stalken: Wehr dich!

Wenn Nachbarn mobben und stalken – so wehrst du dich

Sie wissen, wann du das Haus verlässt und wann du es betrittst, wie oft du zur Mülltonne gehst, wann und von wem du Besuch erhältst, welche Musik du hörst, ob du rauchst oder regelmäßig den Rasen mähst – Nachbarn haben unweigerlich einen gewissen Einblick in dein Leben.

Wenn Mitmieter im Mehrfamilienhaus oder die Menschen nebenan allerdings zu viel Zeit und böse Absichten haben, kann aus dem normalen Kenntnisstand schnell Mobbing oder Stalking werden. Hierbei wird beispielsweise:

  • jede deiner Bewegung beobachtet (und oft kommentiert)
  • dein Briefkasten kontrolliert
  • dein Müll durchsucht
  • jeder Besuch angesprochen
  • unwahre Behauptungen über dich verbreitet
  • Beschwerden und Unterstellungen an den Vermieter gerichtet
  • an deiner Tür gelauscht
  • übergriffige Fragen gestellt
  • Verstöße gegen die Hausordnung erfunden

Das Ziel von Mobbern und Stalkern ist es, Macht über dich auszuüben. Sie sind unzufrieden mit ihrem Leben, gelangweilt, fühlen sich nicht anerkannt oder können psychisch krank sein. In jedem Fall sind sie eine Belastung oder sogar eine Bedrohung für ihre Opfer. Daher ist schnelles Handeln gefragt.

Tipps gegen Mobbing und Stalking durch Nachbarn

„Sie bekommen aber viel Post von xy.“

„Wo fahren Sie denn um 5 Uhr morgens hin?“

„Was werfen Sie denn da weg?“

„Wer sind denn die Leute, die um 21 Uhr noch zu Ihnen kommen?“

„Die Frau XY geht doch anschaffen, wie soll die sich denn sonst die Wohnung leisten?“

„Der Herr YY hat doch eine Affäre, da kommt doch immer eine fremde Frau.“

Traust du dich kaum mehr aus deiner Wohnung raus, wirst du beleidigt oder bedroht, kennen Nachbarn Details über dein Leben, die sie nichts angehen? Wenn du ständig beobachtet und bewertet oder gar verfolgt wirst, sind dringende Schritte zu deinem Schutz nötig. In den Tipps erfährst du, wie du vorgehen solltest und im Anschluss daran, welche falschen Ratschläge du dringend ignorieren musst.

Tipp 1: Schließ eine Rechtschutzversicherung ab

Nachbarschaftsstreitigkeiten gehen oft mit Anzeigen, Beschwerden und Klagen einher. Selbst wenn es sich dabei um falsche Behauptungen handelt, ist die Vertretung durch einen kompetenten Anwalt mehr als empfehlenswert. Eine Beratungsstunde oder auch ein Anwaltsschreiben sind jedoch sehr teuer.

Ist ein Konflikt mit deinen Nachbarn im weitesten Sinne bereits aktenkundig, greift ein danach entstandener Rechtschutz nicht mehr. Schließ also erst die Versicherung ab und beachte das Datum, an dem sie in Kraft tritt. Für gewöhnlich gelten Wartezeiten von einem bis drei Monaten.

Tipp 2: Tritt dem Mieterschutzbund bei

Probleme mit der Vermietung oder Nachbarn sind alles andere als rar. Dementsprechend umfassend sind die Erfahrungen des Mieterschutzbundes, bei dem du dich zu verschiedenen Themen beraten und von dem du dich unterstützen lassen kannst.

Tipp 3: Nimm in deiner Wohnung auf

Deine Nachbarn verleumden dich direkt vor deiner Tür, klopfen, klingeln zu unmöglich Zeiten oder behaupten, du würdest Ruhestörung betreiben? Lass in deiner Wohnung eine Überwachungskamera laufen. Damit hast du fortlaufende Beweise und eine Dokumentation dafür, dass du dir nichts zu Schulden kommen lässt. Oder aber, dass Straftaten begangen werden oder du belästigt wirst.

Tipp 4: Dokumentiere Beweise

Drohbriefe vor der Tür, geöffnete Briefe im Briefkasten, der Nachbar beobachtet dich schon wieder seit 4 Stunden oder läuft dir hinterher: Halte diese Beweise fest. Dokumentier Störungen, Beleidigungen und alle anderen Probleme, die bestehen.

Tipp 5: Informier dich über deine Rechte

Was ist eine Straftat? Was fällt unter Ordnungswidrigkeiten? Wann darfst du andere Menschen auch ohne Vorwarnung und Einverständnis filmen, um einen Beweis vor Gericht zu haben?

  1. Erstell eine Liste mit den Verhaltensweisen deiner Nachbarn. Dabei kann es sich um das Versperren des Weges im Treppenhaus handeln, um Beleidigungen, kontrollierendes Verhalten, Eingriffe in deinen Briefkasten oder das Lauschen an deiner Tür. Auch die Verbreitung unwahrer Behauptungen gehört auf diese Liste.
  2. Ordne den einzelnen Punkten die Paragraphen des Zivilrechts und des Strafrechts zu.
  3. Lass dich, sofern bereits eine gültige Rechtschutzversicherung besteht, von einem Anwalt beraten.

Kennst du deine Rechte, kannst du deutlich sicherer vorgehen und die Täter in deiner Umgebung auch deutlich gezielter und fundierter darauf hinweisen, dass sie gegen geltende Gesetze verstoßen.

Tipp 6: Lade Zeugen ein

Werden deine privaten Angelegenheiten immer wieder lautstark im Treppenhaus besprochen? Werden deine Besucher abgefangen oder absichtlicher Lärm im Treppenhaus gemacht?

Lade immer wieder Menschen ein, die die Zustände mitbekommen und bezeugen können und dokumentiere die Vorfälle zusätzlich.  

Tipp 7: Lass alles über deinen Anwalt laufen

Wirst du von einem Nachbarn gemobbt oder gestalkt, kannst du einen Unterlassungsanspruch geltend machen und diesen schriftlich verfasst per Einschreiben deinem Mitmieter zustellen lassen. Zusätzlich kannst du eine Unterlassungsklage einreichen und Anzeigen für die einzelnen Vergehen erstatten.

Aber: Ohne rechtliche Beratung und Vertretung gehen damit einige potenzielle Probleme einher.

  1. Die Gefahr für Fehler besteht: Hast du den richtigen Paragraphen erwischt oder solltest du noch weitere Angaben machen? Mit anwaltlicher Betreuung kannst du direkt umfassend und korrekt vorgehen.
  2. Die Verfahren verlaufen im Sande: Selbst im Falle von Körperverletzung und anderen gravierenden Straftaten oder Vergehen verlaufen Anzeigen und Klagen häufig im Sand. Sie werden teilweise anhand vorgeschobener Gründe eingestellt, was Opfer entmutigen und Täter bestätigen kann. Ein kompetenter Anwalt wird dir an dieser Stelle bedeutend weiterhelfen.
  3. Private Schreiben werden nicht ernstgenommen: Bereits der Briefkopf eines Anwaltes auf dem Papier hinterlässt Eindruck und kann dafür sorgen, dass sich Täter ab sofort zurückhalten und Polizisten die bestehenden Probleme ernster nehmen.
  4. Offizielle Dokumentation fehlt: Einen Nachweis für das Einschreiben hast du zwar und natürlich auch deine Dokumentation. Dennoch ist es wirksamer, den oder die Täter bei Polizei und Staatsanwaltschaft aktenkundig zu machen und die Akte beim Anwalt wachsen zu lassen.
  5. Immenser Zeitaufwand: Mobbing und Stalking durch Nachbarn ist belastend genug und kostet sehr viel Energie. Schließlich kannst du dich in deinen eigenen vier Wänden nicht mehr sicher fühlen oder wirst spätestens beim Öffnen deiner Tür belästigt. Kommen hierzu nun noch rechtliche Schreiben, Anzeigen und Reaktionen auf deine juristischen Schritte, ist das schnell überfordernd. Wirst du von einem Anwalt betreut, nimmt dieser dir viel Arbeit ab.  

Tipp 8: Such einen Arzt auf, wenn du leidest

Schlafstörungen, ständige Angst, verbale Angriffe, Beleidigungen und Bedrohungen hinterlassen ihre Spuren. Der psychische Stress kann nicht nur eine Therapie erforderlich machen, sondern sich auch körperlich äußern.

Fühlst du dich ständig gestresst und beobachtet? Musst du Vorsichtsmaßnahmen ergreifen? Leiden dein Privatleben und deine Arbeitsleistung? Such einen Arzt auf. Das ist wichtig für deine Gesundheit und für die rechtlichen Schritte.

Nachbarn stalken und mobben mich: Falsche Tipps, die du vergessen solltest!

Bei Konflikten mit deinen Nachbarn hast du mit Sicherheit an verschiedenen Stellen um Rat gefragt, Verwandte und Freunde ins Vertrauen gezogen. Leider fallen dabei immer wieder Tipps, die im Zweifelsfall sogar gefährlich für dich sein können.

Falscher Tipp 1: Such das Gespräch mit dem Täter

Wenn du von deinen Nachbarn gestalkt oder gemobbt wirst, kommt ein Ratschlag sofort: „Such das Gespräch! Back den Nachbarn doch einen Kuchen! Vielleicht ist das Ganze ja nur ein Missverständnis!“

Stell dir vor, ein Fremder auf offenere Straße beginnt damit, dir zu folgen. Er weiß Dinge aus deinem Privatleben, was in deiner Post steht und was du wegwirfst. Er bedroht und beleidigt dich und erzählt anderen Lügen über dich. Wie fühlst du dich?

Bist du verwirrt, hast du Angst und willst dich in Sicherheit bringen? Mischt sich vielleicht Wut über die Person mit in deine Emotionen? Das ist normal und gesund! Immerhin bedroht und beleidigt dich jemand und stalkt dich!

Sehr wahrscheinlich denkst du dir an dieser Stelle nicht: „Ich sollte den Täter auf Kaffee und Kuchen einladen und einfach mal reden!“ Schließlich wirst du gerade bedroht und hast Angst. Genau das empfiehlt dir dieser dumme Ratschlag aber. Sei nett zu deinem Täter.

Ja, auch Anwalt, Polizei, Vermietung und Staatsanwaltschaft werden dich vermutlich fragen, ob du das Gespräch gesucht hast. Ein gewitzter Gegenanwalt wird daraus machen: „Sie fühlen sich also bedroht, verleumdet, haben Angst und sind in Ihrem Leben eingeschränkt und dann führen Sie ein Kaffeekränzchen mit Ihrem angeblichen Mobber/Stalker??? Na, also so schlimm kann es ja dann nicht sein.“

Niemand mobbt oder stalkt aus Versehen oder aufgrund eines Missverständnisses. Daher lässt sich das Problem auch nicht nur ein Gespräch lösen. Im Gegenteil, du kannst damit deine Position als Opfer sogar schwächen.

Falscher Tipp 2: Frag bei der Hausverwaltung nach deinen Rechten und Möglichkeiten

Der Hausverwaltung oder Vermietung ist nicht daran gelegen, dass es dir gut geht. Ihr ist einzig und allein daran gelegen, dass alle ihre Miete zahlen und möglichst wenig Probleme bereiten. Dementsprechend solltest du dich hier nicht über deine Rechte und Möglichkeiten informieren lassen. Du wirst nicht in deinem Sinne beraten.

Was du – möglichst nach Rücksprache mit deinem Anwalt – machen solltest:

Dokumentiere alles, was dich in der Nutzung des Treppenhauses oder deiner Wohnung einschränkt, alle Straftaten und Ordnungswidrigkeiten und lege der Hausverwaltung diese Liste samt Beweisen vor. Kommt es sehr häufig zu Störungen und Vergehen, übermittle die Dokumentation wöchentlich und setz der Verwaltung eine Frist zum Abstellen der Einschränkungen. Anderenfalls kannst du deine Miete mindern.

An dieser Stelle ist die Vermietung oder Hausverwaltung gezwungen, gegen die Täter vorzugehen.

Falscher Tipp 3: Mach sofort eine Rechtsberatung

Dieser Tipp ist nur dann richtig, wenn du bereits über eine wirksame Rechtschutzversicherung verfügst. Anderenfalls kann es sehr schnell sehr teuer werden, weswegen viele Menschen in der Folge lieber auf ihr Traumwohnung verzichten, und die Kosten eines Umzugs tragen, weil sie sich einen Anwalt auf Dauer nicht leisten können.

Vorsicht: Mobbing-Mentalität

Haben sich mehrere Nachbarn gegen dich zusammengerottet? Das ist leider nicht ungewöhnlich. Nach außen erweckt es den Anschein, dass du das Problem bist. Schließlich haben gleich mehrere Personen etwas gegen dich. Das wirkliche Problem sind jedoch zum einen die Mob-Mentalität und zum anderen Angst.

Nachbar A behauptet, du seist in illegale Machenschaften verwickelt, würdest das ganze Haus und alle Mitmieter in Verruf und in Gefahr bringen. „Wissen Sie, was bei der für Leute ein- und ausgehen?! Da kriegt man Angst!“

Diese in die Welt gesetzten Gerüchte machen oftmals schnell die Runde und schon sehen dich mehrere Menschen anders. Du kannst vom netten Nachbarn zum Risikofaktor werden, auf den andere herabschauen. Zum Glück hat Nachbar A aber so gut aufgepasst und ekelt dich aus dem Haus. Schon hat Nachbar A als Stalker oder Mobber ein Gefolge von Unterstützern, die nun ihrerseits dein Leben schwermachen.

Selbst dann, wenn andere dem Täter nicht glauben, werden sie ihm häufig Unterstützung vorspielen und dir nicht helfen. Aus Angst, selbst zum Opfer zu werden.

An dieser Stelle ist es wichtig, das Mobbing oder Stalking öffentlich zu machen. Weise die Hausverwaltung darauf hin, dass es sich um Straftaten handelt und öffentliche Aushänge im Treppenhaus gemacht werden sollen. Auf diesen sollte auch darauf hingewiesen werden, welche Straftaten und Ordnungswidrigkeiten dazu gehören. Beispielsweise:

  • üble Nachrede
  • Verleumdung
  • Rufmord
  • Eingriffe in den Briefkasten
  • Beleidigung
  • Körperliche Bedrohung oder verbale Attacken
  • Nötigung
  • Nachstellen
  • Eingriffe in die Privatsphäre und Unverletzlichkeit der Wohnung
  • Lärmbelästigung
  • Störung des Hausfriedens
  • Unerlaubtes Durchsuchen des Mülls

Wird offengelegt, dass du dich wehrst und Nachbar A kein Held ist, sondern gleich mehrere Straftaten und Ordnungswidrigkeiten begeht (ohne dabei den Namen zu nennen), werden sich andere Nachbarn von dem Haupttäter distanzieren und der Mob-Mentalität wird ein Ende bereitet.

Nachbarn mobben und stalken: Wehr dich!

Leider werden im Fall von Mobbing und Stalking noch immer Täter mehr beschützt als Opfer. Doch du kannst und solltest dich wehren, Beweise sammeln, Zeugen und Hilfe dazu holen und Anzeigen erstatten. Selbst wenn du dich dazu entscheidest, umzuziehen, sind diese Schritte wichtig. Zum einen für dich. Zum anderen für künftige Opfer. Denn sind Täter bereits aktenkundig und fallen erneut auf, werden die Vorwürfe ernster genommen.  

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